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Radiologie 29. März 2006

Handlungsbedarf bei der fetalen MRT

In Österreich und den meisten anderen europäischen Ländern werden Untersuchungen des Fetus von Gynäkologen mittels Sonographie durchgeführt. Bislang haben sich nur einzelne Radiologen mit der präpartalen Diagnostik vertraut ­gemacht. Dennoch werden die Indikationen für Kernspintomographien (MRT) in der Schwangerschaft immer häufiger gestellt.

Die Einbindung des MRT in die Betreuung von Schwangeren bedeutet auch eine Verknüpfung mit der Radiologie. Dr. Isabella Björkmann-Burtscher aus dem Lund University Hospital in Schweden ortet Nachholbedarf: „Es liegt in unserer Verantwortung als Radiologen, uns mit den Anwendungen und Anforderungen des MRT in der Schwangerschaft auseinanderzusetzen. Der Druck der Kliniker auf unsere Fachrichtung, dieses Service anbieten zu können, wird noch größer werden.“ Lange Zeit war die Sonographie der optimale Zugang zur Überwachung der fetalen Entwicklung und Erkennung möglicher Fehlentwicklungen. Besonders wenn im Ultraschall eine Missbildung vermutet wird, kann die Kernspintomographie eine enorme Bereicherung der Diagnostik darstellen. In vielen Fragestellungen ist sie der Sonographie sogar überlegen. Zunächst kam die Methode meist dann zum Einsatz, wenn die Ultraschalldiagnostik aufgrund von Situationen wie zu wenig Frucht-wasser, ungünstige Lage des Feten oder Fettleibigkeit der Schwangeren beeinträchtigt war. An der Universitätsklinik Wien werden etwa 50 Prozent aller MRTs bei Schwangeren im Hinblick auf eine genauere Prognose von Fehlentwicklungen des Zentralnervensystems, wie etwa Spina bifida oder Liquorabflussstörungen, durchgeführt. Technisch ist heute sehr viel mehr möglich.

Bewegungsartefakte sind heute im Griff

Hochgeschwindigkeitssequenzen ermöglichen eine störungsfreie Bildgebung nahezu aller fetalen Organe: Gesicht, Hals, Thorax, Abdominalorgane, aber auch mütterliche Gewebe wie die Plazenta können zuverlässig dargestellt werden. „Die Optimierung der Aufnahmen setzt fundiertes Wissen und Erfahrung mit den Geräten voraus“, betont Prof. Dr. Daniela Prayer, Univ.-Klinik für Radiodiagnostik am AKH Wien, wo fetale MRTs in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für pränatale Diagnostik seit 1998 durchgeführt werden. Richtig angewandt, können die vielfältigen diagnostischen Möglichkeiten der Magnetresonanztomographie durch computerunterstützte Nachbearbeitung, etwa als 3D-Rekonstruktion, weiter gesteigert werden. So kann beispielsweise ein Mekoniumileus intrauterin erkannt und die Lokalisation der Stenose dreidimensional dargestellt werden.

Dynamische Sequenzen erlauben funktionelle Diagnostik

Der im Vergleich zu älteren Systemen extrem rasche Aufbau der Schnittbilder erlaubt auch die Darstellung von bewegten Abläufen. Wenn ein Fetus mit einer Stenose des Ösophagus Probleme beim Schlucken von Fruchtwasser hat, kann das in der Gradientenecho-Sequenz erkannt werden. Ebenso kann der Ablauf der Darmperistaltik untersucht werden. Für mögliche operative Eingriffe nach der Geburt können so rechtzeitig Vorbereitungen getroffen werden.

Stärken der MRT

Manche fetalen Strukturen können derzeit überhaupt nur im MRT visualisiert werden: Defekte der Sehnervenkreuzung oder der Bulbi olfactorii würden in Kliniken ohne MRT unerkannt bleiben. Auch Nierengewebe hat ganz spezifische Signaleigenschaften und kann hervorragend dargestellt werden. So ist auch die Erkennung ektoper oder überzähliger Nieren schon beim Fetus möglich.„Auch wenn bei der Kernspintomographie keine Strahlung im Spiel ist, sollten zwei mögliche Risiken nicht außer Acht gelassen werden: Erstens kann es im Tomographen zu einer Erwärmung von Mutter und Fetus kommen. Zum zweiten bedeutet die Untersuchung eventuell Stress für die Mutter und das ungeborene Kind. Es ist nicht auszuschließen, dass der Fetus Vibrationen oder Lärm ausgesetzt wird“, mahnt Penny Gowland von der Universität von Nottingham zur sorgfältigen Überlegung, bevor eine Schwangere zum MRT zugewiesen wird. Allerdings waren laut Gowland unter Feldstärken bis 5T (im klinischen Bereich werden derzeit nur Feldstärken bis 3T angewendet) weder im Tierversuch noch im Versuch mit unreifen menschlichen Geweben Schädigungen nachweisbar.

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Dr. Alexander Lindemeier, Ärzte Woche 39/2004

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