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Radiologie 4. Juli 2005

Dünndarmdiagnostik mit MRT-Enteroklysma

Das Enteroklysma, auch Sellink Passage genannt, ist eine konventionelle Kontrastmitteluntersuchung des Dünndarms und gilt als Goldstandard in der radiologischen Diagnostik des Morbus Crohn. Die Strahlenbelastung bei dieser Methode ist verhältnismäßig hoch. Das MRT-Enteroklysma verbindet die Vorteile der konventionellen Untersuchung mit der Möglichkeit, Schichtbilder zu erstellen.

Im Gegensatz zur Röntgentechnik werden bei der MRT anstelle bariumhaltiger Kontrastmittel Gadolinium-Verbindungen verwendet. Das MRT-Enteroklysma kann dem Patienten die unangenehme Darmintubation mit einer Nasensonde nicht ersparen, wohl aber die Belastung durch ionisierende Strahlung. Der einzige Nachteil dieser Methode ist eine geringere Auflösung, in der Folge ist die Diagnostik früher Veränderungen des Morbus Crohn, wie etwa sehr oberflächlicher Schleimhautulzerationen, eingeschränkt. „Bei Patienten mit bekanntem Morbus Crohn ist diese Technik optimal zur Erkennung, Lokalisation und Längenabschätzung von Darmläsionen geeignet“, so Dr. Nickolas Papanikolaou, Abteilung für Radiologie der Universität Kreta, Griechenland, beim ECR 2005 in Wien. Er verweist auf die gute Korrelation spezifischer Zeichen des Morbus Crohn im Gadolinium-Enteroklysma mit der klinischen Aktivität der Erkrankung. Zu diesen Zeichen gehören tiefe Ulzerationen, Wandverdickungen oder Veränderungen der mesenterialen Lymphknoten im betroffenen Darmabschnitt. „Wiederholte – und durch den Wegfall der Strahlen-belastung unbedenklich wiederholbare – Untersuchungen ermöglichen einen guten Überblick über den Verlauf der Erkrankung“, betont Papanikolaou. „Die MRT kommt bislang nur zum Einsatz, wenn konventionelle Systeme unzureichende Ergebnisse liefern, wie etwa bei der Lokalisation von Dünndarmfisteln und –strikturen. Heute gängige Kernspintomographen sind nicht speziell auf die Bildgebung im Magen-Darmtrakt ausgerichtet, und Prototypen mit der Möglichkeit für spezifische Anwendungen, wie etwa Fluoroskop-MRT, sind derzeit noch sehr kompliziert und unhandlich in der Praxis“, fasst Prof. Dr. David Lomas von der Cambridge University die aktuelle Situation zusammen. Die Zukunft sieht er allerdings optimistisch: „Die Flexibilität der Magnetresonanztomographie lässt keinen Zweifel aufkommen, dass verbleibende technische Schwierigkeiten rasch gelöst werden.“ Sub-second imaging-Tomographen erstellen Schnittbilder innerhalb von Millisekunden. Sie haben die Qualität der MRT-Bildgebung im Gastrointestinaltrakt entscheidend verbessert. Fehler durch Eigenbewegungen des Darmes können so wesentlich verringert werden. T1-gewichtete Aufnahmen, in denen Entzündungszeichen sehr gut dargestellt werden können, sind nach wie vor anfällig für Störungen durch die Darmmotilität. T2-gewichtete Aufnahmen ermöglichen eine ausgezeichnete Darstellung von Wandverdickungen und helfen Artefakte zu erkennen.

Ausschluss von Artefakten

„In den meisten Situationen können Artefakte reduziert oder sogar eliminiert werden. Die Kombina-tion der beiden Gewichtungen ermöglicht einen sicheren Ausschluss von Artefakten bei hervorragender Darstellung der Weichgewebe“, fügt Lomas hinzu. Zu den Anforderungen an neue Gerätegenerationen zählt er einerseits den raschen Wechsel der Gewichtung und Kontrastierung sowie die Möglichkeit der Umlagerung des Patienten während der Untersuchung. Die MRT des Magendarmtrakts fand längere Zeit wenig Beachtung. Zu Unrecht, sagt Papanikolaou, denn „mit dem MRT hat auch der allgemeine Radiologe eine umfangreiche Bildgebung für Untersuchungen des Dünndarms zur Verfügung, bei gleichzeitigem Wegfall der Strahlenbelastung.“ So könnte das MRT-Enteroklysma in naher Zukunft den konventionellen Goldstandard in der Morbus Crohn-Diagnostik ablösen.

Dr. Alexander Lindemeier, Ärzte Woche 39/2004

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