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Radiologie 29. März 2006

„Dichte Brust“ ist für die Befundung von Bedeutung

Vor allem bei Brustgewebe mit einer höheren Dichte kann die Mammographie mitunter nicht die nötige Information liefern. Eine Hormonersatztherapie kann die Befunde zusätzlich verschleiern.

In den letzten Jahren nahmen vermehrt Patientinnen am Brustkrebs-Screening teil. Grund war nicht zuletzt die mediale Bewusstseinsbildung. „Die Mammographie stellt zur Zeit die beste diagnos-tische Untersuchung bei Frauen jenseits des 50. Lebensjahres dar“, erklärte Prof. Dr. Georg Wolf, Univ.-Klinik für Radiodiagnostik, Abt. Chirurgische Fächer, AKH Wien, anlässlich einer Consensus-Konferenz Anfang April. Allerdings sei die Qualität der Auswertung nicht bei jeder Patientin gleich: Die Brustdichte stellt einen wesentlichen Faktor bei der Ent-deckung von Brustkrebs dar. Diese Dichte unterliegt verschiedenen Faktoren. Neben dem Alter der Patientin kann mitunter auch die Zykluszeit eine Rolle spielen. Exogene Faktoren technischer Natur, wie eine falsche Expositionszeit oder eine mangelnde Komprimierung der Brust, können die Befundung erschweren. Auch ein postoperativer Zustand oder eine Hormontherapie kommen als relevante Parameter in Frage. Das Bild einer Brust, die vorwiegend aus Fettgewebe besteht („leere Brust“), ist gut deutbar. Dominiert das Parenchym, erhöht sich die Dichte stark und führt somit zu einer wesentlich schwierigeren Diagnose. Dazwischen ergeben sich durch unterschiedliche individuelle Verteilung der beiden Gewebstypen vielfältige Varianten.

Genetisch bedingte Faktoren

Der Anteil der beiden Gewebs-typen korreliert nicht mit der Größe der Brust, sondern ist von individuellen, genetisch bedingten Faktoren abhängig. Bei jüngeren Frauen herrscht vor allem fibro­glanduläres Gewebe vor, durch den Rückgang der weiblichen Hormone kommt es zur Involution und zum Ersatz durch Fettgewebe. Die zurzeit gültigen Kategorien des Dichtegrades der Brust werden nach den BI-RADS-Kriterien des American College of Radiology gestellt. In Anlehnung an das PAP-System erfolgt die Zuordnung in eine von 4 Gruppen (siehe Tabelle). Der befundende Ra-diologe sollte diese Einteilung mit einbeziehen. Die Angabe der BI-RADS-Kategorie im Befund ist eine der Voraussetzungen, das Qualitätszertifikat Mammadia-gnostik zu erhalten. Beim Mamma-Screening in der 5. und 6. Lebensdekade, wo die Erfassung kleinster Brustveränderungen erforderlich ist, hat man es – altersbedingt - vor allem mit den BI-RADS-Dichtegraden 1 und 2 zu tun. Das Aufspüren kleiner Pathologien ist daher gut möglich. In 10 bis 15 Prozent der Fälle findet sich allerdings eine Brustdichte der Stufen 3 und 4. Eine Hormonersatztherapie kann die Befunde zusätzlich verschleiern. Neben einer diffusen Zunahme der Brustdichte kann es unter Östrogeneinfluss auch zu einer Größenzunahme vorhandener Fibroadenome kommen. „Eine Therapie mit Hormonen kann so die frühe Diagnosesensitivität verringern“, betont Wolf. Die diffuse Zunahme der Dichte spielt vor allem in den BI-RADS-Kategorien 3 und 4 eine Rolle. Hier können selbst geringe Dichteveränderungen der Brust für die diagnostische Treffsicherheit entscheidend sein.

Wiederholungsuntersuchungen

Sowohl falsch positive als auch falsch-negative Ergebnisse erfordern mitunter Wiederholungsuntersuchungen. Dies wiederum bedeutet einen psychischen Stress für die Betroffenen und eine Erhöhung der Kosten. Rezenten Untersuchungen zufolge verursacht das synthetische Steroid Tibolon keine oder nur eine geringe Änderung der Brustdichte. Auch die Zunahme der Zystengröße ist unter Tibolon nicht zu finden (Valdivia et al, Fertil Steril 2004, 81, 617-23) Somit einigte sich die Österreichische Röntgen-Gesellschaft gemeinsam mit Gynäkologischen Fachgesellschaften auf einen Consensus, der Tibolon als alternativen Hormonersatz in diesen Fällen empfiehlt.

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