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Radiologie 4. Juli 2005

Heiße Themen bewegen die Radiologie

Im Oktober 2004 hat Prof. Dr. Herwig Imhof, AKH Wien, die Präsidentschaft der Österreichischen Röntgengesellschaft (ÖRG) übernommen. Die Schwerpunkte in den kommenden Aufgaben der Fachgesellschaft werden von Entwicklungen mit bestimmt, die nicht nur in Österreich Veränderungen bedingen.

„Einer der Hauptschwerpunkte der ÖRG ergibt sich aufgrund der Qualitätserfordernisse, die derzeit nicht nur in unserem Fach im Vordergrund stehen“, betonte Imhof im Gespräch mit NETWORK RADIOLOGIE. „In der Radiologie werden einzelne Spezialfragen, zum Beispiel bei der Mammographie, heiß diskutiert. Dem müssen wir uns in einem breiten Rahmen widmen und – wie ich glaube – vorsorglich arbeiten, weil wir in Konkurrenz zu vielen internationalen Bereichen stehen und von der Öffentlichkeit intensiv beobachtet werden.“ Diese unmittelbare Konkurrenz ergibt sich aus den neuen technischen Möglichkeiten, unter anderen der Telemedizin. „Im deutschsprachigen Raum wird sich in den nächsten Jahren eine Entwicklung ergeben, die zu einer telemedizi-nischen Teilversorgung führen könnte“, ist Imhof überzeugt. Diese durchaus problematische Entwicklung wurde im Telekonsultationsarbeitskreis unter der Leitung von Prof. Dr. Walter Hruby (SMZ-Ost Wien) bereits ausführlich diskutiert.

Das heißt, wir müssen internationale Kriterien definieren und garantieren ...
Imhof: Hier geben wir bereits Qualitätsstandards vor, die auch entsprechenden internationalen Normen entsprechen. Besonders wichtig ist eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Röntgengesellschaft und – wenn möglich – auch mit der schweizerischen bzw. anderen befreundeten Gesellschaften. Alleingänge würden aufgrund der Kleinheit unseres Landes in Kürze ad absurdum geführt werden.

Welcher Einfluss auf das Berufsbild Radio-loge zeichnet sich durch die Telemedizin ab?
Imhof: Vorträge beim letzten Internationalen Radiologenkongress in den USA haben gezeigt, dass hier schon etwas im Gange ist. Seit einigen Jahren gibt es auch in Österreich solche Systeme, die aber eher im Untergrund oder Hintergrund laufen. In anderen Ländern werden mittlerweile ganze Krankenhausbereiche nur mehr so versorgt; über eine internationale Verbundschiene, sowohl im Nacht- als auch im Tagdienst. Das ist im englischsprachigen Raum leichter möglich als im deutschsprachigen. Daraus ergibt sich als Konsequenz und damit als weiterer Schwerpunkt die Sub-Spezialisierung.

Befürworten Sie diese oder lehnen Sie sie eher ab?
Imhof: Ich glaube, wir entkommen ihr nicht, die Entwicklung wird in diese Richtung gehen. In wenigen Jahren wird man sich, unter anderem bedingt durch das Telematik-Gesetz, bei vielen Fragen rasch jemand zu Hilfe holen können. Die Fragen der Verrechnung, Verantwortung usw. werden dann gelöst sein. Die Sub-Spezialisierung wird einfach Platz greifen. Das bedeutet beispielsweise, dass in großen Befundzentren fünf bis zehn Radiologen zusammensitzen werden. Manche Großordinationen haben schon ähnliche Größenordnungen, wo eine Subspezialisierung möglich ist. Sie machen es derzeit für ihr eigenes Patientenklientel, und unschwer können sie ihr Know-how anderen zur Verfügung stellen.

Das heißt, das Berufsbild des Radiologen wird bunter?
Imhof: Da zeichnet sich doch eine gewaltige Änderung ab – sicher nicht schon 2005 oder 2006, aber bis 2010 und danach wird die Entwicklung langsam dorthin gehen. Darauf sollten wir uns entsprechend vorbereiten.

Sie haben im Vorgespräch betont, dass die Reihung der Themen im Interview keineswegs als Reihung nach Priorität zu verstehen ist. Was haben Sie noch vor?
Imhof: Praktisch gehören alle genannten Themen zusammen. Ein wesentlicher weiterer Schwerpunkt ist unverändert die Ausbildung, wo Subspezialisierung und Qualitätssicherung stark hineinspielen. Die Ausbildung sollte mit den Lehrzielkatalogen, die leider noch immer unvollständig sind, eigentlich eine bessere Basis haben als wir heute bieten können. Mir persönlich ist es unverständlich, wie all die Jahre jemand ausbilden konnte, ohne dass er eigentlich sagt, in welche Zielrichtung, was denn eigentlich der angepeilte Standard ist.

Da besteht offenbar ziemlicher Zugzwang?
Imhof: Natürlich – durch die Facharztprüfung. Diese erfordert einen definierten Standard, und die Prüflinge fragen ununterbrochen: Was, bitte, soll ich denn lernen? Was wird denn gefragt? Da muss man ihnen etwas sagen. In unserer Not haben wir ein Lehrbuch herangezogen, das inzwischen aber vergriffen ist, was ein großes Problem darstellt. Ich finde das eine Zumutung: Ich prüfe jemanden und habe eigentlich keinen Prüfungskatalog. In manchen Bereichen ist das nicht ganz so dramatisch, zum Beispiel abdominell sehe ich kein Problem. Da kann man sich schon geistig auf das Wesentliche einstellen, weil man ungefähr weiß, was standardmäßig verlangt werden wird, wie Lebermetastasen usw. Aber in der Neuroradiologie, die weniger zugänglich ist, oder in der Kinderradiologie ist das anders. Was sind da die Standards? Wo sind die vorgegeben? Was soll er oder sie denn lernen, wo anfangen und wo aufhören? Da gibt es mehrere Bereiche, die eher selten als Routine empfunden oder gemacht werden, aber genauso gefragt sind. Daran müssen wir hart arbeiten und ich hoffe, dass ich da entsprechende Unterstützung bekomme. Als Ziellinie haben wir uns das Jahresende 2005 gesetzt.

Haben die Radiologen als Berufsgruppe eigentlich Nachwuchssorgen – Stichwort Ärzteschwemme?
Imhof: Wir haben europaweit, wie ich höre, einen zunehmenden Facharztmangel, auch bei Radiologen. Österreich ist neben Italien und Tschechien hier noch die Ausnahme. Ich sage „noch“, weil z.B. der eklatant auftretende Ärztemangel in Deutschland schon gewisse Rückwirkungen auf uns hat. Junge Kolleginnen oder Kollegen, die einen Ausbildungsposten suchen und bereit sind, ins benachbarte Ausland zu gehen, finden dort sehr schnell eine Stelle.

Wie wird international versucht, diesem Mangel zu begegnen?
Imhof: Das führt dazu, dass in manchen Ländern auf politischer Ebene überlegt wird, die Ausbildungszeit der Fachärzte, auch der Radiologen, zu reduzieren. Hier gibt es Überlegungen, die bis in den Extrembereich auf drei Jahre hinunter gehen, um den Mangel möglichst rasch zu beheben. Diese bisher eingebrachten Ideen zeigen gleichzeitig die hohe Problematik für die Gesundheitssysteme auf. Dies trifft zu für Großbritannien, Frankreich und offensichtlich auch Spanien.

Wieder zurück zu den nationalen Plänen. Was ist aktuell in Arbeit?
Imhof: Ganz konkret ist das die 3. Ausgabe der Leitlinien, die Anfang 2006 in Zusammenarbeit mit der Bundesfachgruppe realisiert sein sollte. Zahlreiche Fortbildungsangebote sind in Vorbereitung. Für 11. und 12. November 2005 ist eine intensive Fortbildung zu Mammographie, abdominelle Diagnostik und Qualitätsmanagement geplant. Für 2006 organisiert Doz. Dorffner gemeinsam mit den ungarischen Kollegen unseren Kongress in Sopron/Eisenstadt. Im Oktober 2007 werden wir eine Fortbildungsveranstaltung in Prag gemeinsam mit unseren tschechischen und slowakischen Kollegen abhalten. 2008 wird die Jahrestagung wieder mit der deutschen Röntgengesellschaft veranstaltet.

Dr. Ulrike Roscher, Ärzte Woche 39/2004

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