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Radiologie 30. Juni 2005

Radiologisch Technische AssistentInnen: Wünsche und Zukunftsperspektiven

In den letzten Jahren ist viel Bewegung in einige Berufssparten rund um das Krankenhaus und die Betreuung von Patienten gekommen. Von einem Umbruch kann vor allem im Berufsbild und in der Ausbildung von medizinisch-technischen und Pflegeberufen gesprochen werden.

Bei den Radiologisch Technischen Assistentinnen herrscht Aufbruchstimmung, obwohl die Umsetzung der Pläne auf zahlreiche Hürden stößt. Selbst die Berufsbezeichnung wird in Frage gestellt, weil die Anforderungen in der Praxis eigenverantwortliches und selbständiges Arbeiten erfordern. Dir. Michaela Rosenblattl, Direktorin der radiologisch-technischen Akademie am AöKH Wiener Neustadt, nimmt dazu Stellung und berichtet über die Hürden auf dem Weg zu einer Fachhochschule für Medizinisch Technische Dienste (MTD).

Wie wirkt sich die Entwicklung des neuen Berufsbildes im täglichen Umgang miteinander aus?
Rosenblattl: Das Bild einer hierarchischen Arbeitspyramide, an deren Spitze der Arzt steht, ist einstweilen veraltet. Wir vom medizinisch-technischen Dienst, MTD, sind mittlerweile gleichberechtigte Partner und wissen uns mit der Ärzteschaft zu ergänzen und zu koordinieren. Ein Großteil der Mediziner hat längst erkannt, dass das aufgekommene stärkere Selbstbewusstsein der MTD sie keineswegs in ihren Möglichkeiten und Kompetenzen einschränkt. Ganz im Gegenteil – sie können mit einer besonders qualifizierten und motivierten Fachkraft kooperieren.

Glauben Sie, dass die Ärzte dies auch so sehen?
Rosenblattl: Ja, bei den meisten ist das so. Mir persönlich liegen dabei vor allem gegenseitige Akzeptanz und Respekt am Herzen. Diese sind im klinischen Alltag auch durchaus gegeben. Und in persönlichen Gesprächen erfahre ich, dass die Ärzte durchwegs Verständnis für unsere Bedürfnisse und Visionen haben, an Ausbildung und Stellung etwas zu ändern. Manchmal fehlt jedoch dieses Verständnis. Dabei stehen dann öfters unnötige polemische Zwischenrufe im Vordergrund. Da wünsche ich mir künftig ein stärkeres partnerschaftliches aufeinander Zugehen.

Welche Maßnahmen würden Bild und Berufschancen der Radiologisch Technischen AssistentInnen verbessern?
Rosenblattl: Das kann in kleinen und in großen Schritten geschehen. So findet sich in unserer Berufsbezeichnung noch immer das Wort „Assistent“. Dies passt so gar nicht zu unseren Anforderungen, bei denen eigenverantwortliches Denken und Handeln unverzichtbar sind. In einer internen Umfrage entschieden sich daher rund 42 Prozent für den neuen Berufstitel „Radiologietechnologe“. Noch wird diskutiert, ob er tatsächlich eingeführt wird. Aber noch viel wichtiger ist uns ein Wandel in der gegenwärtigen Ausbildungssituation. Wir wünschen uns eine Überleitung in ein dreijähriges Fachhochschulstudium mit Bakkalaureat-Abschluss nach dem Vorbild der Eingliederung der Sozialakademien in das Fachhochschulsystem. Diese neuen Ausbildungsbestrebungen kommen wirklich allen zugute. Die Ärzte wissen, was sie von uns erwarten können, nämlich ein eigenverantwortliches und selbstständiges Arbeiten nach ärztlicher Zuweisung. Die Patienten werden umfassend betreut, und zwar dank Qualitätssicherung kontinuierlich besser.

Was erwarten Sie sich von einer Fachhochschule?
Rosenblattl: Die praxisnahe Ausbildung einer Fachhochschule lässt sich ideal mit den geforderten Lerninhalten verknüpfen. Das wäre in einer universitären Ausbildung, bei der die Berufsvorbildung dominiert, nicht möglich. Der Umgang mit Patienten kann ausschließlich praktisch erlernt werden - nicht im Hörsaal. Daher ist unsere gegenwärtige Lehre so konzipiert, dass die Studenten schon während ihrer Ausbildungszeit das Gelernte in der Praxis einsetzen müssen. Das wird auch im Rahmen der Fachhochschule beibehalten. Überdies kann innovative Forschung betrieben werden. Es muss eine Anpassung der Ausbildung und Lehre an die Anforderungen des Berufes in der heutigen Zeit erfolgen. Die Infrastruktur der Fachhochschule bietet dafür ein zielgerichtetes und gleichzeitig offenes Umfeld, in dem sich die Studenten entfalten können. Es geht aber auch um Gleichberechtigung für traditionelle Frauenberufe, denn in anderen Berufen schien die Umstellung weniger problembeladen. So gab es bei der Wandlung der Militär­akademie in eine Fachhochschule kaum Widerstände.
Umso mehr wundern mich die Hürden, die sich auf demselben Weg uns entgegenstellen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass dabei Klischees und ein gewisses Rollenverhalten Einfluss auf den Prozess haben. Denn jene Fachgebiete, die mehrheitlich weiblich besetzt sind, wie eben die medizinisch-technischen Berufe und die Hebammen, schaffen den Sprung zur Fachhochschule nicht so einfach. Oft wird uns fälschlich vorgeworfen, dass es uns um eine höhere Bezahlung gehe, doch an der finanziellen Einstufung der Berufsgruppen ändert sich gar nichts.

Was wären die Vorteile einer Fachhoch-schule für die Auszubildenden?
Rosenblattl: Alle unsere Abgänger erwerben sich ein beachtliches Wissen in Fächern aus den verschiedensten Disziplinen. Warum müssen sie im Falle einer Weiterbildung wieder zurück zum Maturantenstatus, quasi zur Stunde Null? Dabei ist die Durchlässigkeit von unten gegeben, da eine Studienberechtigungsprüfung statt der Matura möglich ist. Doch uns fehlt gegenwärtig die Durchlässigkeit nach oben. Und die Ansprüche während der Ausbildung sind wirklich hoch gesteckt. Da werden naturwissenschaftliche Fächer wie Anatomie und Physik genauso gelehrt wie technische Fähigkeiten. Wir haben ein breites Berufsspektrum, von dem die Öffentlichkeit jedoch nur einen kleinen Ausschnitt wahrnimmt. So ist etwa kaum bekannt, dass die medizinische Informatik einen ausschlaggebenden Part in unserer Ausbildung einnimmt. Ein fertig ausgebildeter RTA muss sich letztlich um die Bildaufbereitung kümmern und zukünftig darüber hinaus eine digitale Datenbank aufbauen und warten können. Schließlich arbeiten wir mit Bildern und Visualisierung, und da bietet uns die Informatik unglaubliche Möglichkeiten in der Bilddarstellung. Diese Fähigkeiten machen unsere Absolventen so wertvoll für den klinischen Alltag. Die Ärzte haben die Möglichkeit, auf sattelfeste Fachleute zurück zu greifen, die auch noch hervorragende Kenntnisse auf dem Gebiet der Technik und Informationstechnologie haben. Das heißt, es wird zunehmend interessanter, einen RTA zu haben, der auch diesen Part mit übernehmen kann, als einen Informatiker, der keinerlei Kenntnis von der klinischen Materie und Organisationsstruktur im Spitalsalltag besitzt.

Wie sieht die Ausbildung derzeit aus und was würde sich bei einem Fachhochschul-Studium ändern?
Rosenblattl: Wir nehmen an unserer Akademie in Wiener Neustadt etwa 20 Studenten jährlich auf. Obwohl unsere Fachrichtung im Vergleich eher unbekannt ist, melden sich etwa 60 an. Andere Disziplinen, wie die Physiotherapeuten, haben cirka 300 Bewerber für 20 Plätze, also mehr Zulauf, obwohl die Anforderungsprofile ähnlich sind. Hier hoffen wir auf mehr Attraktivität für die Bewerber. Im Grunde haben wir schon jetzt einen erstklassigen, dreijährigen Bildungsweg zu bieten, der vor allem auf den Säulen Diagnostik, Strahlentherapie, Nuklearmedizin, Technik, Strahlenschutz und Informatik fußt. Neben der Ausbildung in Österreich bieten wir unseren Studenten im Zuge des ERASMUS/SOKRATES-Austauschprojektes auch Praktika und Vorlesungen im europäischen Raum an. Dabei gibt es Bemühungen, zumindest innerhalb der EU die Ausbildung zu harmonisieren. Dies geschieht momentan mithilfe von thematischen Netzwerken. Die Planung solcher Projekte ist für unser kleines Team ein verhältnismäßig aufwändiger Prozess und würde im Falle einer Fachhochschule von außen mitorganisiert werden. Das ist ein weiteres Argument für eine Fachhochschule, denn jene Auslandsaufenthalte sind für die Studenten eine reichhaltige Erfahrung. Eine gegenseitige Anerkennung der unterschiedlichen Ausbildungen im tertiären Bildungssektor sollte bis 2010 innerhalb Europas abgeschlossen sein. Als nützliche Instrumente dazu werden Creditpoints eingeführt, denn wichtiger als die Studiengliederung in den einzelnen Ländern sind die Inhalte und deren Gewichtung. Ein weiterer positiver Gesichtspunkt der Fachhochschule dabei wäre die externe, normierte Qualitätssicherung.

Wo liegen die Hürden auf dem Weg zur Fachhochschule?
Rosenblattl: Aus meiner Sicht sprechen praktisch keine schlagkräftigen Argumente gegen ein Fachhochschulstudium. Doch vor allem die Ärztekammer sperrt sich noch gegen den Vorschlag. Die Gründe scheinen mehr auf emotionaler als auf argumentativer Ebene zu liegen. Dem stehe ich ziemlich verständnislos gegenüber. Dabei würden neben den Patienten gerade die Ärzte von besser motivierten RTA‘s profitieren. Somit sind die MTD mit den Hebammen noch die letzten Berufsgruppen, welche die Matura zwar als Zugangsvoraussetzung von den Bewerbern fordern, jedoch keine akademische Graduierung bieten. Und das trotz einer dreijährigen, qualifizierten Ausbildung! Aber das muss nicht so bleiben, denn die Bundesländer Niederösterreich und Wien haben bereits grünes Licht für Fachhochschulen für das Jahr 2005 signalisiert. Bis dahin sollten auch jene bürokratischen Hürden genommen werden, die durch die unterschiedliche Kompetenzenverteilung zwischen Gesundheits- und Bildungsministerium gegeben sind.

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