zur Navigation zum Inhalt
 
Radiologie 30. Juni 2005

Was Pneumologen wichtig ist

Wie wird die radiologische Tätigkeit von Kollegen bewertet, für deren Fachgebiet die bildgebende Diagnostik eine wesentliche Rolle spielt? NETWORK RADIOLOGIE sprach mit Prof. Dr. Meinhard Kneussl, Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung für Lungenerkrankungen des Wiener Wilhelminenspitals, über die Beziehung zweier benachbarter Fachrichtungen und mögliche Verbesserungen im Umgang miteinander.

Wie funktioniert, Ihrer Erfahrung nach, die Zusammenarbeit zwischen Pneumologen und Radiologen im Krankenhaus?
Kneussl: Ein wesentlicher Punkt ist, dass die bildgebenden Untersuchungen für stationäre Patienten bei Bedarf rasch erfolgen sollten. Dies ist aber oft eine Frage der freien Ressourcen: Radiologische Abteilungen von Spitälern sollten nach Möglichkeit keine ambulanten Patienten zu betreuen haben. Leider ist dies in vielen Häusern noch üblich. Eine Folge davon ist, dass stationär betreute Patienten unnötig lange auf CT- oder MRT-Termine warten müssen. Ambulant behandelte Patienten sollten die radiologische Abklärung nach Möglichkeit auswärts in Ordinationen bzw. Instituten durchführen lassen. Ausnahmen stellen hier natürlich jene Patienten dar, die in Nachbetreuung nach einem stationären Aufenthalt zur ambulanten Kontrolle kommen. Schließlich ist es zweckdienlich, auch im Rahmen des Follow-up eine Kontinuität aufrecht zu halten und Vorbefunde zum Vergleich zur Verfügung zu haben. In unserem Haus funktioniert die Zusammenarbeit mit den Kollegen der Radiologie sehr gut, auch die terminliche Koordination ist sehr zufriedenstellend. Wichtig ist auch gegenseitiges Vertrauen: Der Radiologe muss davon ausgehen können, dass ein „dringender Befund“ tatsächlich dringend ist. Bei subjektiv zu häufigem Gebrauch dieses Begriffes wird es mitunter schwierig werden, Patienten bei tatsächlichem Handlungsbedarf rasch dranzunehmen.

Verlassen Sie sich als Lungenfacharzt blind auf die Befunde der Radiologen?
Kneussl: Wenn ich einen Patienten meiner Ordination zum niedergelassenen Radiologen schicke, so halte ich es für wesentlich, zusätzlich zum schriftlichen Befund auch die Bilder nochmals anzusehen – so gut der Radiologe auch sein mag. Erfahrungsgemäß kommt es gar nicht so selten vor, dass man übersehene pathologische Veränderungen diagnostizieren kann. Auch der Kardiologe betrachtet und befundet das EKG selbst und gibt sich nicht mit der Auswertung alleine zufrieden.

Wie sieht das bei CT-Bildern aus?
Kneussl: Die Befundung von Computertomographiebildern sollten wir uns nicht anmaßen, denn bei der Komplexität dieser Modalität braucht es viel Erfahrung. Daher ist es sinnvoll, hier einen entsprechenden Rückhalt durch die Radiologen zu haben. Zur Auswertung eines normalen Röntgenbildes ist allerdings durchaus der Pneumologe in der Lage. Wenn man etwa abends noch ein Röntgenbild benötigt, zu einem Zeitpunkt, an dem eine Befundung durch den Radiologen in der Regel nicht mehr erfolgt, so kann der Lungenfacharzt die Aufnahmen selbst bewerten, um eventuelle Maßnahmen einzuleiten. Die endgültige Auswertung durch den Radiologen muss dennoch nachträglich erfolgen.

Welche neuen Errungenschaften aus dem radiologischen Bereich hatten in den vergangenen Jahre einen bedeutenden Einfluss auf die pneumologische Praxis?
Kneussl: Durch die Etablierung der hoch auflösenden HR-CT hat sich die Diagnostik sicher in den letzten Jahren stark verbessert. Auch die Spiral-CT und die Entwicklung des Multi-Slice-Verfahrens (MSCT) sind aus der modernen Pneumologie eigentlich nicht mehr wegzudenken. Die MSCT mit Angiographie stellt zurzeit das beste diagnostische Instrumentarium zur Identifikation einer Pulmonalembolie dar. Der noch häufig angewandten Lungenperfusions-Szintigrafie läuft die Multislice-CT mittlerweile den Rang ab. Auch die Magnetresonanztomografie, in die man vor einigen Jahren viel Hoffnung gesetzt hat, konnte sich in der Pneumologie nicht durchsetzen. Ein wichtiges Standbein unseres Fachgebietes stellt hingegen mittlerweile die Echokardiografie dar. Für die Bestimmung des Pulmonalisdruckes ist sie für uns fast unentbehrlich geworden. Zudem ist die Ultraschalluntersuchung – nicht zuletzt zur Diagnose von Lungenembolien - zu erwähnen.

Von radiologischer Seite wird des Öfteren beklagt, bei Zuweisungen von Abteilungen zu wenig Information über die Patienten zu bekommen.
Kneussl: Es sollte selbstverständlich sein, dass die wesentlichen Eckdaten auf der Zuweisung ersichtlich sind: Exakte Angaben zum Alter des Patienten, Art und Dauer der Beschwerden und die für die Befundung relevante Vorgeschichte müssen genauso weitergegeben werden wie konkrete Fragestellungen an den Radiologen. Ebenso darf auf die Wichtigkeit einer regelmäßigen Röntgenbesprechung nicht vergessen werden: Zwei bis drei Mal wöchentlich sollte so ein interdisziplinärer Austausch erfolgen. An unserer Abteilung dauern die Sitzungen zwischen 30 und 45 Minuten, ein Assistenzarzt stellt den jeweiligen Fall vor der Besprechung der Bilder kurz vor. Eine Beschränkung auf den Schriftverkehr zwischen pulmologischer und radiologischer Abteilung, das Austauschen von Zuweisungen und Befunden, ist sicherlich zu wenig.

Sie haben lange Zeit an der Klinik gearbeitet: Wie sieht die Situation im AKH Wien aus?
Kneussl: Verbesserungswürdig ist hier sicher die problematische Situation zweier getrennter Röntgenabteilungen für die konservativen und chirurgischen Fächer im Haus. Vor allem im Fall einer Transferierung von Patienten kann es zu logistischen Problemen kommen, um an die Vorbefunde zu gelangen. Im Zuge der Digitalisierung sollte diese Problematik allerdings behoben werden.
Zudem kommen Patienten, die an der Notfallaufnahme mit Atemnot vorstellig werden, allzu rasch in den Genuss einer CT-Untersuchung. Besser wäre hier ein individuelleres Vorgehen. Automatismen sind hier – nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen – sicher fehl am Platz.

Wie sieht es mit der radiologischen Tätigkeit niedergelassener Lungenfachärzte in Österreich aus?
Kneussl: Viele österreichischen Pneumologen führen in ihren Ordinationen Durchleuchtungen durch. Dies sollte meiner Meinung nach ein Ende haben. Diese Modalität hat eigentlich nur ergänzenden Charakter. Allerdings handelt es sich hierbei nicht zuletzt um ein kommerzielles Problem, da – in den Bundesländern unterschiedlich geregelt – die Durchleuchtung extra honoriert wird, nicht jedoch die Anfertigung eines Röntgenbildes. Dieses ist jedoch zur Dokumentation unbedingt notwendig. Der Lungenfacharzt sollte hingegen statt der Durchleuchtung die Durchführung sowohl eines konventionellen Thoraxröntgens (p.a. und seitlich) als auch einer Echokardiografie in seiner Praxis anstreben. Dies ist der moderne Weg für die Zukunft. Oft wird bei der Begeisterung über die neuen Methoden der Wert des konventionellen Röntgenbildes vergessen. Eine normale Aufnahme der Lunge, posterior-anterior und seitlich, gehört zu einem vollen diagnostischen Programm nach wie vor dazu – auch heute noch! Den in Deutschland zu beobachtenden Trend, dass sich immer mehr niedergelassene Pneumologen mittlerweile ein CT leisten, halte ich nicht für den richtigen Weg. Dies sollte den radiologischen Kollegen vorbehalten bleiben.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 8/2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben