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Radiologie 30. Juni 2005

Bausteine eines effizienten Workflows

In den seltensten Fällen kommt eine RIS/PACS-Lösung mit ein oder zwei
Herstellern aus, oft sind bis zu zehn Firmen beteiligt. Selbst wenn Großfirmen Lösungen aus einer Hand anbieten, sind viele Teile zugekauft. Somit ist ein wichtiger Baustein einer effizienten RIS/PACS-Lösung der Einsatz kompatibler Komponenten.

RIS/PACS-Implementierungen können ineffizient und teuer sein. Um Vorteile aus dem zusätzlichen IT-Einsatz zu ziehen, müssen die dadurch möglichen Effizienzsteigerungen und Kostenersparnisse realisiert werden. Dieser Beitrag zeigt mehrere Funktionsmerkmale und an einzelnen Beispielen deren Bedeutung auf, die beim Kauf einer Lösung beachtet werden sollten.

Datenkonsistenz und Arbeitslisten

Zu Beginn des Workflows müssen RIS und PACS vom gleichen Patienten und der gleichen Untersuchung sprechen. Die Systeme müssen in der Lage sein, Begriffe anderer Systeme mitzuverwalten. Da dies fehleranfällig ist, sollte es automatisch erfolgen. Ein Großteil "unauffindbarer" Bilder ist auf Mängel an dieser Stelle zurückzuführen.
In den Griff bekommt man das Problem mittels "DICOM Worklist Management" (DICOM98). Diese Funktion wird von vielen Modalitäten initial oder durch Nachrüstung unterstützt. Das RIS erstellt dabei für jedes Gerät eine Liste zu untersuchender Patienten. Bei digitalen Modalitäten können die RIS-Ordnungsbegriffe im PACS-Workflow verwendet und Bilder gleich bei der Untersuchung automatisch dem richtigen Patienten zugeordnet werden.
Wichtig ist weiters der Statusabgleich zwischen RIS und PACS. Beispielsweise sollte sich das Löschen einer Leistung im RIS auf die Worklist auswirken. Entscheidend ist jedoch die Zuverlässigkeit des Systems. Vielen RIS-Produkten fehlt eine Worklist-Unterstützung, und es muss zusätzliche Software verwendet werden. Das erhöht die Fehleranfälligkeit und mindert die Wartbarkeit. Schließlich ist auch die Möglichkeit vorzusehen, RIS- und PACS-Systeme entkoppelt zu be-treiben.

In-house Archivierung der Bilddaten

Nach der Untersuchung werden die Bilddaten gespeichert. Hierbei setzen sich zunehmend Festplatten-Archive (RAID) durch, da sie günstig sind und aufgerüstet werden können. Wichtig bei der Implementierung des Archivs ist ein einheitlicher DICOM 3.0-Standard. Vor der Archivierung sollte daher auf eine Konvertierung des Formats geachtet werden. Nur damit können Bilddaten problemlos an Zuweiser und Spitäler weitergeleitet werden.
Weiters muss man im PACS nachträglich Korrekturen an den archivierten Daten vornehmen können, z.B. wenn der falsche Patient aus der Worklist ausgewählt wurde. Es ist daher eine Datenpflege des Archivs für Fehleingaben vorzusehen. Sind weiters Bilder im Archiv zu einem Patienten gespeichert, kann dieser im RIS nicht mehr einfach gelöscht werden. Alle Operationen müssen daher synchron in beiden Systemen erfolgen. Dies ist derzeit bei den wenigsten RIS/PACS-Lösungen der Fall.

Effiziente Bildverteilung

Hat man nun ein aufgeräumtes Archiv, kommt man zum Punkt der effizienten Bildverteilung. Jeder Zuweiser sollte die von ihm zugewiesenen Patienten empfangen oder einsehen können. Dabei stellt sich die Frage, welche Daten in welchem Format und in welchem Zeitraum wem zur Verfügung gestellt werden sollen. Man sollte Bildstudien daher flexibel nach definierbaren Regeln automatisch versenden können. Wenn ein neuer Knoten (Zuweiser, Archiv etc.) ins PACS-Netzwerk eingefügt wird, müssen nur entsprechende Regeln definiert werden, um eine Bildverteilung zu realisieren. Weiters sollte den Datenströmen eine Priorität gegeben werden können, um wichtige Übertragungen zu bevorzugen. Weiters wird den Instituts-internen Transfers die höchste Priorität zugeordnet und sie erfolgen getrennt von der externen Bildverteilung. In beiden Fällen ist eine saubere RIS/PACS-Kopplung notwendig.

Integrierte digitale Befundung

Der Befundungsplatz ist ein Kernstück der Effizienz einer RIS/PACS-Kopplung. Der Patient wird per Barcode oder über eine Befundungsliste aufgerufen und Vorbefunde, elektronische Dokumentation, Diktate und Bilddaten stehen sofort zur Verfügung. Zur unmittelbaren Verfügbarkeit der Bilddaten gehört nun noch eine optimale Bildaufteilung, die durch Hanging-Protokolle realisiert wird (XRVIS02). Die restlichen Informationen sollte das RIS übersichtlich zur Verfügung stellen. Wichtig für effizientes Arbeiten ist auch die Integration von digitalem Diktieren und Spracherkennung.
Schließlich ist auch beim Befunden ein entkoppeltes Arbeiten von Bedeutung. So sollte es möglich sein, Bilddaten abzurufen, ohne dafür das RIS zu benötigen. Genauso sollte man diktieren und Vorbefunde einsehen können, ohne Zugang zum PACS zu haben. Auch bei der Befundung ist der Statusabgleich zwischen RIS und PACS wichtig.

Dokumentation auf Film oder Papier

Die Dokumentation kann in einem PACS parallel zur Befundung erfolgen. Sinnvollerweise kann man Bilddaten auch aus dem Archiv, durch Laden auf eine Workstation oder Modalität, verfilmen oder auf Papier ausdrucken. Das ist bei späteren Abklärungen oder Vergleichen von Befunden und als Service für zuweisende Einrichtungen von Bedeutung. Die Druckfunktion selbst ist eine reine PACS-Funktion und Workflow technisch von geringer Bedeutung.

Telearbeit für Radiologe und Zuweiser

Auch die Telearbeit profitiert von einer RIS/PACS-Kopplung. Daten beider Systeme müssen hierbei getrennt voneinander an einem entfernten Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden. Für die PACS-Daten sollte das über die Logik der Bildverteilung bereits gelöst sein. Für die RIS-Daten kommt hier zumeist eine Eigenimplementierung zum Einsatz.
Ist die Internetverbindung schnell genug, können die Applikationen der digitalen Befundung zum Einsatz kommen. Ansonsten sind eigens angepasste Produkte im Einsatz, eine Kopplung müsste gesondert implementiert werden und steht daher in den meisten Fällen noch aus. Die Teleradiologie beruht auf den gleichen Mechanismen wie die Bildverteilung für hausinterne und -externe Zuweiser.

Funktionierende Beispiele

Zwei Beispiele funktionierender Lösungen mit Komponenten von mehreren Firmen sind die Implementierung von XR PACS (XRPACS02, XRWDW02) im Diagnosezentrum Urania und im Diagnosezentrum Meidling in Wien. In beiden Projekten kann ein Großteil des hier vorgestellten Spektrums abgedeckt werden: Worklist, Archivierung, integrierte digitale Befundung, Paperprint und flexible Bildverteilung hausintern und -extern. Die dabei eingesetzten Produkte kommen von den verschiedensten Firmen (Aycan, Etiam, Fuji, Kodak, Siemens, Philips, Xerox). Da die RIS/PACS-Kopplung komplett mit XR umgesetzt werden konnte und die restliche Kommunikation auf DICOM 3.0 basiert, gab es bei der Umsetzung technisch unüberwindbare Hürden.

Rainer Anzböck, D.A.T.A. Corporation, Ärzte Woche 23/2002

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