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Radiologie 30. März 2006

Akutes Abdomen: Radiologen möglichst früh einbinden

Der Begriff "Akutes Abdomen" wird vielfach uneinheitlich verwendet. Einerseits werden darunter akute abdominelle Beschwerden verstanden, andererseits lebensbedrohliche abdominelle Erkrankungen, verbunden mit starken Schmerzen. Eines steht aber fest: die Radiologie ist dabei unverzichtbar.

"Auf jeden Fall haben bei der Abklärung des akuten Abdomens die bildgebenden Verfahren zunehmende Bedeutung erlangt", so Prof. Dr. Werner Jaschke, Vorstand der Innsbrucker Univ.-Klinik für Radiodiagnostik. Im Gespräch mit NETZWERK RADIOLOGIE gab Jaschke einen kurzen Überblick zum optimalen Einsatz der verschiedenen Untersuchungsverfahren.

Hat die Abdomen-Leeraufnahme bei der Diagnostik des akuten Abdomens noch eine Berechtigung?

Jaschke: Die Abdomen-Leeraufnahme ist derzeit noch Teil der Standarddiagnostik für die Abklärung des akuten Abdomens. Sie dient dem Nachweis von intraperitonealer Luft und von Konkrementen in den Gallenwegen beziehungsweise dem harnableitenden System. Die Abdomen-Leeraufnahme ist jedoch nur sinnvoll, wenn zusätzlich eine Ultraschall-Untersuchung angefertigt wird. Ist primär eine CT-Untersuchung indiziert, kann auf die Abdomen-Übersichtsaufnahme verzichtet werden.
Ist heute beim akuten Abdomen im Allgemeinen eher eine Stufendiagnostik oder eher ein "One-Stop-Shopping" mittels Multischicht-Computertomographie angezeigt?
Jaschke: Zunächst muss betont werden, dass der Begriff des akuten Abdomens vielfach uneinheitlich verwendet wird. So werden starke Abdominalbeschwerden häufig mit dem Begriff "akutes Abdomen" bezeichnet. Lebensbedrohliche abdominelle Erkrankungen, verbunden mit starken Schmerzen, die eigentlich unter dem Begriff "akutes Abdomen" zusammengefasst werden sollten, verlangen nach einer raschen definitiven Diagnostik. Solche Patienten sollten primär einer Multischicht-CT-Untersuchung zugeführt werden. Eine junge Frau mit starken Abdominalbeschwerden im Unterbauch sollte jedoch primär sonographiert und gynäkologisch untersucht werden. Das heißt, die Indikation für eine differenzierte Bildgebung hängt vom Beschwerdebild, der Schmerzlokalisation und von patientenspezifischen Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Habitus ab.

Bei welchen Indikationen reicht der Einsatz der Nativ-Spiral-CT aus? Wann ist die Verabreichung eines Kontrastmittels notwendig?

Jaschke: Eine Nativ-CT bietet sich für den Nachweis kleiner verkalkter Konkremente im Nierenhohlraumsystem beziehungsweise Harnleiter an. Bei allen anderen Indikationen sollte zusätzlich Kontrastmittel verabreicht werden.

Wann ist die Sonographie indiziert? Kann sie bei Verdacht auf akute Appendizitis mit der Multisclice-CT mithalten?

Jaschke: Die Sonographie sollte bevorzugt bei Kindern, jungen Frauen und Schmerzen im rechten oberen Quadranten eingesetzt werden. Bei der Frage nach einer Appendizitis sind die Ergebnisse der Sonographie bei guten Untersuchungsbedingungen mit der CT vergleichbar. Beide Methoden helfen außerdem dabei, eine anderweitige Schmerzursache (zum Beispiel einen Morbus Crohn oder eine Gastroenteritis) beziehungsweise eine Komplikation einer Appendizitis - etwa eine Abszessbildung - auszuschließen.

Gibt es noch einen Punkt, der Ihnen im Zusammenhang mit dem Thema "Akutes Abdomen - State of the Art" besonders wichtig erscheint?

Jaschke: Die bildgebenden Verfahren haben bei der Abklärung akuter abdomineller Beschwerden zunehmende Bedeutung erlangt. Dies wirkt sich natürlich auch auf das Berufsbild des Radiologen aus. Der Radiologe sollte möglichst früh in die Entscheidungsfindung eingebunden werden und den Patienten bis zur endgültigen Diagnosestellung begleiten. Dieses Vorgehen wird bereits jetzt schon häufig praktiziert, es muss jedoch noch besser im ärztlichen Verhaltenskodex verankert werden.

Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 23/2002

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