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Radiologie 30. Juni 2005

Höhere Qualität, weniger Kosten - eine Illusion?

"Datenverknüpfung kann Leben retten", postulierte Prof. Dr. Karl Pfeiffer vom Innsbrucker Institut für Biostatistik und Dokumentation bei einer Veranstaltung Ende letzten Jahres. Analysen in den USA hätten ergeben, dass Zehntausende Todesfälle jährlich durch bessere Information und Kommunikation vermeidbar wären. Beim "Gold in den Daten", so der Experte, gehe es deshalb nicht nur um Geld, sondern auch um Qualität und Effizienz.
Was in der Theorie machbar erscheint, braucht in der Praxis die entsprechenden Voraussetzungen - und den Mut zu Visionen und Innovation. Diesem Credo fühlt sich die Abteilung für "Medical Solutions" von SIEMENS verpflichtet. "Die Behandlung eines Patienten ist ein Prozess, der medizinische Leistungen, sensible Informationen und wertvolle Ressourcen integriert. Um hier mehr Effizienz zu erreichen, muss der Gesamtprozess optimiert werden - vom ersten Kontakt mit einem Patienten bis zu seiner Gesundung", ist Dipl.-Ing. Werner Beier, Bereichsleiter "Medical Solutions" für Österreich, überzeugt.
Für genau diese Anforderungen wurde das von SIEMENS entwickelte Workflow-System SoarianTM konzipiert. "Es verbindet Informationstechnologie und Medizintechnik auf einzigartige Weise", erklärte Beier im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE. SoarianTM ist eine von Grund auf neu entwickelte Informationstechnologie(IT)-Lösung, die alle Prozesse im Krankenhaus abbildet, synchronisiert und ihren Fortgang kontinuierlich überwacht.

"SoarianTM ist außerdem einfach zu bedienen", so Beier. Die intelligente Benutzeroberfläche sei speziell auf die Arbeit von Ärzten und Pflegekräften zugeschnitten und biete Informationen kontextbezogen an. In Kombination mit der Softwareplattform Syngo® erleichtert das Workflow-System den Ärzten die Eingabe der Patientendaten und dem Pflegepersonal den Zugang zu ärztlichen Anweisungen, Verschreibungen und Therapieplänen. Die Patientendaten stehen überall zur Verfügung - bei Diagnostik und Therapie ebenso wie am Krankenbett. Jeder greift auf die gleichen Daten zu, Änderungen oder neue Befunde sind sofort für alle zugänglich. "Das reduziert Fehler und optimiert die Versorgung", ist Beier überzeugt. Auch kürzere Durchlaufzeiten, höhere Qualität, mehr Zeit für Patienten beziehungsweise Zeit für mehr Patienten seien mit einem optimierten Workflow im Krankenhaus möglich.

Seit Ende der Achtzigerjahre ist die Verbesserung des Workflows im Rahmen bildgebender Systeme und Befunde ein Thema. "Die Herausforderung, ein Qualitätswerkzeug dafür zu entwickeln, haben damals aber nur ganz wenige wahrgenommen - sowohl auf Seiten der Industrie wie auch der Ärzteschaft", erinnert sich Beier. "Dennoch war es der Auftakt zur Ablöse von traditionellen Krankenhaus-Informationssystemen durch Workflow-Systeme."
"Es gibt viele Gründe, warum Gesundheitssysteme als teuer angesehen werden; einer davon ist die mangelnde Produktivität. Nach wie vor wird aber hauptsächlich über Kosten diskutiert anstatt über Produktivität", bedauert der Technikexperte. Letzteres hat bei SIEMENS schon seit einigen Jahren Priorität. "Wenn wir Veränderungen im Gesundheitswesen ermöglichen wollen", so Beier, "dann müssen wir Prozesse darstellen und deren Wirksamkeit messen können. Wesentlich dabei ist, die Prozesse nicht einmal zu ändern, sondern kontinuierlich zu verbessern."

Ein wesentlicher Unterschied des neuen Werkzeugs zu bisherigen Systemen ist, dass Prozessveränderungen vom Benutzer durchgeführt werden können und nicht jedes Mal Hilfe von außen notwendig ist. Das Workflow-System SoarianTM (ein Kunstname; Anm.d. Red.) versteht Beier als permanent lernendes System - nicht im technischen Sinn, sondern basierend auf dem Know-how von Menschen mit entsprechenden Kompetenzen: "Es kann nicht so sein, dass Menschen keine Fehler machen dürfen. Es geht darum, aus Fehlern zu lernen, und dabei können genau definierte Prozesse helfen. SoarianTM wurde auch als Schnittstellenmaschine für bestehende unterschiedliche Systeme in einem Krankenhaus konzipiert."

Mit der Beta-Version liegen bereits Erfahrungen aus den USA vor. Beispielsweise wurde damit in einem Krankenhaus der Bettenwechsel, ein relativ komplexer und komplizierter Vorgang, optimiert; die dafür erforderliche Zeit konnte auf fast nur mehr zehn Prozent reduziert werden. Beier: "Wichtig an diesem Beispiel ist, den Wert eines Prozesses zu erkennen - oft findet man dafür kein Verständnis. Doch es geht nicht darum, den Patienten weniger zu geben oder von Mitarbeitern mehr Leistung zu verlangen, sondern es geht um die Effektivität von Prozessen. Höhere Effektivität wirkt sich auch finanziell aus." Es gebe eine Vielzahl von Prozessen, die nicht optimal funktionieren - das Potenzial sei gewaltig.

Feinde der Innovation sind meist kulturelle Probleme, unter anderem die Angst vor Veränderungen und der Gefahr, in einem Chaos zu landen. "Deshalb müssen die Beteiligten erst lernen, selbst für die Prozesse verantwortlich zu sein und sie verändern zu können", so Beier. "Ein Workflow-System bietet die Möglichkeit, die Auswirkungen schon vorher austesten zu können."
Eine weitere Hürde ist die Investitionsfreudigkeit von Spitalsbetreibern. Beier: "Von Industrieseite sind wir durchaus bereit, Mitverantwortung - auch finanziell - für das Funktionieren des Systems und dessen Erfolg zu übernehmen. Unseren Part sehen wir auch im Coaching der Beteiligten. Viele Mitarbeiter wissen ganz genau, wo es hapert, können aber nichts tun und sind deshalb frustriert. In der Informationstechnologie sollte deshalb nicht mehr über bits und bytes geredet werden, sondern über Ergebnisse. Ziel muss es sein, mit weniger Aufwand gleich viel beziehungsweise im Idealfall mehr zu erreichen."

Weitere Information: www.siemensmedical.com

H. Hauser, Ärzte Woche 2/2001

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