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Radiologie 30. Juni 2005

Neue Entwicklungen bei MR-Kontrastmitteln

Zu den wichtigsten Innovationen im Bereich der Kontrastmittel zählen die ultrakleinen superparamagnetischen Eisenoxid-Partikel (USPIO = Ultra Small Paramagnetic Iron Oxide). Während etwas größere Partikel sich vor allem in den phagozytierenden Kupffer?chen Sternzellen der Leber anreichern, werden Eisenoxid-Partikel bis 30 Nanometer Größe überwiegend von den Makrophagen der Lymphknoten aufgenommen. Da in metastatischen Lymphknoten Makrophagen durch Tumorgewebe ersetzt werden, erlaubt USPIO (Sinerem®/Ferumoxtran) unter anderem eine bessere Unterscheidung zwischen befallenen und gesunden Lymphknoten.

Generell bewirkt mikrokristallines Eisenoxid als superparamagnetische Substanz eine Auslöschung bzw. Abschwächung des MRT-Signals. Die Stellen, an denen sich das Kontrastmittel angereichert hat, werden im MRT-Bild schwarz. Daher erscheint eine gesunde Leber mit funktionsfähigen Kupffer?schen Sternzellen bei Einsatz eines leberspezifischen Kontrastmittels dunkel. Da Leberläsionen in der Regel keine Kupffer?schen Zellen aufweisen, zeigt das Bild in diesen Regionen keine Signalabschwächung mehr. Dementsprechend sind die Läsionen in der MRT-Aufnahme in Kontrast zum intakten Lebergewebe als helle Aussparungen wahrzunehmen.

Analog zur Leber wird auch bei metastatischen Lymphknoten gesundes lymphatisches Gewebe durch Tumorgewebe ersetzt. Mit dem Verlust von Makrophagen fällt die Signalauslöschung durch das lymphknotenspezifische superparamagnetische MRT-Kontrastmittel Sinerem® (Ferumoxtran) weg. Metastatische Lymphknoten erscheinen daher in der MRT-Bildgebung hell. Hingegen wird das Signal in intakten Lymphknoten durch das Kontrastmittel in den Makrophagen unterdrückt. "Auf diese Weise erleichtert Sinerem® zum Beispiel das Erkennen von Lymphknoten-Metastasen, etwa im Becken oder bei Tumoren im Kopf-Halsbereich", so Prof. Dr. Thomas Vogl vom Zentrum für Radiologie der Universität Frankfurt. Das neue Kontrastmittel wurde von der Firma Guerbet in Kooperation mit Advanced Magnetics Inc. entwickelt und soll in ungefähr drei Jahren auf den Markt kommen.
Von den Makrophagen in atherosklerotischen Plaques wird Ferumoxtran ebenfalls phagozytiert. Da die Dichte an Makrophagen mit der Wahrscheinlichkeit einer Plaqueruptur korreliert, könnte mit Hilfe von Ferumoxtran in Zukunft eventuell das Herzinfarkt-Risiko bestimmt werden.

Auch bei der Multiplen Sklerose spielen Makrophagen eine wichtige Rolle. Die Anwendung von Sinerem® könnte deshalb zu einer früheren Diagnose der Erkrankung führen. "Auch eine neue Klassifikation der Läsionen sowie bessere Einblicke in die Pathophysiologie der Multiplen Sklerose, die Progression und die Wirkung therapeutischer Maßnahmen erscheinen möglich", sagte Prof. Dr. Vincent Dousset, Bordeaux, auf dem Symposium "New Trends in Imaging for Neurological Diseases" im August 2002 in Paris.
Eine weitere Innovation des französischen Unternehmens Gu-erbet, das pro Jahr 20 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung ausgibt, stellt das makromolekulare Gadoliniumchelat Gadomelitol (Vistarem®) dar. Gadomelitol ist ein "Blood-Pool Agent", das etwa für die Bestimmung der myokardialen Perfusion eingesetzt werden kann. Darüber hinaus deuten viel versprechende Studienergebnisse darauf hin, dass Vistarem® auch in der Lage ist, Tumoren zu charakterisieren.
Während bei Ferumoxtran und Gadomelitol noch einige Zeit bis zur Markteinführung vergehen wird, steht ein anderes Produkt in Österreich bereits kurz vor der Registrierung: Artirem® (Gadolinium in einer Konzentration 1:200), ein Kontrastmittel für die MR-Arthrographie.

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