zur Navigation zum Inhalt
 
Radiologie 30. März 2006

Rasante Entwicklungen im Bereich des Herzens

Die Magnetresonanz-Tomographie spielt heute bei der radiologischen Untersuchung des Herzens eine wichtige Rolle. "Neben exzellenten morphologischen Bildern bietet die Kardio-MRT auch hochpräzise funktionelle Informationen bis hin zur Real-Time-Bildgebung", betont Doz. Dr. Klaus Hergan, Zentralröntgen des LKH Feldkirch. Im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE widmet er sich vor allem den Themen "Tumor- und Entzündungsdiagnostik" sowie "Bestimmung des quantitativen Blutflusses mittels MRT".

In welchen Bereichen wird die kardiale MRT heute eingesetzt?

Hergan: Die Kardio-MRT dient vor allem der Abklärung kongenitaler Herzvitien, von Aorten- und Klappenerkrankungen, Herztumoren, Myokarditis, Perikarderkrankungen, Kardiomyopathien, Myokardvitalität und -perfusion, links- und rechtsventrikulären Funktion sowie der Diagnose der arrhythmogenen rechtsventrikulären Dysplasie. Dies ist eine an sich seltene Erkrankung, die hauptsächlich bei jungen Erwachsenen klinisch evident wird und letal enden kann. An der Schwelle zum klinischen Einsatz steht die MR-Koronarangiographie. Ich denke, es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis die Bildqualität ausreicht, um sie zur Diagnostik der koronaren Herzerkrankung als Screeningverfahren vor einer konventionellen Koronarangiographie anzuwenden.

Welche Schnitte werden bei der Herz-MRT im allgemeinen angefertigt?

Hergan: Nach der Anfertigung so genannter Suchschnitte, die das Herz in den drei Hauptebenen des Körpers darstellen, werden transversale Schnitte durchgeführt. Diese ermöglichen eine morphologische Beurteilung des gesamten Herzens. Zur Funktionsbeurteilung werden analog zur Echokardiographie vor allem der linksventrikuläre Zweikammerblick, der Vierkammerblick, die kurze Achse und der linksventrikuläre Ausflusstrakt verwendet. Selbstverständlich können mittels MRT alle nur denkbaren Ebenen eingestellt beziehungsweise abgebildet werden.

Wie wichtig ist die MR in der Diagnostik von kardialen Tumoren?

Hergan: Die MRT stellt für die Diagnostik von kardialen Raumforderungen derzeit das beste nichtinvasive Verfahren dar. Für das Screening ist freilich weiterhin die Echokardiographie die Methode der Wahl.
Mittels multiplanarer Technik wird der Tumor in der MRT auf verschiedenen Ebenen abgebildet, und mit Hilfe verschiedener Sequenzen wird erhoben, um welche Art von Tumor es sich handelt, die Lokalisationsdiagnostik und die Bestimmung der Ausdehnung durchgeführt sowie die Frage abgeklärt, ob der Tumor operativ zugänglich ist. Einer der Vorzüge der MRT besteht darin, dass sich das Gewebe aufgrund unterschiedlicher Signalintensitäten und durch die Art der Kontrastmittelaufnahme in seiner Dignität relativ gut zuordnen lässt.
Mit der Funktionsdiagnostik gewinnt man zudem Aufschlüsse über eine mögliche Beeinträchtigung der Herzaktion und Klappenfunktion. Beispielsweise kann damit ein drohender Prolaps eines gestielten Vorhofmyxoms durch die Mitralklappe abgeschätzt werden.
Insgesamt können kardiale Tumoren heute sehr genau und reproduzierbar mit der MRT dargestellt werden. Das trifft bei der Abklärung kardialer Raumforderungen nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern zu.

Die Diagnose einer Myokarditis stellt Ärzte häufig vor große Probleme. Wie sieht hier die Hilfestellung durch die MRT aus?

Hergan: Ja, die Myokarditis ist seit jeher ein Problem in der kardiologischen Diagnostik. Die Echokardiographie hilft uns hier praktisch überhaupt nicht weiter, und das Labor ist meist unspezifisch. Früher wurde dann eine Herzmuskelbiopsie durchgeführt, die mehrere Nachteile besitzt: Sie ist sehr schmerzhaft und auch nicht ungefährlich, da es zu einer Blutung ins Perikard und sogar zu einer Herzbeutel-Tamponade kommen kann.
T2-gewichtete Sequenzen ermöglichen den Nachweis eines myokardialen Ödems, während sich mit Hilfe von T1-gewichteten Sequenzen und der Applikation von gadoliniumhaltigen Kontrastmittel fleckige oder herdförmige Signalinhomogenitäten nachweisen lassen. Die Magnetresonanz-Tomographie ist für die Diagnose der Myokarditis zweifellos eine große Hilfe und wird daher bei uns am LKH Feldkirch häufig in Anspruch genommen. Man muss bedenken, dass diese Erkrankung nicht selten ist, zu einer dilatativen Kardiomyopathie des Herzens führen kann und zu den Hauptursachen des plötzlichen Herztodes bei jungen Erwachsenen zählt. Unter Anwendung der kontrastverstärkten MRT können Schädigungen des Myokards bereits zu einem Zeitpunkt diagnostiziert werden, wo die Funktion des linken Ventrikels noch unauffällig ist. Zudem kann die Methode eingesetzt werden, um Follow-up-Untersuchungen durchzuführen.
Generell stellt die MRT ein sehr gutes und robustes Verfahren für die Diagnose entzündlicher Veränderungen dar. So kann mittels Magnetresonanz die Perikarditis sehr schön von restriktiven Kardiomyopathien abgegrenzt werden. Bei der Perikarditis kommt es zu einer Verdickung des Perikards auf über vier Millimeter, während bei einer restriktiven Kardiomyopathie das Perikard normal dick ist.

Welche klinischen Anwendungsmöglichkeiten bietet die quantitative Flussmessung?

Hergan: Mittels spezieller Sequenzen gelingt es, den Blutfluss in Gefäßen und im Bereich von Klappen zu bestimmen. Bei Klappenstenosen - sei nun die Aorten-, die Pulmonal- oder die Mitralklappe betroffen - misst man die Geschwindigkeit knapp oberhalb der Klappe und berechnet den Druckgradienten. Daraus können Rückschlüsse auf den Grad der Stenose gezogen werden. Im Fall einer Klappeninsuffizienz wird das Regurgitationsvolumen bestimmt und daraus der Schweregrad der Insuffizienz abgeleitet. Bei Shuntvitien erlaubt die MRT die Bestimmung des Shuntvolumens. Im Fall eines Links-Rechts-Shunts wird dazu der quantitative Fluss in der Aorta und der Pulmonalarterie erhoben. Dieser ist bei einem Links-Rechts-Shunt in der Arteria pulmonalis erhöht. Aus den Blutflüssen wird das links- und rechtsventrikuläre Schlagvolumen berechnet. Die Methode funktioniert gut, wenn lediglich ein Vitium vorliegt. Bei mehreren Vitien wird die Situation allerdings sehr komplex. Auch im Rahmen einer Aortenisthmustenose ist die Messung des quantitativen Flusses hilfreich. Diese erfolgt unterhalb der Stenose sowie in Höhe des Zwerchfells. Dadurch kann das Blutflussvolumen im Umgehungskreislauf errechnet werden.
Weitere klinische Anwendungsmöglichkeiten betreffen die Messung des Flusses in der Pulmonalarterie und ihren Seitenästen bei Patienten mit pulmonalarterieller Hypertonie beziehungsweise vor und nach Lungentransplantation. Auch die Bestimmung der Aortencompliance, der Blutflussgeschwindigkeit im wahren und falschen Lumen bei Aortendissektion, und des Flusses in der Vena cava superior und inferior bei Rechtsherz-Problemen sind hier zu nennen.
Eine ganz neue Entwicklung ist die Bestimmung der koronararteriellen Flussreserve. Dabei wird der Fluss in den Koronarien vor und während einer pharmakologischen Belastung quantifiziert. Ein Einsatz dieser Methode in der klinischen Routine ist derzeit aber noch nicht möglich, vielmehr handelt es sich dabei um "work in progress".

Wie sehen die Kontraindikationen für eine Kardio-MRT aus?

Hergan: Für die Untersuchung nicht geeignet sind Patienten mit allgemeinen Kontraindikationen für ein MRT (zum Beispiel Herzschrittmacher, ferromagnetische Fremdkörper etc.). Schwere Arrhythmien beeinträchtigen die Aufnahmequalität und damit auch die Güte und Aussagekraft des Bildes. Klaustrophobie, das Unvermögen, ruhig zu liegen, und mangelnde Kooperation des Patienten sind weitere limitierende Faktoren.

Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 2/2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben