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Radiologie 29. März 2006

Strahlenschutz bleibt Thema Nr. 1

Die Weiterentwicklung der konservativen und chirurgischen Behandlung von Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters wird in hohem Maße vom Erfolg der Weiterentwicklung der bildgebenden Diagnostik und minimal invasiven Therapie abhängen.

Die Zukunft der Bildgebung und der Intervention in der Kinderradiologie wird beeinflusst durch neueste Erkenntnisse über die Entstehung und den Verlauf wichtiger Erkrankungen, unter anderem mittels fetaler Bildgebung. Neue Einblicke ermöglichen auch langjährige, prospektiv geplante Behandlungsstudien, wie die International Reflux Study Group, sowie enorme technologische und technische Fortschritte. Schließlich hängt die zukünftige Entwicklung auch von den Finanzierungsprob-lemen der Gesundheitssysteme der westlichen Welt ab.

Effektivität im Vordergrund

Die Entwicklung zukünftiger pädiatrischer Bildgebungskonzepte wird in viel höherem Ausmaß als bisher durch die Ergebnisse von Studien, die den tatsächlichen Einfluss neuester bildgebender Verfahren und Konzepte auf die Effektivität des diagnostischen und therapeutischen Handelns, auf das Outcome und auf die Kosten wissenschaftlich fundiert ausweisen, geprägt sein. Zu lange beschränkten sich Studien auf die Beurteilung der Genauigkeit bildgebender Verfahren und Techniken, ohne den tatsächlichen Einfluss auf die Effektivität des diagnostischen und therapeutischen Handelns sowie letztlich auf die Volksgesundheit und auf die Kosten des Gesundheitssystems wissenschaftlich zu untersuchen.

Ein Faktor, der schon heute die bildgebende Diagnostik in der Kinderradiologie stark beeinflusst, ist die zunehmende Sensibilisierung der Gesellschaft und der Ärzte zum Thema Strahlenbelastung. Immer wieder neue Erkenntnisse bezüglich potenziell negativer Wirkungen auch geringer Strahlungsdosen auf das ungeborene Leben und das Kind werden dazu führen, dass Verfahren, bei denen nicht ionisierende Strahlung zum Einsatz kommt, noch stärker in die Bildgebung bei Kindern einbezogen werden. Dazu zählen Sonographie und Magnetresonanztomographie sowie eventuell neu hinzukommende Verfahren, wie Impedanztomographie und Optical Imaging.

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass die bildgebende Diagnostik mit ionisierender Strahlung, insbesondere die Computertomographie, bei Kindern aus Gründen des Strahlenschutzes und der Notwendigkeit kindergerechter Untersuchungs-protokolle ausschließlich in kinderradiologischen Organisationseinheiten eingesetzt werden sollte. Mehrere große Studien belegen, dass nur in kinderradiologischen Organisationseinheiten eine tatsächliche qualitätsgesicherte Optimierung des Strahlenschutzes und eine tatsächliche maßgeschneiderte Untersuchungstechnik für Kinder zum Einsatz gelangen.

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Mehr interventionell

Die Entwicklung der Bildgebung wird auf mehreren Achsen parallel ablaufen (siehe Kasten):

  • auf einer „Zeitachse nach links“;
  • auf einer „dimensionalen Achse“;
  • auf einer „Paradigmenachse“ und
  • auf einer „Forschungsachse“.

Insgesamt wird die bildgebende Diagnostik und die bildgebungsgeleitete minimal invasive Therapie (interventionelle Radiologie) noch mehr an Bedeutung gewinnen. Diesem zu erwartenden Trend liegen die Annahmen zugrunde, dass die Aufenthaltsdauer in Spitälern weiter verkürzt wird, tagesklinische Behandlungsprinzipien noch mehr Platz greifen werden und der Bedarf für eine rascheste, umfassende Diagnostik noch weiter steigen wird.

Die Evaluierung neuester bildgebender Verfahren auf ihre klinische Einsatzfähigkeit beim Kind darf in Zukunft nicht erst mit beträchtlicher zeitlicher Verzögerung nach der Evaluation beim Erwachsenen erfolgen. Insbesondere Verfahren, bei denen keine ionisierende Strahlung zum Einsatz gelangt, sollten gleichzeitig auf ihre Tauglichkeit bei Kindern evaluiert werden. Bei Verfahren und Techniken mit ionisierender Strahlung sollte dies ebenfalls gleichzeitig, jedoch unter obligater Einbindung einer Ethikkommission und durch entsprechende Fachleute von Beginn an, unter besonderer Berücksichtigung des Strahlenschutzes, durchgeführt werden.

Prof. Dr. Richard Fotter, Ärzte Woche 40/2001

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