zur Navigation zum Inhalt
 
Radiologie 30. Juni 2005

Ultraschall mit neuen Dimensionen

Der Ultraschall (US) ist das elementare bildgebende Diagnostikum im Kindesalter. Die rasante technische Entwicklung hat auch für dieses Alter neue US-Applikationen ermöglicht, was wegen der höheren Strahlengefährdung besonders wertvoll ist.

Die Schallvoraussetzungen sind bei Kindern ideal: sie sind klein (= bessere Auflösung) und haben weniger Bindegewebe (= bessere Einsicht). Dies ermöglicht oft eine US-Diagnostik in Situationen, bei denen im Erwachsenenalter zum Beispiel eine CT notwendig ist.

Unkonventionelle Zugangswege

Neue US-Methoden und -Zugangswege werden auch im Kindesalter additiv, aber teilweise auch obligat eingesetzt. Neue, unkonventionelle Zugangswege ermöglichen ein breiteres Anwendungsspektrum: der transperineale US zur besseren Einsicht auf den Beckenboden (z.B. Urethra, genitale und kloakale Fehlbildungen etc.), der Thorax- und Mediastinal-US (z.B. bei unklarer Verschattung), der transtemporale/-occipitale Schädel-US oder der frühkindliche Wirbelsäulen-US.

Der m-mode-US wird zur Dokumentation und (semiquantitativen) Analyse von Bewegungsabläufen nicht nur in der Erstdiagnostik eingesetzt, sondern kann bei den dadurch besser vergleichbaren Verlaufskontrollen eine wesentliche Zusatzinformation mit Einfluss auf die Behandlung liefern (z.B. Ureterperistaltik, Zwerchfellbeweglichkeit). Der „extended field of view“- US basiert auf dem „Zusammenrechnen“ einer Serie von Einzelbildern zu einem größeren. Er ermöglicht auch im Kindesalter die Vermessung und zusammenhängende Darstellung großer Strukturen.

Das Harmonic Imaging verwendet nicht die reflektierte fundamentale Schallwelle, sondern die durch Eigenresonanz des Gewebes oder eines allfällig verwendeten Kontrastmittels verursachte „harmonische“ Oberschwingung. Es verbessert auch im Kindesalter die Grenzerkennung und Kontrastauflösung, z.B. bei schwierigen Schallbedingungen (Meteorismus, Adipositas), flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen, oder beim Appendix-US.

Die moderne Farbdoppler-Sonographie (FDS) macht sich besondere Phänomene zu Nutze, z.B. das „twinkling sign“ bei der Konkrementdiagnostik oder Grenzflächenphänomene bei der Darstellung des ureteralen Mündungsjets. Die auf niedrige Flussgeschwindigkeiten sensitive amplitudenkodierte FDS ist heute auch bei Kindern etabliert Beitrag „Bildgebung am kindlichen Urogenitaltrakt“, Seite 49). Sie dient unter anderem der Darstellung der Gefäßarchitektur parenchymatöser Organe und der Abgrenzung fokaler Perfusionsdefizite (z.B. Pyelonephritis, Trauma, Infarkt,), der Abklärung von komplizierten Zysten und unklaren Raumforderungen/Tumoren oder der Gefäßdarstellung beim transtemporalen US.U

Kontrastmittel zugelassen

Ultraschall-„Kontrastmittel“ sind einigen Jahren am Markt; in Österreich ist Levovist® bei Kindern zugelassen. Sie basieren auf die Schallreflexion verstärkenden enkapsulierten Mikrobläschen und haben fast keine Nebenwirkungen, allerdings besteht ein erhöhtes Kavitationsrisiko. Intravenös werden sie zur Darstellung schlecht evaluierbarer Gefäße, zur Abklärung unklarer fokaler Parenchymläsionen, zur Absicherung kritischer bzw. unklarer (FDS) Befunde (=> Einsparen von Zusatzuntersuchungen) sowie bei schwierigen US-Bedingungen verwendet.

Die einzig wesentliche intraluminale Anwendung im Kindesalter ist die Sono-MCU (= Miktionsurosonographie). Sie erlaubt eine zuverlässige VUR-Diagnostik und wird beim Screening sowie für Verlaufskontrollen verwendet. Schwachpunkte sind die eingeschränkte Urethra-, Ureter-, und Funktionsbeurteilung sowie ihre Untersucher-abhängigkeit. Die potenziellen Anwendungen des dreidimensionalen US sind noch spekulativ.

Bekannt ist eine signifikante Verbesserung der US-Volumsbestimmung, die multiaxiale Analysemöglichkeit kann bei der Diagnosestellung hilfreich sein. Die bessere Standardisierung und Dokumentation mit konsekutiv besserer Vergleichbarkeit bei Folgeuntersuchungen impliziert zusätzlich forensisch-juridische Aspekte.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Moderne US-Techniken sind auch im Neugeborenen- und Kindesalter sinnvoll anwendbar und ein unersetzbarer Teil einer adäquaten Untersuchung geworden, mit konsekutiv deutlicher Verbesse-rung des US-Potenzials in Diagnostik und Dokumentation. Dadurch können invasivere oder teurere Untersuchungsverfahren vermieden bzw. gezielter eingesetzt werden.

Insbesondere Kindern sollten diese Methoden nicht vorenthalten werden, zumal frühzeitige Erkennung und Behandlung eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität ermöglicht und Komplikationen bzw. Dauerschäden vorbeugen kann.

Dies erfordert Kompetenz und Erfahrung, ein solides Können und Wissen, eine kindgerechte Umgebung und eine adäquate Geräte- und Schallkopfausstattung. Vordringliche Aufgabe spezialisierter kinderradiologischer Zentren ist es, all dies auch für die klein(st)en Patienten anzubieten.

Prof. Dr. Michael Riccabona, Ärzte Woche 40/2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben