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Radiologie 30. Juni 2005

Kopf-Hals-Diagnostik bei Kindern

Die Röntgendiagnostik der Kopf-Hals-Region spielt seit Einführung der Schnittbildverfahren MRT und CT eine untergeordnete Rolle. Im Kindesalter wird das Nativ-Röntgen zum Ausschluss einer akuten Sinusitis und in seltenen Fällen zur schnellen Beurteilung der Pneumatisation des Mastoidzellsystems angewendet (Felsenbeinaufnahme nach Schüller und Stenvers).

Die farbkodierte Duplex-Sonographie ist im Kindesalter eine wichtige und rasche Methode zur Charakterisierung zervikaler Lymphknoten-Vergrößerungen. Größe, Form und Lokalisation der Lymphknoten, das positive Hilusfettzeichen und das intranodale Vaskularisationsmuster ermöglichen eine sonographische Differenzierung entzündlicher von pathologisch vergrößerten Lymphknoten. Mittels neuer Techniken in der Sonographie, wie die farbkodierte Duplex-Sonographie mit Kontrastmittel, Power-mode-Technik und 3-D-Sonographie wird deren Effektivität bei der Differenzierung benigner von malignen Lymphknoten-Vergrößerungen noch weiter verbessert. Der Nachteil der Sonographie liegt in der eingeschränkten Evaluation von Pathologien in den tiefen Halsschichten, die zum Ausschluss eines Parapharyngealabszesses weiterführend eine MRT oder CT notwendig machen. Die MRT ist als nicht strahlenbelastende Methode mit hohem Gewebekontrast von Vorteil zur Beurteilung kongenitaler Halszysten und von Raumforderungen im Kopf-Hals-Bereich (juvenile Angiofibrome, Rhabdomyosarkome und Lymphangiome) im Kindesalter. Die MR-Angiographie (MRA) ermöglicht die genaue Beurteilung der Gefäßversorgung stark vaskularisierter Tumore im Kindesalter (Häm-angiome). Eine weitere wichtige Rolle spielt die MRT als Staging-Methode des Morbus Hodgkin und der Non-Hodgkin-Lymphome. Die Spiral-Computertomografie (CT) des Gesichtsschädels ist eine hochauf-lösende Methode zur Beurteilung dünner knöcherner Strukturen (Nasennebenhöhlen und Orbita). Die hochauflösende CT des Felsenbeines dient zum Nachweis von Erosionen, Destruktionen der knöchernen Strukturen. Häufige Indikationen zur HR-CT des Felsenbeins im Kindesalter sind die Mittelohrentzündung, Mastoiditis und das Cholesteatom.

Die technische Weiterentwicklung der CT-Geräte, die Multi-Slice-Technik, ermöglicht beim traumatisierten Kind eine exakte und schnelle Evaluierung des Verletzungsmusters. Hochauflösende 3D-CT-Rekonstruktionen erlauben eine hervorragende präoperative Beurteilung komplexer Gesichtsschädelfrakturen. 3D-CT-Navigationsmodelle unterstützen den Kiefer- und HNO-Chirurgen in der präoperativen Planung sowohl bei komplexem Gesichtsschädeltrauma als auch Kopf-Hals-Tumoren und Lippen- Kiefer Gaumenspalten

Die nicht invasive Multi-Slice-CT-Angiographie stellt im Vergleich zur konventionellen Angiographie eine elegante Methode zur schnellen dreidimensionalen Darstellung von Gefäßen dar. Die gleichzeitige Evaluation von Knochen-Weichteil und insbesondere von Gefäßverletzungen mittels Multi-Slice-CTA sind State of the Art im akuten Trauma-Management. Die höhere Strahlenbelastung für Kinder bei CT-Untersuchungen im Vergleich zu Erwachsenen macht es notwendig, Niedrig-Dosis-Protokolle zu verwenden, die nach Alter, Gewicht und Indikation optimiert werden sollen.

Dr. Doris Zebedin, Ärzte Woche 40/2001

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