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Radiologie 30. Juni 2005

Arzt oder Betriebswirt

Aufgrund aktueller technischer und betriebswirtschaftlicher Entwicklungen im Bereich der Fachärzte für Radiologie verlangt die Führung einer Ordination oder eines Instituts zunehmend nach Expertise jenseits des traditionellen Jobprofils. Dieser Beitrag soll aufzeigen, welche Herausforderungen für Radiologen damit verbunden sind.

Zur Einschätzung der betriebswirtschaftlichen Situation sollte zuerst die Einnahmensituation analysiert werden. Hauptfaktor hierbei sind im Normalfall die Kassenverträge. Die zu erwartenden Änderungen der Vertragslage bei Schnittbildinstituten und Wiener Röntgenfachärzten werden daher entsprechend bedeutsame Auswirkungen haben. Ungeachtet noch anstehender Vertragsverhandlungen und nachfolgender Auslegungsprobleme, haben erste Berechnungen unsererseits für den niedergelassenen Radiologen zu erwartende Einbußen von bis zu 13 Prozent ergeben.

Vorhersehbarkeit der Einnahmen

Die Verträge enthalten aber noch eine zweite betriebswirtschaftlich bedeutsame Dimension: die Nachvollziehbarkeit bzw. Vorhersehbarkeit der Einnahmen. Vor allem im Bereich des Schnittbilds sind Regelungen enthalten, die eine Einnahmenkalkulation unmöglich machen. Bisher war schon aufgrund der einzelfallbezogenen Auslegung der Mehrfachuntersuchungen seitens der Wiener GKK eine Einnahmenkalkulation äußerst ungenau. Mit der nun zusätzlich zu erwartenden Einführung von kassenübergreifenden komplexen Deckelungen sowie Kontingenten, die sich teils sogar institutsübergreifend auswirken sollen, wird die Vorhersagbarkeit der Einkünfte gänzlich unmöglich.

Aber auch im konventionellen Bereich kann es aufgrund der geplanten Tarifänderungen, hier vor allem durch die geänderte Schwerpunktsetzung bei bestimmten Untersuchungen, zu sehr unterschiedlichen Auswirkungen kommen. Schließlich ist damit auch bei der Diskettenabrechnung weiterhin mit organisatorischem und finanziellem Mehraufwand zu rechnen.

Technische Entwicklungen

Weiters ist die Frage zu stellen, welche Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen sind. Die Digitalisierung bringt der Industrie einen Innovationsschub und den Fachärzten eine Fülle neuer Produkte. Neue Gerätegenerationen erweitern die medizinische Machbarkeit und erlauben immer genauere Diagnosen bei immer geringerer Belastung für den Patienten. Drucktechniken und digitale Medien ermöglichen eine Kostenersparnis bei der Diagnoseerstellung, sind jedoch teilweise noch nicht ausreichend etabliert.

Die Internet-basierte digitale Vernetzung medizinischer Einrichtungen ist in einigen Bereichen schon weit entwickelt, jedoch noch nicht flächendeckend genug, um Investitionen ausreichend mit geringeren Aufwendungen rechtfertigen zu können. Jedenfalls schreitet die Digitalisierung kontinuierlich voran, und Anschaffungen in diesem Bereich, gleich ob bei Modalitäten, Drucksystemen, Archiven, Internetleitungen oder Betriebs-EDV, sind grundsätzlich komplex und umfangreich.

Neben technischer Erweiterung und Modernisierung haben auch Qualitätssicherung und Patientenvorsorge an Bedeutung gewonnen. So reichen Softwareprodukte für die Qualitätssicherung von der Zweitbefundung im Rahmen von Screening-Programmen, Patientenerinnerung per Brief oder SMS, über elektronische Erfassung von Anamnese, Fragebögen und Skizzen bis hin zur Vernetzung und Nutzung von Second Opinion auf Basis digitaler Befundungstechniken.

Wie sehen nun Lösungsansätze aus der Sicht eines Software- und Dienstleistungsbetriebs aus? Ein Aspekt ist die Kenntnis der Vertragslage, die inhaltliche Auseinandersetzung mit Vertragsdetails wird zunehmend wichtiger. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf Transparenz und Berechenbarkeit der zu erwartenden Einnahmen gelegt werden.

Zweiter Aspekt ist die Kenntnis der Untersuchungsentwicklung und des eigenen Betriebes. Bei der Ist-Analyse benötigt man gutes Datenmaterial, die richtigen Analyse-Werkzeuge und die zu bestimmenden Kennzahlen. Mit der entsprechenden Softwareunterstützung sollte es möglich sein, den eigenen Betrieb möglichst genau einschätzen zu können.

Man ist somit in der Lage, z.B. die Tendenzen bei der Entwicklung bestimmter Untersuchungsgruppen zu erkennen, deren Rentabilität unter Berücksichtigung des vertraglichen Umfeldes einzuschätzen und gegebenenfalls entsprechend Schwerpunkte zu setzen. Vor diesem Hintergrund sind zunehmend Strukturveränderungen, wie Gemeinschaftspraxen und Zusammenlegungen von Standorten, sowie alternative Finanzierungen (Miete von Infrastruktur, Leasing etc.) die Folge.

Technische Entwicklungen

Auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit technischen Entwicklungen gewinnt an Bedeutung, da hier das finanzielle Risiko von Fehlentscheidungen besonders hoch ist. Um beispielsweise den Nutzen moderner PACS-Systeme beurteilen zu können, kommt man um eine gewisse technische Einarbeitung sowie die Beschäftigung mit einschlägigen Erfahrungsberichten nicht herum.

Für Investitionen ist weiters die bestehende Infrastruktur relevant, und in den meisten Fällen muss ein Stufenplan und damit ein Zeitplan erarbeitet werden. Neben Vertrauen und Verlässlichkeit sollte die Wahl der Geschäftspartner auch deren innovatives und skalierbares Produktportfolio berücksichtigen. Bei Softwareprodukten ist insbesondere von Bedeutung, ob je nach Stufenplan Einstiegsvarianten genauso berücksichtigt werden können wie spätere umfangreichere Erweiterungen. Für eine technische Gesamtlösung sollte das Leistungsspektrum der beteiligten Firmen aufeinander abgestimmt sein.

Steuerliche Gegebenheiten

Schließlich ist wie bereits im Vorjahr für 2003 vom Staat eine Investitionszuwachsprämie vorgesehen. Hierbei wird eine Prämie von 10 Prozent auf alle Investitionen vergeben, die einen Zuwachs gegenüber den letzten drei Jahren darstellen. Sollten in diesem Zeitraum wenig oder keine Investitionen getätigt worden sein und steht jetzt eine größere Anschaffung an, sind diese Beträge für Ihre Kalkulation von großer Bedeutung. Sinnvoll wäre hier, beispielsweise die Anschaffung eines digitalen Röntgengeräts oder Bildarchivs auf 2003 vorzuverlegen. Autos und Investitionen in Gebäude sind von der Prämie nicht erfasst.

Tina Albert und Rainer Anzböck, Ärzte Woche 40/2001

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