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Radiologie 30. Juni 2005

Epilepsien im Kindesalter auf der Spur

Da bei Kindern ein weniger deutlicher Zusammenhang zwischen Ätiologie und Klinik besteht, hat die Bildgebung bei ihnen einen größeren Stellenwert als bei Erwachsenen.

In Österreich leiden rund 65.000 Menschen an Epilepsie, die Mehrzahl davon sind Kinder. Jedes Jahr kommen 3.000 neue Fälle hinzu, wie Prof. Dr. Martha Feucht, Wiener Univ.-Klinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters, beim Österreichischen Röntgenkongress Ende September 2003 erklärte.

Am häufigsten sind fokale und sekundär-generalisierte Anfälle, wobei speziell bei jüngeren Kindern die generalisierten Anfälle überwiegen. Da das unreife Gehirn einen höheren Wassergehalt besitzt, muss bei Kindern unter zwei Jahren ein spezielles MRT-Protokoll durchgeführt werden.

Bei den Epilepsien des Kindesalters spielen perinatale Traumen, kongenitale Missbildungen und ZNS-Infektionen eine wichtige Rolle. „In rund 60 Prozent der Fälle sind die Ursachen nicht bekannt“, erklärte die Epilepsie-Expertin. Auf Grund der zunehmend verbesserten bildgebenden Diagnostik sei in Zukunft allerdings mit einer Verringerung dieser Zahl zu rechnen.

Altersabhängige Variabilität

Bei den Anfällen ist eine große altersabhängige Variabilität zu beobachten, wobei sich vor allem Neugeborene und Kleinkinder deutlich von allen anderen Altersgruppen unterscheiden. Die Prognose der kindlichen Epilepsien ist insgesamt gut, nach wie vor gibt es jedoch Syndrome mit ungünstigem bis katastrophalem Verlauf, z.B. West-Syndrom, Temporallappen-epilepsie bei Hippokampussklerose oder Lennox-Gastaut-Syndrom.

„Da bei Kindern ein weniger deutlicher Zusammenhang zwischen Ätiologie und Klinik besteht, besitzt die Bildgebung bei ihnen einen größeren Stellenwert als bei Erwachsenen“, so die Expertin. Für die Untersuchung ist meist (zumindest) eine Sedierung nötig, weiters ausreichend Zeit, pädiatrisch geschultes Personal und eine entsprechende Hypothese für das Protokoll.

Das Schädelröntgen besitzt keinen Stellenwert mehr, die einzige Ausnahme stellt die Hilfestellung im Rahmen der invasiven Diagnostik (Lokalisation der Elektroden) dar. Die CT ist - außer bei Verkalkungen - weniger sensitiv als die MRT und kommt daher nur für das initiale Akut-Screening in Frage. „Bei der MRT-Untersuchung von Kindern unter zwei Jahren muss ein spezielles Protokoll durchgeführt werden“, betonte Feucht. Da das unreife Gehirn einen höheren Wassergehalt besitzt, stellen transver-sale T2-gewichtete schnelle Echosequenzen mit langer Repetitions- und Echozeit die Leitsequenzen dar. Für die Beurteilung des Balkens werden sagittale Schichten benötigt, und zur Darstellung eines rezenten Ödems ist der Einsatz diffusionsgewichteter Sequenzen sinnvoll. Kontrastmittelverstärkte Sequenzen (mit 0,1 mmol Gadolinium/kg Körpergewicht) sind insbesondere bei Hinweis auf einen Tumor auf den Nativsequenzen und bei Verdacht auf einen Hirnabszess indiziert.

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