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Radiologie 30. Juni 2005

Epilepsien: Detektion pathologischer Prozesse

Ende September fand in Klagenfurt der Österreichische Röntgenkongress statt. Ein wichtiges Thema, mit dem sich mehrere Vorträge befassten, waren Epilepsien.

„Der erste epileptische Anfall ist immer als ein Notfall anzusehen“, betonte Prof. Dr. Stephan Felber, ärztlicher Leiter der Arbeitsgruppe Neuroradiologie an der Klin. Abteilung für Radiologie II an der Innsbrucker Universitätsklinik zu Beginn seines Vortrags, der sich mit der Bildgebung bei Epilepsien im Erwachsenenalter beschäftigte. In der unmittelbaren Akutsituation wird wohl im Allgemeinen zunächst eine CT durchgeführt werden, ansonsten ist die sensitivere MR zu bevorzugen.

„Benötigt wird dabei eine Diffusionsgewichtung (B-Faktor 1000), um vaskuläre oder entzündliche Veränderungen darstellen zu können, weiters T2 oder manchmal besser FLAIR (Fluid Attenuated Inversion Recovery) sowie eine T1-Gewichtung vor und nach Kontrastmittel“, erläuterte Felber. Bei generalisierten Anfällen finden sich dabei in bis zu 20 Prozent abnorme Befunde, bei fokalen in bis zu 80 Prozent.

Das wahrscheinlich häufigste Epilepsiesyndrom ist die mesiale Temporallappen-Epilepsie. Das pathologische Substrat dazu stellt die Hippokampussklerose dar. Darüber hinaus kann sich in der MRT eine Atrophie des gesamten limbischen Systems zeigen. Die Schnittführung beim Temporallappen-Protokoll erfolgt senkrecht zum Hippokampus, vom vorderen Temporalpol bis zumindest zum Ende des Splenum corporis callosi. Die Schichtdicke sollte 2 mm betragen. Weiters ist laut dem Experten zu empfehlen: T2-Gewichtung (512 x 512-Matrix), FLAIR und T1. Sinnvoll ist auch die Anfertigung von Gradientenecho-Sequenzen (3D-MP-RAGE) sowie eventuell die Durchführung einer MR-Spektroskopie (Chemical Shift Imaging [CSI] oder single voxel).

Störungen des Hirnmantels

In der Altersgruppe der jungen Erwachsenen sind Entwicklungs-störungen des Hirnmantels nicht selten Ursachen für epileptische Anfälle. „Die Darstellung erfolgt am besten mittels T1-gewichteten oder IR(Inversion Recovery)-Sequenzen beziehungsweise 3D-MP-RAGE“, erklärte Felber. Solche Malformationen können auch mikrosko-pisch kleine Veränderungen sein, die dann in der Bildgebung nicht erfasst werden können.

Wichtig sind auf jeden Fall standardisierte epilepsiespezifische Un-tersuchuchungsprotokolle, da bei Anwendung nichtspezifischer Protokolle die Ursache der Epilepsie oft unentdeckt bleibt. Entsprechende Richtlinien für ein standardisiertes MR-Protokoll für Patienten mit

epileptischen Anfällen wurden kürzlich in den „Mitteilungen der österreichischen Sektion der Internationalen Liga gegen Epilepsie“ veröffentlicht (1/2003, 2-15). Im Internet sind sie unter „www.medicalnet.at/oe.sektion-ilae“ zu finden.

Abschließend gab Prof. Dr. Thomas Czech, Univ.-Klinik für Neurochirurgie, AKH Wien, noch einen kurzen Überblick zum aktuellen Stand der Epilepsiechirurgie. Unter anderem ging er auf die Hemisphärotomie, die Callosotomie (Durchtrennung des Balkens) und die

Entfernung des Hippokampus, die zumindest vorübergehend zu einer Verschlechterung des verbalen Gedächtnisses führt, ein. Videobilder von einer Hippokampus-Resektion ließen dabei etliche Zuhörer hörbar schlucken.

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