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Radiologie 29. März 2006

Was ist los im Kinderbauch?

Die radiologische Abklärung abdomineller respektive gastrointestinaler Erkrankungen beim Kind stellt aufgrund der oft eingeschränkten Kooperationsfähigkeit eine Herausforderung für das radiologisch tätige Personal dar. Sie gestaltet sich auch aus Gründen altersspezifischer Pathologien gegenüber der Diagnostik beimErwachsenen unterschiedlich und erfordert demzufolge ein entsprechendes Training in pädiatrischer Radiologie.

Im Allgemeinen beginnt die Abklärung des Abdomens mit einer sonografischen Untersuchung, wobei die Kenntnis der Symptome, der Anamnese mit eventuell vorhandenen radiologischen und laborchemischen Vorbefunden sowie der klinischen Befunde die Grundvoraussetzung für eine effiziente Diagnostik darstellen. Unter diesen Voraussetzungen ermöglicht der Ultraschall in vielen Fällen die Lokalisation und Charakterisierung des der abdominellen Problematik zugrundeliegenden Prozesses, so dass - vorausgesetzt, der Schallkopf wird von einer erfahrenen Hand geführt (Abb.1) - oft keine zusätzliche weiterführende Untersuchungsmodalität eingesetzt werden muss.

Beste Aufnahmen im Liegen

Die radiologische Diagnostik in Form einer a./p.-Abdomenübersichtsaufnahme im Liegen, welche die gesamte Topographie des Abdomens mit einer Aufnahme darstellt, ist mitunter bei inkonklusiver Abdominalsonografie wegweisend. Die Aufnahme im Liegen ist der im Hängen (in der Babixhülle) oder im Stehen vorzuziehen. Sie erlaubt - bei gleicher Aussagekraft - qualitativ bessere Bilder, ist einfacher durchzuführen und wird auch von schwerst kranken Kindern toleriert.

Nur bei jeweils derselben Aufnahmeposition bleibt eine Konstanz gewahrt, wodurch ein guter Vergleich von Röntgenbildern im Verlauf möglich ist. Wichtig ist, dass die Zwerchfellkuppen mit den basalen Lungenabschnitten ebenso wie das Becken inklusive Symphyse mitabgebildet sind.

Eine Abdomenaufnahme in linker Seitenlage (in Rückenlage bei instabilen Kindern, etwa bei Frühgeborenen mit extrem niedrigem Geburtsgewicht) im horizontalen Strahlengang kann zusätzlich zum Nachweis von Spiegelbildungen oder freier intraperitonealer Luft notwendig sein. Allerdings können besonders beim kleinen Kind wegen möglicher Dehydrierung Spiegel trotz eines mechanischen Ileus fehlen. Oft lässt sich freie Luft schon an der a./p.-Aufnahme abgrenzen, so dass auf eine zweite Ebene verzichtet werden kann.

Ehe weitere Untersuchungen folgen, ist eine systematische Bildanalyse durchzuführen. Da Abdominalschmerzen auch unspezifischer Ausdruck extraabdomineller Erkrankungen sein können, müssen beispielsweise die basalen Lungenabschnitte zum Ausschluss einer Pneumonie, die klinisch eine Appendizitis vortäuschen kann, mitbeurteilt werden. Eventuell bedarf es einer zusätzlichen Thoraxaufnahme.

Weitere Untersuchungsmethoden sind zu diskutieren, wenn mit Sonographie und/oder Abdomenübersichtsröntgen die Diagnose nicht oder nicht ausreichend genug gestellt werden kann. Es sind dies - je nach Anamnese, klinischer Situation und radiologischen Befunden ?gastrointestinale (Abb. 2) oder urogenitale Kontrastmitteluntersuchungen, mitunter auch szintigraphische Untersuchungen, beispielsweise bei Pyelonephritis.

CT keinesfalls für Screening

Zunehmend öfter, insbesondere bei der Abklärung intraabdomineller Tumore, kommt die Magnetresonanztomographie zum Einsatz. Die abdominelle Computertomographie, die im Erwachsenenalter ein breites Indikationsspektrum aufweist, bedarf im Kindesalter - als Untersuchungsmodalität mit vergleichsweise hoher Strahlenbelastung - einer strengen Indikationsstellung und wird vornehmlich bei Trauma-assoziierten Fragestellungen durchgeführt. Sie darf keinesfalls als „Screening-Methode“ eingesetzt werden.

Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass für die pädiatrische Population spezielle CT-Untersuchungsprotokolle existieren, deren Expositionswerte sich zum Teil erheblich von denen Erwachsener unterscheiden.

Zusammenfassend gilt zu bemerken, dass aufgrund der vielfältigen diagnostischen Möglichkeiten der untersuchende Radiologe mehr denn je konkrete Vorstellungen darüber haben muss, was er bei dem entsprechenden Kind sucht und welche Untersuchungsmodalität sich dafür am besten eignet. Damit bleiben einem Kind einerseits unnötige, belastende Untersuchungen erspart, andererseits ist dennoch eine ausreichende und präzise Abklärung möglich.

Dr. Maria Sinzig, Ärzte Woche 40/2001

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