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Radiologie 30. Juni 2005

Onkologische Kinderradiologie

Die Kinderradiologie stellt ein Spezialgebiet der Radiologie dar. Innerhalb dieser Disziplin befasst sich die onkologische Kinderradiologie mit einer kindgerechten und spezialisierten Diagnostik tumoröser Geschehen.

NETWORK RADIOLOGIE sprach mit dem Radiologen und Kinderarzt Dr. Peter Wiesbauer, Leiter der Röntgenabteilung im St. Anna-Kinderspital, Wien.

Wie unterscheidet sich die onkologische Kinderradiologie von der Erwachsenendiagnostik?

Wiesbauer: Im Gegensatz zu Erwachsenen nimmt die Sonographie bei Kindern einen weitaus größeren Stellenwert ein. Es sollte keine weiterführende Diagnostik mit CT oder MRT ohne vorherige sonographische Abklärung erfolgen. Dass hier spezielle Erfahrung vorliegen und auf die kindlichen Bedürfnisse eingegangen werden muss, etwa durch Verwendung eines vorgewärmten Kontaktgels, versteht sich von selbst.

Ist eine CT oder MRT bei negativem Ergebnis einer Ultraschalluntersuchung, z.B. des Abdomens, nicht mehr erforderlich?

Wiesbauer: Wenn gute Untersuchungsbedingungen vorliegen und alle Bereiche intraabdominell und retroperitoneal ausnahmslos in der Sonographie einsehbar sind, so ist auch eine negative Diagnose mit dieser Modalität zu stellen. Allerdings muss mit großer Sorgfalt vorgegangen und etwa die Leberoberfläche und das Intestinum auch mittels Linearschallkopf gescannt werden.

Kinder muss man zudem für die Sonographie auch auf den Bauch legen, um alle Bereiche optimal beurteilen zu können. Die Durchführung einer MRT oder einer CT sollte selbst bei bekanntem Substrat nie ohne vorherigen Ultraschall erfolgen, da die Informationen, die aus der Sonographie gewonnen werden, für die weiterführenden Untersuchungen von großer Bedeutung sind. Insofern muss es eine enge Kooperation und intensive Kommunikation zwischen den untersuchenden Radiologen geben.

Welche Areale lassen sich bei Kindern mittels Ultraschall gut untersuchen?

Wiesbauer: Neben dem Abdomen und Retroperitoneum sind der Hals, das vordere und obere Mediastinum, Weichteile und Knochenoberfläche gut zu beurteilen. Bei Neugeborenen kann über die noch offenen Fontanellen das Gehirn und über die noch nicht verknöcherten Wirbelsäulenanteile der Spinalkanal sonographisch eingesehen werden. Der transkranielle Ultraschall bei älteren Kindern spielt eine untergeordnete Rolle, grundsätzlich ist die Untersuchung des ZNS Domäne der MRT. Generell sind große raumfordernde Prozesse eher nicht mittels Ultraschall auszudiagnostizieren.

Wie sieht es mit der Diagnostik von Knochentumoren aus?

Wiesbauer: Hier ist die Ultraschalluntersuchung natürlich nicht Methode der Wahl, kann aber begleitend eingesetzt werden. Gerade Knochentumoren im Beckenbereich werden oft zu spät diagnostiziert, da Modalitäten wie MRT oder CT nicht rechtzeitig eingesetzt werden. Die Diagnosestellung ist jedoch schwierig, da das Beschwerdebild meist unklar ist. Auch bei Osteosarkomen in der Knieregion entschließt man sich häufig recht spät, bildgebende Verfahren einzusetzen. Die Jugendlichen leiden meist über einen längeren Zeitraum an Kniebeschwerden, oft wird anamnestisch über ein Trauma in diesem Bereich berichtet, sodass der Gedanke an ein malignes Geschehen aufgeschoben wird. Ein normales Röntgen kann wesentlich zur Diagnose beitragen.

Welche Verbesserungen könnten in der diagnostischen Praxis in Ihrem Bereich noch vorgenommen werden?

Wiesbauer: Wenn bei Kindern ein Tumor festgestellt wurde, sollte grundsätzlich eine Volumsbestimmung des raumfordernden Prozesses vorgenommen werden. Dies wird leider häufig verabsäumt. Es stellt zwar eine arbeitsaufwändige Prozedur dar, das Tumorvolumen bei Erst- und Verlaufsuntersuchungen ist allerdings Bestandteil vieler Behandlungsprotokolle. Zur Berechnung von Volumina bei komplexeren Tumorformen haben moderne Untersuchungseinheiten eine entsprechende Software.

Haben Sie noch ein Anliegen an die zuweisenden Kollegen?

Wiesbauer: Entscheidend ist, dass die klinische Verdachtsdiagnose so präzis wie möglich formuliert, eventuell auch ein detaillierter Neurostatus, z.B. bei „low back pain“, gemacht wird, um eine mögliche Lokalisation für ein tumoröses Geschehen eingrenzen zu können. Niemand sollte sich scheuen, direkt mit dem Radiologen Kontakt aufzunehmen, um den vorliegenden Fall näher zu erläutern. Schließlich ist es das gemeinsame Ziel, rasch zu einer Diagnose zu kommen.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 40/2001

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