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Radiologie 29. März 2006

Kinder sind etwas Besonderes

„Ihr Kind ist etwas Besonderes. Die Kinderradiologie auch.“ (Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie, 2003)

Die österreichische Kinderradiologie hat in den letzten zwei Jahrzehnten des vergangenen Jahrtausends den Anschluss an das europäische Niveau nicht nur geschafft, sondern kann in bestimmten entscheidenden Bereichen, wie Forschung und strukturelle Einbettung, durchaus als beispielgebend angesehen werden.

Bezogen auf die Zahl der in Österreich tätigen Kinderradiolog-Innen kann der wissenschaftliche Output, die internationale Anerkennung und die Präsenz bei wissenschaftlichen Veranstaltungen und Fortbildungsveranstaltungen als hervorragend angesehen werden. Einen Hauptanteil an den Forschungsaktivitäten, an der hochspezialisierten Weiterbildung und der Rekrutierung junger Kolleginnen und Kollegen trägt die universitäre Einbindung der Kinderradiologie in Wien, Innsbruck und in Graz.

In Graz wurde 1994 eine Klinische Abteilung, geleitet durch einen Universitätsprofessor für Radiologie, unter besonderer Berücksichtigung der Kinderradiologie gegründet. Weitere kinderradiologische Organisationseinheiten gibt es in den Landeshauptstädten Salzburg, Klagenfurt und Linz sowie in einigen Stadtspitälern Wiens. In kleineren Spitälern sind es teilzeittätige OberärztInnen, die die kinderradiologische Versorgung wahrnehmen.

Hauptamtliche Spezialisten

Zum Unterschied von den 60er- und 70er-Jahren ist es in den letzten Jahren gelungen, zumindest in den größeren kinderradiologischen Organisationseinheiten hauptamtliche KinderradiologInnen zu beschäftigen. Die Struktur dieser Organisationseinheiten reicht vom Primariat über Sonderaufträge bis zu Sektionen, die von OberärztInnen geleitet werden. Einige dieser Zentren, wie Salzburg, Linz und Graz, sind zusätzlich telemedizinisch miteinander verbunden. Sie bilden den ersten Teil eines anzustrebenden österreichweiten kinderradiologischen Netzwerkes, das eine qualitätsgesicherte Exzellenz auf diesem Gebiete sicher-stellen sollte.

Die kosteneffektivste und letztlich auch sinnvollste Organisationsform ist die Strukturierung kinderradiologischer Abteilungen als Teil großer radiologischer Institute oder Kliniken oder die enge Kooperation mit großen radiologischen Instituten. Wichtig ist, dass die Kinderradiologie im Nahbereich der Kinderstationen oder Abteilungen lokalisiert ist, um eine optimale Prozess- und Ergebnisqualität sicherzustellen. Nur dort, wo große Kinderspitäler isoliert geführt werden, sollte die Kinderradiologie budgetär und ausstattungsmäßig unabhängig geführt werden. Auch hier ist eine

Kooptierung oder behutsame Reintegration an große radiologische Institute oder Kliniken empfehlenswert, um in Zeiten knapperer Budgets das Überleben zu sichern und jeweils Zugriff auf die modernsten Technologien zu haben.

Die Kinderradiologie braucht dedizierte, für Kinder unter besonderer Berücksichtigung des Strahlenschutzes maßgeschneiderte Geräte und Technologien. Für Bereiche, wo Geräte gemeinsam mit Erwachsenen genützt werden, ist es Aufgabe und Pflicht der KinderradiologInnen, alleine oder mit den Firmen gemeinsam kinderradiologische Protokolle und Techniken zu entwickeln, die eine optimale kindergerechte Betreuung garantieren.

Die ethische Verantwortung im Zusammenhang mit der Bildgebung beim Neugeborenen, Klein- und Schulkind sowie Jugendlichen, die ein größeres Strahlenrisiko als Erwachsene aufweisen, bedeutet in jedem Falle schonende und mit möglichst geringer Strahlendosis arbeitende Techniken und Methoden. Dazu gehört auch, Protokolle zu entwickeln, einzusetzen und qualitätsgesichert in die Zukunft weiter zu entwickeln. Soweit wie möglich ist dem Einsatz der Magnetresonanztomographie und des Ultraschalls der Vorzug zu geben.

Obligater Teil der Ausbildung

Die Kinderradiologie ist auch in Österreich verpflichtender Teil der Ausbildung zum Facharzt für Medizinische Radiologie - Diagnostik. Ihre Verankerung im Rasterzeugnis und in der Facharztprüfung ist ein wichtiger Schritt, um Teil des notwendigen Harmonisierungsprozesses der Spezialisierung medizinischer Fächer in der EU zu werden.

Ein Wermutstropfen in dieser Bilanz ist, dass nach mehr als zehnjährigem Bemühen die Kinderradiologie bis heute weder als Zusatzfach noch als Spezialisierung des Faches Radiologie institutionalisiert bzw. etabliert ist. Kinderradiologen sind Fachärzte mit spezieller zusätzlicher Ausbildung, die sich hauptamtlich oder überwiegend der bildgebenden Diagnostik und Intervention des Kindesalters widmen. Gerade in

einem Spezialgebiet, in dem den Ärztinnen und Ärzten eine besonders große ethische Verantwortung auferlegt ist, wäre eine ärzterechtlich anerkannte Spezialisierung eminent wichtig, um sicherzustellen, dass ausschließlich entsprechend geschultes ärztliches Personal für Diagnostik und Intervention die Verantwortung übernimmt.

Prof. Dr. Richard Fotter ist Vorstand der Univ.-Klinik für Radiologie in Graz
eMail:

Prof. Dr. Richard Fotter, Ärzte Woche 40/2001

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