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Radiologie 30. Juni 2005

Virtuelle Koloskopie als Screening-Methode?

"Dem routinemäßigen Einsatz der virtuellen CT-Koloskopie steht heute bei symptomatischen Patienten nichts mehr entgegen", erklärte Dr. Helen Fenlon vom Mater Misericordiae-Krankenhaus in Dublin auf dem heurigen ECR-Kongress. Als Screening-Methode sei die CT-Untersuchung des Kolons derzeit aber noch nicht geeignet.
Das kolorektale Karzinom stellt heute sowohl in Europa als auch den USA die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache dar. Daher ist es naheliegend, dass über bevölkerungsbezogene Screening-Programme diskutiert wird und eine nicht-invasive, sichere und von den Patienten gut tolerierte Untersuchungstechnik wie die CT-Koloskopie entsprechende Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Fenlon: "Die Methode erlaubt uns einen Blick in das gesamte Kolon, und ihre Ergebnisse sind mit denen der ?ormalen?Koloskopie vergleichbar. Allerdings liegen noch keine großen Studien vor, sodass der Einsatz der CT-Koloskopie derzeit auf symptomatische Patienten nach inkompletter Koloskopie und auf gebrechliche und alte Menschen beschränkt bleiben sollte." Vor einer Anwendung der Methode im Rahmen des kolorektalen Screenings ist laut Fenlon noch einiges an Forschung nötig: "Wir brauchen Langzeitstudien, müssen uns noch mehr mit Niedrigdosis-Techniken beschäftigen sowie das Risiko für die Bevölkerung abschätzen."

Wie Fenlon sagte, weist die CT-Koloskopie, was die Entdeckung großer oder mittelgroßer Polypen betrifft, eine höhere Sensitivität als der Barium-Kontrasteinlauf auf. Die Notwendigkeit der Verabreichung eines intravenösen Kontrastmittels werde derzeit noch kontrovers diskutiert, ihrer Ansicht nach passe dies auf jeden Fall aber nicht zu einem Screening. "Bei der Untersuchung von Patienten mit bekanntem kolorektalem Karzinom könnte die Sache anders aussehen", so die Expertin.

Qualitätssichernde Maßnahmen hält Fenlon für sehr wichtig, so könnte sie sich zum Beispiel Akkreditierungsprogramme für diese Untersuchungstechnik vorstellen. Prof. Dr. Mikael Hellström, Göteborg, empfahl die Kombination von axialen 2-D- mit endoluminalen 3-D-Bildern, weiters sollten die Aufnahmen sowohl in Rücken- als auch in Bauchlage durchgeführt werden. "Bei einer CT-Koloskopie muss man auch unbedingt darauf achten, dass der Darm äußerst sauber ist", so der Radiologe. Kot- und Flüssigkeitsreste können kleine Läsionen verdecken, außerdem ist eine Verwechslung von Kot und Polypen möglich.

Dr. Roger Frost, Präsident der ESGAR (European Society of Gastrointestinal and Abdominal Radiology), ist sich "sicher, dass kolorektales Screening das nächste nationale Screening-Programm in Großbritannien sein wird". Er berichtete weiters, dass bei auf den Bauchraum spezialisierten Radiologen zuletzt auch das Potenzial der Multislice-CT, Lebermetastasen zu erkennen, für großes Aufsehen gesorgt habe. Hinsichtlich der Situation der Radiologie in Großbritannien beklagte Frost den Mangel an Ärzten und technischem Personal, der allerdings dadurch kompensiert werde, dass in der Betreuung von Patienten die gute Zusammenarbeit verschiedener Fächer weit verbreitet sei. 

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