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Radiologie 30. Juni 2005

Strahlenbelastung vermeiden, wo geht

Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) ist auf dem Vormarsch. Sie hat mit elf Prozent jährlich höhere Zuwachsraten als andere bildgebende Verfahren wie Computertomographie oder nuklearmedizinische Methoden wie Positronen-Emissions-Tomographie.
"Dieser Trend wird sich vermutlich weiter fortsetzen, weil die Geräte immer leistungsfähiger werden, weil wir neue Kontrastmittel für die MRT-Untersuchungen zur Verfügung haben und die Geräte patientenfreundlicher werden", sagte der diesjährige Präsident des Deutschen Röntgenkongresses, Prof.Dr. Ingolf Peter Arlart, Zentrum für Radiologie des Stuttgarter Katharinenhospitals, bei der Tagung im Mai in Wiesbaden.

Diagnostik von Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen

Vor allem für die Diagnostik von Herzkreislauf- und Tumorerkrankungen wird die MRT immer wichtiger. Hat ein Hausarzt etwa aufgrund des sonographischen Befundes den Verdacht, ein Patient könnte ein Leber- oder ein Nierenzellkarzinom haben, sei die MRT die diagnostische Methode der ersten Wahl, sagte Arlart. Neue hepatobiliäre Kontrastmittel (KM) auf Mangan-Basis machen es zusätzlich zur Lokalisation möglich, mit der MRT Aussagen über die Malignität eines Tumors in der Leber zu machen, erläuterte der Radiologe.

Verletzungen an Muskeln und Skelett

Diese KM reichern sich in gesunden Hepatozyten an. Entdifferenzierte und damit sehr bösartige Tumoren haben wenige Hepatozyten und nehmen damit auch wenig KM auf, bei den gut differenzierten, niedrig malignen Leberzellkarzinomen ist es umgekehrt. Metastasen haben keine funktionsfähigen Hepatozyten und reichern damit auch kein KM an. Es lassen sich mit dem MRT Tumore unter einem Zentimeter Durchmesser erkennen, sagte Arlart. Auch wenn Patienten nach Unfällen möglicherweise Verletzungen an Muskeln und Skelett haben, sei die MRT die diagnostische Methode der ersten Wahl, sagte Arlart. Bei der muskuloskelettalen Diagnostik gebe es derzeit jährliche Zuwachsraten von 134 Prozent, hieß es in Wiesbaden.

Die Gefäßdiagnostik mit MRT hat Wachstumraten von 67 Prozent und wird weiter an Bedeutung gewinnen, so Arlarts Prognose. Denn es lassen sich die Vitalität des Herzgewebes sowie Durchblutungs- und Bewegungsstörungen des Muskels mit dem MRT darstellen, allerdings nur mit Geräten hoher Gradientenfeldstärken und einer speziellen Software. Nur bei diesen Kernspintomographen sind örtliche und zeitliche Auflösung hoch genug, um auch Bewegungsstudien am Herzen zu machen.

Bewegungsstudien am Herz

Arlart gab ein Beispiel: Bei einem Patienten mit überstandenem Herzinfarkt im Bereich des Vorderwandseptums und der Herzspitze stellt sich die Frage, ob der Herzmuskel im Bereich des Infarktes noch revitalisierbar ist, ob der Patient also von einem invasiven Eingriff (Ballondilatation, Stent oder Bypass) noch einen Vorteil hat. Bewegungsstudien am Herz lassen erkennen, ob das Muskelgewebe sich normal kontrahiert oder starr und abgestorben ist. Außerdem reichert sich in abgestorbenem Gewebe Gadolinium-haltiges KM an. "Wir können mit diesen beiden MRT-Darstellungsformen entscheiden, ob eine Operation für den Patienten sinnvoll ist oder ihm erspart werden kann, weil sie keinen therapeutischen Effekt hätte", erläuterte Arlart.

Außerdem lasse sich mit Hilfe der MRT nach Gabe von Kontrastmittel beurteilen, ob das restliche Myokard normal durchblutet oder eine weitere Diagnostik wie die Koronarangiographie nötig sei. Auch Koronarangiographien werden künftig vermutlich von der MRT verdrängt, meint Arlart. Die wichtigste Motivation dafür sei, die Strahlenbelastung zu reduzieren.

Aktuelle Studien, die in Wiesbaden präsentiert wurden, belegen ein weiteres Einsatzgebiet für die MRT: die Evaluation von Leber-Lebendspendern. Vor Transplantation wird die Anatomie der Spenderleber und Gefäßvarianten sowie das Volumen des zu transplantierenden Gewebes - meist der rechte Leberlappen - bestimmt. Dafür eignet sich das Mehrschicht-CT, aber auch das strahlungsfreie MRT, wie Prof.Dr. Peter Neuhaus von der Charité Berlin und seine Kollegen belegten. Sie haben bei 29 Leber-Lebendspendern die präoperativ auf Basis der MRT bestimmten Lebervolumina mit intraoperativen Messungen des Gewebes verglichen. Die Korrelation war gut.

Nicola Siegmund-Schultze/ÄZ, Ärzte Woche 42/2001

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