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Radiologie 30. Juni 2005

Mammografie: Das Bessere ist des Guten Feind

Es bedarf eines gewissen Rechercheaufwandes, um in Österreich auf Anwender der digitalen Mammografie zu stoßen. Schließlich herrscht neben den hohen Kosten, die die Umstellung auf das System mit sich bringt, gelegentlich auch noch Uneinigkeit über den tatsächlichen diagnostischen Benefit. Die ÄRZTE WOCHE sprach mit Doz. Dr. Franz Frühwald, Institut Frühwald St. Pölten, der als einer der ersten Radiologen im extramuralen Bereich den finanziellen Mehraufwand zugunsten einer genaueren Diagnostik in Kauf genommen hat.

Stehen die hohen Kosten der digitalen Mammografie im Verhältnis zum diagnostischen Nutzen?

Frühwald: Das System ist sicher nicht als billig zu bezeichnen. Die Kosten belaufen sich auf etwa das Fünffache einer konventionellen mammografischen Untersuchungseinheit. Auch der laufende Betrieb ist aufgrund eines für derartige Geräte nötigen Vollwartungsvertrages kostenaufwendig. Die wirtschaftliche Rentabilität ist sicherlich nicht gegeben. Dies muss einem bei allen Vorteilen, die die Digitalisierung mit sich bringt, bewusst sein.

Ist die konventionelle Mammografie in ihrer Aussagekraft nicht ausreichend?

Frühwald: Natürlich lassen sich mit der konventionellen Methode zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. Bekanntlich ist jedoch das Bessere des Guten Feind, und wir halten mit der digitalen Mammographie eindeutig die überlegenere Variante in Händen.

Worin liegen die Vorteile der Digitalisierung?

Frühwald: Die digitale Mammographie ist zur Zeit sicherlich die genaueste Methode zur Früherkennung des Mammakarzinoms. Die pathognomischen Mikroverkalkungen lassen sich hier am besten und genauesten auffinden, die Erkennungsrate liegt höher als bei konventionellen Aufnahmen. Computerunterstützt können diskreteste Veränderungen entdeckt werden, die elektronische Doppelbefundung erfolgt durch direkten digitalen Ver-gleich mit älteren Bildern. Schließlich ist die Qualitätssicherung gegeben, da sich die elektronischen Systeme quasi selbst überprüfen.

Kann die Strahlenbelastung durch das digitale Verfahren verringert werden?

Frühwald: Wie bei allen bildgebenden Verfahren ist auch hier ein Kompromiss zwischen Dosisbelastung und bestmöglicher diagnostischer Aussagekraft zu treffen. Die Strahlenbelastung dürfte jedoch bei der digitalen Anwendung um etwa 30 bis 40 Prozent niedriger anzusiedeln sein.

Hat sich die Arbeitsweise bei der Befundung durch die digitalen Aufnahmen verändert?

Frühwald: Als befundender Radiologe ist das Arbeiten mit dem System sicherlich ergonomischer und weniger ermüdend. Im Vergleich zu den herkömmlichen Aufnahmen mit durchschnittlich 18 mal 24 Zentimeter Größe kann das digitale Bild auf einem Monitor bequem in entsprechend bildschirmfüllender Größe betrachtet werden. Hochauflösende Monitore mit 5000 Pixel sind hier vonnöten.

Die Kompatibilität mit dem PACS ist hierbei gegeben ...

Frühwald: Die direkte Einbindung in das PACS-System, wie wir es
betreiben, scheint sinnvoll. Allerdings treibt diese Verknüpfung die Kosten nochmals in die Höhe, denn wir müssen zusätzlich eine Hardcopy anfertigen. Da der Ausbau der PACS-Systeme im extramuralen Bereich jedoch vorangetrieben wird, ist diese Verknüpfung sicherlich eine Investition in die Zukunft, um die Bilder auch digital versenden zu können. Zur Zeit haben jedoch viele der Zuweiser, die mit uns in digitaler Verbindung stehen, nicht die ausreichende Hardware zum Betrachten der Bilder.

Warum etabliert sich Ihrer Meinung nach die digitale Mammografie nur so langsam?

Frühwald: Es ist sicher eine Kostenfrage. Die Anschaffung entsprechender Monitore und die große Speicherkapazität ist für die meisten niedergelassenen Kollegen nicht rentabel. In den Spitälern mit entsprechenden finanziellen Ressourcen stellt die Mammografie wiederum keine so häufige Untersuchung wie im extramuralen Bereich dar.

Sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit dem System zufriedenstellend?

Frühwald: Seit etwa einem dreiviertel Jahr arbeiten wir mit der digitalen Mammographie. Wir zählen somit zu den ersten extramuralen Instituten in Österreich, die die Umstellung vollzogen haben. Und bislang sind wir sehr zufrieden, sowohl was die Qualität des Ergebnisses als auch den Arbeitsprozess betrifft. Die vermehrten Kosten sind das allemal wert. 

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