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Radiologie 30. Juni 2005

Die "Klügere" sieht rechtzeitig nach

Brustkrebs stellt in Österreich, wie in den meisten Industriestaaten, neben den kolorektalen Karzinomen die häufigste Tumorart dar. Die Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen beträgt 69 auf 100.000 Frauen oder absolut 3.200 Fälle. Vor allem eine frühzeitige Diagnose verspricht die Verringerung der Brustkrebs-Sterblichkeit.

"Die Röntgen-Mammografie ist die älteste und bewährteste Methode zur bildgebenden Untersuchung der Brust", erklärt Prof. Dr. Wolfgang Buchberger, Univ.-Klinik für Radiodiagnostik, Klinische Abteilung für Radiodiagnostik I, Innsbruck. Mit der Mammografie können etwa 80 bis 90 Prozent aller invasiven Karzinome entdeckt werden. Etwa zwei Drittel aller duktalen In-situ-Karzinome (DCIS) manifestieren sich durch mammografisch sichtbare Mikroverkalkungen.

Empfehlungen der EU

Die im November 1999 beschlossenen Richtlinien für das Tumorscreening in der EU empfehlen die Einführung qualitätsgesicherter Screeningprogramme für alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren mit Mammografien in zwei- bis dreijähigen Intervallen. Buchberger: "Wie die Erfahrung zeigt, lassen sich gute Ergebnisse nur bei einer Teilnahmerate von mindestens 70 Prozent der eingeladenen Frauen und mit einem organisierten Programm zur Standardisierung, Qualitätssicherung und -kontrolle erreichen. Diese Voraussetzungen sind in einzelnen Staaten der EU, unter anderem auch in Österreich, derzeit noch nicht gegeben."

Motivation steigern

Tatsächlich wird die Möglichkeit der Mammografie zur Früherkennung in Österreich nur von jeder zweiten Frau im Alter von 50 bis 70 Jahren wahrgenommen. Um die Motivation für die jährliche Untersuchung zu steigern, wurde unter dem Motto "Die Klügere sieht nach" ein Brustkrebs-Früherkennungsprogramm im Rahmen des Wiener Frauengesundheitsprogramms unter der Leitung der Frauengesundheitsbeauftragten Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger initiiert. Im Jahr 2000 startete die Stadt Wien die größte Gesundheits-Vorsorgeaktion Österreichs: 194.000 in der Bundeshauptstadt lebende Frauen wurden in einem persönlichen Schreiben zur Mammografie eingeladen und über die Wichtigkeit einer alle zwei Jahre erforderlichen Kontrolle aufgeklärt. Die Adressatinnen erhielten neben Informationen über Brustkrebs, Mammographie und Selbstuntersuchung einen den Krankenschein ersetzenden "Mammographie-Scheck" sowie eine Liste jener Einrichtungen, die diese Vorsorgemaßnahme anboten. Auf dem Scheck wurde ein konkreter Zeitraum für die Durchführung dieser Untersuchung vorgeschlagen.

"Die Frauen sollen durch die direkte Ansprache in Form eines Briefes besser erreicht und in weiterer Folge das Bewusstsein zum Thema Brustkrebs gefördert werden", so Wimmer-Puchinger. Besonderes Augenmerk wurde auf jene Frauen gelegt, die sich noch nie einer Mammographie unterzogen hatten oder bei denen diese Untersuchung bereits länger als fünf Jahre zurücklag. Rund 250.000 Euro investierten die Stadt Wien, die Wiener Ärztekammer und die Wiener Gebietskrankenkasse in die Vorsorge-Kampagne.

Ergebnisse aus Wien

Das Wiener Projekt ist mittlerweile beendet, die ersten Daten liegen bereits vor. In einer Zwischenbilanz konnte bei sieben Prozent der untersuchten Frauen ein auffälliger Befund erhoben werden. 5,3 Prozent der Befunde wurden schließlich als "gutartig" beurteilt. Bei 516 Frauen (1,7%) ergab sich der Verdacht auf Brustkrebs. Sie wurden zur weiteren Abklärung in die entsprechenden Zentren überwiesen.

Nun soll eine adäquate Aktion auch österreichweit durchgeführt werden. Bereits seit ein paar Jahren zeigt sich das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) am Thema Brustkrebs-Screening interessiert. "Das Bundesministerium hat eine Implementierungsstudie in Auftrag gegeben, die noch heuer begonnen werden soll. Ende des Jahres werden die entsprechenden Daten voraussichtlich vorliegen", erklärt die Studienverantwortliche Mag. Theresia Gabriel, die bereits beim Wiener Projekt als Koordinatorin fungierte.

In dieser Studie sollen umsetzungsorientierte Konzepte herausgefiltert werden. "Wir müssen die Voraussetzungen für ein österreichweites Mamma-Screeningprogramm erst einmal ausloten", so die Koordinatorin. Schließlich gilt es neben den technischen Qualitätskriterien auch die Möglichkeiten der Datenkoordination und die erforderliche Anzahl der untersuchenden Institutionen zu eruieren. Ergebnisse aus der Evidence based Medicine sollen hierbei als Grundlage dienen.

Bei der Erstellung des Projektes wird nach den EU-Richtlinien (European Guidelines for Qualitiy Assurance in Mammographic Screening) vorgegangen. Welche PR-Maßnahmen im Umfeld dieses Projektes gesetzt werden, hängt von der Finanzierung ab. Von einer öffentlichen Aufklärungskampagne über die Sinnhaftigkeit eines Screenings bis hin zum europäischen Konzept des "Direct-Mailings" an die weibliche Zielgruppe sei, so Gabriel, alles denkbar. 

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