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Radiologie 30. Juni 2005

Effizient und patientenorientiert

Als zweite Krankenanstalt in Wien (nach dem Donauspital; Anm. der Red.) konnte das Kaiser Franz Josef-Spital im Rahmen der Errichtung des neuen Schnittbildzentrums und des Umbaus des Rönt-geninstitutes ein integriertes Bilddaten- und Organisationssystem etablieren. Doz.Dr. Wolfgang Kumpan, Vorstand des Zentralröntgeninstituts (ZRI), sieht in der neuen Einrichtung zahlreiche Vorteile und weitere Optionen für die Zukunft.

Seit wann besteht das integrierte Bilddaten- und Organisationssystem, wie funktioniert es?

KUMPAN: Wir arbeiten seit 1997 mit diesem umfassenden digitalen System, wobei die aufwändigen Verfahren wie MR, Spiral-CT, Ultraschall, Angiographie, Durchleuchtung, Interventionelle Radiologie, Mammastereotaxie, aber auch die DEXA-Osteodensitometrie bereits vollständig digitalisiert bzw. vernetzt sind. In den kommenden Jahren werden auch Lungen- und Skelettröntgen sowie die Mammographie umgestellt. Zur Zeit sind 18 PACS-, 67 RIS-Workstations, davon 26 mit Spracherkennung, in Betrieb. Die Systeme sind durchgehend 24 Stunden in Betrieb, zu über 99 Prozent uptime.

Die Untersuchungsbilder digital zu erstellen, zu bearbeiten bzw. zu befunden und zu archivieren ohne die Möglichkeit einer integrierten EDV-Administration und Organisation des Patienten- und krankenhausübergreifenden Institutsbetriebes ist jedoch wenig sinnvoll. Daher legten wir größten Wert auf einen effizienten, patientenorientierten "workflow" in Form einer optimalen Verknüpfung von KIS (Krankenhaus-Informations-System), RIS (Radiologie-Informations-System), SR (Spracherkennungs-System) und PACS (Bilddaten-Archivierungs- und -Kommunikationssystem).

Die radiologische Befunderhebung stellt oft ein Nadelöhr bei der Betreuung der Patienten während eines Krankenhausaufenthaltes dar ...

KUMPAN: Wir sind stolz darauf, bei der Entwicklung unseres Radiologie-Informations-Systems  durch die Firma Siemens von der Nutzerseite her maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. Es handelt sich um ein Organisationssystem, das nach Bewährung in unserem Institut in vielen Ländern bereits zur Anwendung gelangt. Von der Zuweisung über die Patientenorganisation, den Untersuchungsablauf und die Befundung bis hin zur Vorbereitung der radiologisch-klinischen Visiten und zum Management des Patienten-Transportes kann alles mit diesem System nahezu "vollautomatisch" gesteuert und optimiert werden. Auf diese Weise wird das gesamte radio-logische Procedere beschleunigt.

Welche konkreten Vorteile resultieren daraus?

KUMPAN: Alles in allem bedeutet dies nicht nur eine Organisationsverbesserung, sondern auch eine Qualitätsverbesserung der medizinischen Betreuung. Denn die therapeutische Reaktionszeit verkürzt sich durch eine derartige Administration enorm. Nach einer von uns durchgeführten Studie dürfte der Zeitgewinn allein von der Untersuchungsdurchführung bis zur Ankunft des Befundes bei der anfordernden Abteilung 35 Prozent betragen, was bedeutet, dass die endgültigen Befunde innerhalb eines Tages, im Durchschnitt innerhalb von acht Stunden übermittelt sind. Unsere "Kunden", die Zuweiser und Patienten, haben schließlich ein Recht auf eine rasche, gute Arbeit.

Wie erfolgt die Befundung mit dem KIS-RIS-Speech-PACS?

KUMPAN: Vor allem das von unserem Haus nutzerseitig mitentwickelte und in das RIS integrierte Spracherkennungssystem  ermöglicht eine rasche Abwicklung der Befundung: Der Radiologe diktiert fließend, ohne oder mit simultanem Text am Bildschirm ("off-line" oder "on-line"), über ein Spezialmikrophon direkt in das Computersystem. Der Diktierstil ist wie beim gewohnten Banddiktat. Das System ist lernfähig und erkennt jeden "User" mit dessen individueller Sprache, unabhängig von dessen Phonetik und Dialekt.

Die Erkennungsrate liegt im Durchschnitt bei 95 Prozent, bei mehreren ÄrztInnen sogar bei 98 Prozent. Die Sekretärinnen arbeiten nicht mehr als Schreibkräfte, sondern als "Lektorinnen" im Sinn von Korrekturlesen und Korrekturhören. Der Befund wird schließlich vom Radiologen digital signiert und gleich versendet. Am Wochenende und in der Nacht kann dieser Korrekturmodus vom Befundenden selbst durchgeführt werden, sodass auch in diesen Zeiten immer ein fertiger, legistisch einwandfreier und endgültiger Befund vorliegt. Durch die hohen Erkennungsraten und die Tatsache, dass der Befund nur "einmal in die Hand genommen werden muss", das heißt kein weiterer "endgültiger" Befund erforderlich ist, ergibt sich auch dadurch ein erheblicher medizinischer und logistischer Qualitätszuwachs. Handschriftliche oder "vorläufige" Befunde gehören damit schon lange der Vergangenheit an.

Besteht da bei den Sekretärinnen nicht die Angst vor Personaleinsparungen und bei den ÄrztInnen Angst, Sekretärinnenarbeit übernehmen zu müssen?

KUMPAN: Das wesentliche Ziel für die Integration des Spracherkennungssystems war, signifikant Effizienz und Qualität für den 24-Stunden-Befundablauf zu gewinnen. Dabei galt es zu beachten, dass für die ÄrztInnen im Routinebetrieb neben der konzentrierten Untersuchungs- und Befundarbeit keine zusätzliche Schreibarbeit anfällt, die RTA´s von Administrationsarbeit entlastet werden und sich dem unmittelbaren Untersuchungsbetrieb widmen können.

Obwohl die Befunderstellung für die Sekretärinnen durch das Sprach-erkennungs-System beschleunigt werden konnte ("Korrigieren ist schneller als Tippen"), kam es zu keinem "job-killing". Die freiwerdende Kapazität der Sekretärinnen kann nunmehr - ihrem Tätigkeits-profil entsprechend und wie dies auch vor Jahren der Fall war - für andere administrative Tätigkeiten, z.B. am Aufnahmeschalter, genützt werden.

Die durch den überproportionalen Leistungszuwachs in den letzten Jahren hier administrativ eingesetzten RTA`s wurden dadurch von berufsunspezifischen Tätigkeiten zumindest teilweise entlastet und sind nunmehr in den medizinischen Bereichen eingesetzt, wie z.B. in der Interventionellen Radiologie. In diesem Sinne handelt es sich daher um eine leistungsorientierte "Restrukturierung". Für die RadiologInnen ist der Befund-Arbeitsaufwand sozusagen neutral geblieben, bei allerdings erheblichem Effizienzgewinn. Für die RadiologInnen steht jedoch insofern mehr Arbeit an, da neben dem Frequenzzuwachs heutzutage mehrere hundert Bilder bei MR oder Spiral-CT durchgesehen werden und hochwertige interventionelle Leistungen vom TIPS bis zum Aortenstentgraft durchgeführt werden. Das alles funktioniert nur mit einem höchst motivierten Team. Keine unserer RadiologInnen möchte dabei unser umfassendes digitales System missen.

Wie kommt die zuweisende Abteilung an die Bilder und Befunde heran?

KUMPAN: Über die RIS-KIS-Schnittstelle werden alle Befunde und digitalen Bilder - selbstverständlich datengeschützt - automatisch mit der Vidierung über das Bildverteilungssystem an die zuweisenden Stationen übermittelt. Wird ein Patient transferiert oder konsiliarisch besucht, so wandern seine Daten automatisch mit.
Wir können von unseren klinischen Kollegen allerdings nichterwarten, einige hundert MR- oder CT-Bilder zu betrachten, daher erstellen wir bei der Befundung selektiv "Image Summaries". Lediglich jene Aufnahmen, die für die Behandlung von Relevanz scheinen, werden an die Station elektronisch verschickt. Gespeichert werden selbstverständlich alle Bilder, und bei Bedarf hat der anfordernde Arzt direkt von seiner Station, dem OP oder der Ambulanz aus Zugriff auf alle Bilddaten seines Patienten im digitalen Archiv.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 42/2001

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