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Radiologie 30. März 2006

Empfehlungen für weniger Diagnosefehler

Folge den Standards, kommuniziere in effektiver Weise mit den zuweisenden ÄrztInnen, bleibe auf dem Laufenden, was aktuelle Forschungsergebnisse betrifft, warte alte Geräte regelmäßig oder tausche sie aus: Mit diesen eher einfachen Empfehlungen hofft Prof. Dr. Ernö Makó, Leiter der Abteilung für diagnostische Radiologe an der Semmelweis-Universität in Budapest, die derzeitige Flut an Kunstfehler-Prozessen, in die ungarische RadiologInnen verwickelt sind, eindämmen zu können.

Mögliche Fehlerquellen

"Auch wenn Fehler natürlich durch schlechte technische Qualität von Geräten begünstigt werden, entstehen die meisten Probleme dadurch, dass es Radiologen nicht möglich war, sich an das übliche Protokoll zu halten", erklärte Makó auf dem heurigen ECR-Kongress in Wien. Dies komme etwa vor, wenn Patienten das Bett nicht verlassen können, weiters in Notfällen oder bei unüblichen Aufnahmen. "Bedside-Röntgenaufnahmen" haben fast immer eine schlechte Qualität, erklärte der Experte. Die Gefahr suboptimaler CTs bestehe etwa dann, wenn der Radiologe vom üblichen Standard abweiche und beispielsweise beim Abdominalscan auf die interessierende Region und nicht den gesamten Bauchraum fokussiere. 

Wie Makó weiter ausführte, seien Fehler bei der Perzeption (zumeist handle es sich dabei um falsch-negative Diagnosen) viermal häufiger als Fehler in der Interpretation von Befunden. Auf seiner eigenen Abteilung versucht der Radiologe ständig, die Qualität zu verbessern. "Wenn wir von zuweisenden Ärzten keine ausreichenden Informationen erhalten haben, bemühen wir uns, offene Fragen durch einen Telefonanruf zu klären", so der Radiologe, der auch das "Double Reading" von Bildern (nach dem Motto "Vier Augen sehen mehr als zwei") einführte. Die Fortbildung sowohl der Radiologen als auch des technischen Personals wird entsprechend unterstützt.

Vorteile von Vernetzung  und Telemedizin erkennen

Derzeit bemüht sich Makó um eine bessere Vernetzung seiner Abteilung. Avancierte Computertechnologien sind in Ungarn momentan noch nicht selbstverständlich, der Radiologie-Professor geht aber davon aus, dass mehrere größere Krankenhäuser gerade dabei sind, die Vorteile etwa von Vernetzung und Telemedizin zu erkennen. Günther Krumpak von der Österreichischen Computer-Gesellschaft schätzt, dass von den EU-Beitrittskandidaten Slowenien im IT-Bereich am weitesten entwickelt sei - dort gebe es sogar einen eigenen IT-Minister -, dann folge aber bereits Ungarn. Als Schlusslichter stuft Krumpak Rumänien und Bulgarien ein, "obwohl diese beiden Länder eine erstklassige Informatikausbildung haben".

Die in den osteuropäischen Staaten verfügbare Hardware entspricht laut dem Experten dem modernsten Stand, aber die Marktdurchdringung sei viel geringer als bei uns. Bei Anwendungen für die Übertragung großer Datenmengen bestehe Nachholbedarf, was die Entwicklung der Telemedizin erschwere. IT-Sicherheit sei in Osteuropa gegenwärtig kaum ein Thema, "meist ist man froh, dass die Rechner laufen", berichtet Krumpak. Ein entsprechendes Sicherheitsbewusstsein sei kaum vor 2010 zu erwarten. 

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