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Radiologie 10. März 2014

Wurden die Erwartungen erfüllt?

Stellenwert der molekularen Bildgebung bei Früherkennung und Therapiekontrolle.

Diese Frage wurde im Rahmen einer wissenschaftlichen Sitzung in der Gesellschaft der Ärzte gestellt. Die Antwort ergab weder ein klares Ja noch ein pessimistisches Nein. Bisherige Erfolge müssen durch weitere Evaluationen bestätigt bzw. aufgrund von neuen Forschungen weiter entwickelt werden. Die anfänglich vielleicht zu hohen Erwartungen hinsichtlich einer Verbesserung von Diagnose und Therapie konnten bisher nicht völlig erfüllt werden, aber das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.

So zeichnete Prof. Dr. Thomas Leitha, Vorstand der Abteilung für Nuklearmedizinische Diagnostik und Therapie im Wiener Donauspital SMZ Ost, pointiert und kritisch den historischen Weg und manchmal auch Irrweg des Einsatzes der Positronenmissionstomographie für die Therapiekontrolle nach. So müssten vor allem hinsichtlich der Chemoresistenz und Verlaufskontrolle einige frühere Befunde revidiert und ergänzt werden, so Leitha.

Über positive Ergebnisse, die auf dem RSNA Annual Meeting 2013 präsentiert wurden, berichtete Prof. Dr.Walter Hruby, Leiter des Instituts für Röntgendiagnostik am SMZ-Ost. Dort wurden 80 Beiträge zu dem Thema molekulare Bildgebung mittels PET/MR präsentiert. Weltweit sind derzeit etwa 59 Geräte im Einsatz, eines davon auch im Wiener AKH. Die potenziellen Anwendungsmöglichkeiten werden derzeit mit dem Bestreben einer Verbesserung evaluiert. Einer kürzlich veröffentlichten Publikation ist zu entnehmen, dass die PET/MR-Bildgebung bei 41 Prozent von Karzinompatienten eine zusätzliche Information erbrachte, worauf bei 18 Prozent der Patienten eine Verbesserung der Therapie eingeleitet werden konnte. Vor allem bei neurologischen und pädiatrischen Indikationen, aber auch für die Behandlung des metastasierenden Prostatakarzinoms sieht Hruby Anlass zu großen Hoffnungen.

Prof. Dr. Thomas Helbich, Leiter der Abteilung für molekulare Bildgebung im AKH Wien, präsentierte neue Möglichkeiten einer Therapieverbesserung. Allerdings seien noch weiter exakte Dokumentationen und Evaluierung bis zur Verwirklichung neuer Behandlungsmaßnahmen erforderlich. Für die Zukunft sei jedenfalls zu erwarten, dass die molekulare Bildgebung aufschlussreiche Informationen über die Tumorbiologie, Neovaskularisation, Apoptose und Nekrosebildung liefern wird. Damit könnte eine Verbesserung der Diagnose und der Verlaufskontrolle einer Therapie erreicht werden. Vor allem hinsichtlich der Behandlung des Mammakarzinoms sieht Helbich vielversprechende Möglichkeiten.

Bessere Darstellung metabolischer Vorgänge

Bei der molekularen Identifizierung des vulnerablen atherosklerotischen Plaque stellte Prof. Dr. Helmut Sinzinger von der Univ.-Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin, der konventionellen Nuklearmedizin die PET gegenüber. Als Vorteile von PET bezeichnet er eine bessere Darstellung metabolischer Vorgänge, bessere Statistik, Bildqualität und Auflösung. Experimentelle Daten sowie erste klinische Ergebnisse erlauben eine exzellente Korrelation zu Fetteinlagerung und Präsenz von Schaumzellen in der Gefäßwand sowie eine gute Übereinstimmung hinsichtlich der Morphologie.

Allerdings sei eine individuelle Prädiktion von Gefäßereignissen – die große Hoffnung – bislang nicht möglich. Das läge daran, so Sinzinger, dass verschiedene Zellen, wie Endothel- und Muskelzellen, aber auch Makrophagen auf unterschiedliche Reize wie Hypoxie oder Zytokine mit einer unterschiedlichen Änderung der 18F-Fluordeoxyglukose-Aufnahme reagieren, sodass die Interpretation dadurch wesentlich erschwert wird. Während die PET-Untersuchungen für die Verlaufskontrolle metabolischer Veränderungen in der Gefäßwand nach Interventionen wie Lebensstiländerungen oder Medikamenten sehr gut geeignet sind, bleiben hinsichtlich einer Prädiktion von Ereignissen noch viele Wünsche offen. „Der bisweilen geäußerte Enthusiasmus muss erst noch durch prospektive klinische Untersuchungen untermauert werden“, forderte Sinzinger mit Ausblick auf die künftige Entwicklung.

Quelle : Wissenschaftliche Sitzung der Gesellschaft der Ärzte, 15. Jänner 2014, Wien

G. Niebauer, Ärzte Woche 11/2014

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