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Abb1: Im Gegensatz zum diagnostischen Ultraschall richtet der HIFU die Ultraschallwellen gezielt und präzise auf eine bestimmte Läsion.
 
Radiologie 20. Februar 2014

Weniger invasiv – weniger belastend

Zukunftsweisende Therapiemethoden bei Mammatumoren. 

Die Behandlung von Mammatumoren, egal ob bös- oder gutartig, bringt im Allgemeinen eine chirurgische Entfernung mit sich, die sowohl körperliche als auch emotionale Narben hinterlassen kann. Die Interventionelle Radiologie bietet in zunehmendem Maße eine Reihe minimalinvasiver Techniken an, die die moderne Therapie von Mammatumoren wesentlich unterstützen. In Österreich wurden im Jahr 2011 5.434 Neuerkrankungen gemeldet, Brustkrebs ist mit 30 Prozent Anteil an der Gesamtzahl an Krebserkrankungen die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen. Bis zum 75. Lebensjahr erkrankt eine von 13 Frauen an Brustkrebs [1].

Bösartig oder gutartig

Bildgebende Verfahren sind ein wertvoller Bestandteil der klinischen Beurteilung von Mammatumoren, obwohl die Charakterisierung einer Läsion aktuell am besten mit einer histologischen Analyse einer durch Biopsie entnommenen Gewebeprobe erfolgt. So kann die Läsion klassifiziert und eine definitive Diagnose erstellt werden. Während in früheren Jahren normalerweise offene chirurgische Biopsien durchgeführt wurden, sind heute sicherere und weniger invasive Verfahren wie die Feinnadelpunktion, Stanzbiopsie und Vakuumbiopsie alltäglich geworden.

Schonende Eingriffe mittels „Interventioneller Radiologie“ bei Mammatumoren

Die interventionelle Radiologie (IR) bietet eine zunehmende Auswahl an effektiven und humanen Optionen für den Umgang mit Mammatumoren. Der minimalinvasive Charakter dieser Interventionen macht sie ideal für die Behandlung der zunehmenden Anzahl diagnostizierter kleiner Läsionen, aber auch für ältere Patientinnen, die häufig an zusätzlichen Erkrankungen leiden, die eine konservative Therapie ausschließen. MAMMA-Intervention wird in Österreich bereits flächendeckend angeboten.

Perkutane Exzision

Läsionen in der Brust werden mit einem speziellen bildgesteuerten Biopsiegerät komplett entfernt. Nach Entfernung durch einen Schnitt, der üblicherweise kleiner als 1 cm ist, wird die Läsion histologisch diagnostiziert. Die Technik ist auf kleine Tumore beschränkt: der amerikanische Brustchirurgenverband (American Society of Breast Surgeons) empfiehlt, dass nur Fibroadenome mit einem Durchmesser bis maximal 4 cm mit dieser Methode entfernt werden sollten. Als Weiterentwicklung der minimalinvasiven Biopsietechniken ist die perkutane Exzision eine weniger invasive Alternative zur chirurgischen Exzision. Die für dieses Verfahren verwendeten Geräte haben eine Schneidespitze (für die z.B. Hochfrequenz-/RF-Energie genutzt wird), die sich einen Weg durch das Gewebe bis zur Läsion bahnt. Normalerweise sind diese Geräte mit einer Vakuumeinheit ausgestattet, mit der man die gewonnene Gewebeprobe herausziehen und Gas- und Flüssigkeitsansammlungen entfernen kann.

Radiofrequenzablation (RFA)

Bei dieser Ablationstechnik werden mit Hilfe von Ultraschall- oder CT-Bildgebungsverfahren Nadelsonden durch die Haut bis in den Tumor eingeführt. Diese Sonden setzen einen energiereichen Hochfrequenzstrom frei, der innerhalb des Tumors Hitze erzeugt, wodurch dieser abstirbt. Diese minimalinvasive Technik ist das bekannteste Verfahren für die Ablation von Lebertumoren, aber ihr Einsatz zur Therapie von Mammatumoren wird weiter erforscht. Aufgrund technischer Anforderungen und weil es nötig ist, um im Ablationsareal einen guten Randbereich einzuhalten, wurden bisher nur kleine Mammatumore mit etwa zwei Zentimetern Durchmesser auf diese Art behandelt.

Lasertherapie

Die Läsion wird üblicherweise mit Hilfe von Ultraschall oder stereotakti schen Bildgebungsverfahren lokalisiert, und eine Laserfaser wird durch eine Hohlnadel perkutan direkt in den Tumor eingeführt. Die Faser setzt energiereiches Licht frei, das den Tumor aufheizt und abtötet. Die Interstitielle Laser-Thermotherapie (ILT), auch als Laserinduzierte Thermotherapie (LITT) bekannt, wird derzeit für die Behandlung einer Reihe von Tumortypen, darunter Brustkrebs, weiter entwickelt. Diese schnelle und präzise Technik erweist sich bereits bei der Behandlung von Fibroadenomen als nützliche Option.

Hochintensiv fokussierter Ultraschall (HIFU oder FUS)

Mit der Anwendung von Ultraschall in der Bildgebung ist jeder vertraut, und dank der neuesten Fortschritte wird diese überall verbreitete Technologie in therapeutischer Richtung als viel versprechende nichtinvasive thermische Ablationstechnik weiter entwickelt. Im Gegensatz zum diagnostischen Ultraschall richtet der HIFU die Ultraschallwellen gezielt und präzise auf eine bestimmte Läsion (Abb.). Ähnlich, wie ein ansonsten harmloses Licht durch ein Vergrößerungsglas auf einen Brennpunkt fokussiert werden kann, haben die Ultraschallwellen keine Wirkung, wenn sie den Körper durchdringen, können aber, wenn sie auf einen bestimmten Punkt fokussiert werden, eine tödliche Hitze erzeugen. Versuche zur Anwendung dieses in der Therapie von Gebärmutterfibromen bereits etablierten Verfahrens laufen derzeit und zeigen viel versprechende Ergebnisse. Die HIFU-Therapie kann mit Hilfe von Magnetresonanz (MRgFUS) oder Ultraschall (USgHIFU) gesteuert werden. Die MR-Steuerung hat den Vorteil der besseren anatomischen Auflösung und ermöglicht eine Quantifizierung der Temperatur auf Höhe des Ablationsbereichs. US liefert Echtzeitbilder und hat den Vorteil, dass er dieselbe Energieform nutzt, die für die Therapie verwendet wird; darüber hinaus handelt es sich dabei um das billigste Bildgebungsverfahren, das zur Verfügung steht. Der einzigartige Vorteil dieser Technik ist seine Nicht-Invasivität: kein physisches Eindringen bedeutet eine höhere Akzeptanz bei den Patientinnen und ein besseres kosmetisches Ergebnis, und es sind nur eine Lokalanasthäsie und Sedoanalgesie erforderlich. Die Tumoraussaat, ein Risiko bei anderen Techniken zur Behandlung bösartiger Läsionen, wird ebenso vermieden, da keine physische Bahn zur Läsion hin oder von ihr weg entsteht.

Quelle: Presseaussendung Cardiovascular and Interventional Radiological Society of Europe

Referenz: 1. STATISTIK AUSTRIA, Letzte Änderung: 31.10.2013

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