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�RG 2012 7. September 2012

ÖRG 2012: Nadeln statt OP bei Brustkrebs

Minimal-invasive Therapie bei Brustkrebs in klinischer Anwendungsforschung.

Minimal-invasive Methoden gewinnen bei der Behandlung von Krebserkrankungen einen immer höheren Stellenwert. Vor allem sind sie meist mit einem verringerten Risiko und weniger Belastungen für die PatientInnen verbunden. Eine neue Methode könnte diese Vorteile nun auch PatientInnen mit Brustkrebs zugänglich machen.



Grundsätzlich versteht man unter minimal-invasiver Therapie bzw. Chirurgie, Operationen mit möglichst kleinen Einschnitten, die eine deutlich schnellere Genesung ermöglichen. Bei der Behandlung von Brustkrebs bedeutet dies im Unterschied zur chirurgischen Therapie, dass hier keine eigentliche Operation stattfindet, sondern, dass Nadeln mit einem geringen Durchmesser durch die Haut in die betroffenen Stellen eingebracht werden. Weiters ist es hierbei meist möglich den Eingriff unter Sedierung oder Sedoanalgesie durchzuführen und auf eine Narkose zu verzichten. Ebenso ist die Eingriffsdauer kürzer als bei herkömmlichen Methoden.

Gewebeentfernungmittels Radiofrequenz, Ultraschall oder Kälte


Sind die Elektroden bzw. Nadeln im Brustgewebe und in der entsprechenden bösartigen Läsion eingebracht, gibt es im Wesentlichen drei Möglichkeiten, das betroffene Gewebe zu entfernen. Die sogenannte Ablation kann entweder mittels Radiofrequenz, fokussiertem Ultraschall oder mittels Kryo- Therapie (Kälteeinbringung) durchgeführt werden.

"Die minimal invasive Therapie kann theoretisch bei jeder Brustläsion, bzw. bei jeder Art von Brustkrebs angewandt werden. Derzeit werden diese Verfahren in internationalen Studien getestet bzw. befinden sich in der Phase der klinischen Anwendbarkeitsforschung", so Prof. Michael Fuchsjäger, Abteilungsleiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Radiologische Diagnostik an der Medizinischen Universität Graz. Klassische Kontraindikationen, die hierbei auftreten können, wären beispielweise Störungen des Herzrhythmus durch ein zu nahes Einbringen der Sonde am Herzen oder zu große Tumore. Eine solche Ablation kann derzeit nur bis zu einer maximalen Tumorgröße von 3 cm durchgeführt werden, darüber hinaus ist die Anwendung dieser Technik nicht möglich.

Kein Spitalsaufenthalt nötig


Ein weiterer Vorteil für die PatientInnen ist auch, ein mögliches alternatives Behandlungskonzept zur Auswahl zu haben, welches ohne stationären Aufenthalt vorgenommen werden kann und belastend ist. "An dieser Stelle ist jedoch zu erwähnen, dass die minimal invasive Ablations-Therapie der Brust derzeit kein Standardbehandlungsverfahren darstellt und dass diese Behandlung in Zukunft in enger Kooperation mit den Klinischen Partnern (Chirurgie, Gynäkologie, Onkologie, Strahlentherapie) durchgeführt werden wird. Der Plan ist, dass im kommenden Jahr klinische Studien durchgeführt werden und eventuell gegen Ende 2013 diese Behandlungen in Kooperation mit den Klinischen Partnern angeboten werden können", schränkt Prof. Fuchsjäger ein.

Die minimal-invasive Therapie bei Brustkrebs kann entweder unter der Steuerung von Ultraschall oder Magnetresonanztomographie erfolgen und die Vitalität des Tumorgewebes kann nahezu in Echtzeit erfasst werden. Verwendet werden hierbei entweder die Dopplersonografie oder bei der MRT die MR-Perfusion und MR-Thermometrie, welche direkte Aufschlüsse über den Zustand und die Vitalität des Tumorgewebes geben.

Zukunftsvision


In Zukunft soll die minimal-invasive Therapie bei Brustkrebs eine weitere Möglichkeit im breiten Spektrum der Tumorbehandlung darstellen und soll, vor allem bei kleinen Tumoren, Behandlungen von PatientInnen im pallativen Setting, Behandlungen von PatientInnen, bei denen eine Allgemeinnarkose aufgrund des gesundheitlichen Zustandes nicht möglich ist, sowie unterstützend im Rahmen von etablierten Behandlungskonzepten mit anderen therapeutischen Methoden zum Einsatz kommen.

"Meine Vision ist, dass diese minimal invasiven Ablationstherapien bei Brustkrebs mittelfristig und in Kooperation mit den klinischen Partnern der Radiologie in der täglichen Routine angeboten werden können", so Prof. Fuchsjäger abschließend.

OERG 2012 in Graz

Der OERG 2012 ist die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Radiologie (ÖRG), welche über 900 Radiologen vertritt. Er findet von 13. bis 15. September im MUMUTH (Haus für Musik und Musiktheater) in Graz statt.

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