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Abb. 1: MRT des Oberbauchs mit diffusionsgewichteter Sequenz zeigt zwei tumorbefallene Lymphknoten (Pfeile), die auf andere Weise nicht nachweisbar sind.
 
Radiologie 21. März 2012

Tumoren befallen Lymphwege

Enorme Bedeutung der Lymphknoten-Bildgebung in der Diagnostik.

Die Lymphknoten spielen nicht nur bei der Erkennung von Infektionserkrankungen, sondern auch bei jener von Tumorerkrankungen eine wichtige Rolle. Die Lymphknoten oder Lymphdrüsen sind Teil des Abwehrsystems des menschlichen Körpers, in welchem sich die Lymphozyten befinden, die der Abwehr von Krankheitserregern dienen.

 

Bei vielen bösartigen Tumorerkrankungen erfolgt die Ausbreitung primär über die Lymphwege bzw. die Lymphknoten, weswegen diese auch oft von Metastasen betroffen sind. Häufig der Fall ist dies bei Brustkrebs, Krebs von Dickdarm oder Mastdarm, Speiseröhren- und Magenkrebs sowie Lungenkrebs.

„Das Vorhandensein von Metastasen in den Lymphdrüsen ist von großer prognostischer Bedeutung. In der modernen Onkologie ist es wichtig, zu wissen, ob die Lymphdrüsen vom Tumor befallen sind oder nicht, da für jeden Tumor und in Abhängigkeit von der Ausbreitung des Tumors maßgeschneiderte Therapien zum Einsatz kommen“, betont Prof. Dr. Wolfgang Schima die wichtige Rolle der Lymphknotendiagnostik. Schima ist Vorstand der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Vinzenzgruppe Wien.

Bedeutende Rolle der Radiologie

Bei der Diagnostik kommt der Radiologie eine bedeutende Rolle zu. Je nach Lokalisation der Lymphknoten im Körper (Hals-, Achsel-, Leistenregion, Brust- oder Bauchraum) kommen Sonographie, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz. Bei oberflächlichen Lymphknoten (z. B. am Hals, in der Achsel- oder Leistenregion) ist die Sonographie eine ausgezeichnete Methode; für Brust- oder Bauchraum werden wiederum CT oder MRT verwendet.

Als besonders erfolgversprechend und effektiv haben sich auch Methoden aus der molekularen Bildgebung erwiesen, welche biologische Prozesse in vivo im Körper darstellen können. Bei der PET/CT (Positronen-Emissions-Tomographie in Verbindung mit einer Computer-Tomographie) werden so genannte Biomarker in den Körper injiziert, die in den Stoffwechsel eingebaut werden. Bei der Lymphknotendiagnostik kommt radioaktiv markierter Zucker (Fluoro-Deoxyglucose) zum Einsatz, der in tumorbefallenen Lymphknoten besonders stark eingelagert wird, da diese erhöhten Zuckerstoffwechsel aufweisen. Hierdurch lässt sich mit hoher Genauigkeit das Vorhandensein von Metastasen feststellen und durch die integrierte CT-Untersuchung auch eine präzise Aussage über deren Lokalisation treffen.

Tumor oder Entzündung?

Wichtig ist aber vor allem die Wahl der richtigen diagnostischen Kriterien, so Schima: „Die größte Schwierigkeit in der Diagnostik von metastatisch veränderten Lymphknoten ist die Wahl spezifischer Kriterien, um Tumor-Lymphknoten von entzündlich-reaktiv veränderten Lymphknoten differenzieren zu können. Die Größe allein ist hier ein unzureichendes Kriterium, da auch Entzündungsreaktionen zu Lymphknotenvergrößerungen führen können.“

Bei Entzündungsprozessen im Körper sind die Lymphknoten im Bereich des befallenen Organs meist vergrößert z. B. eine Schwellung der Halslymphknoten bei Angina. Nach dem Abklingen der Entzündung bilden sich diese im Regelfall aber wieder zurück und bedürfen keinerlei besonderer Behandlung.

Anders verhält sich das bei der Ausdehnung einer Tumorerkrankung in die regionalen Lymphknoten, da dies auf ein bereits fortgeschrittenes Stadium schließen lässt, welches eine aufwendige Therapie erfordert, um eine weitere Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern.

Dabei ist es entscheidend, dass die bildgebende Diagnostik mit hoher Sicherheit feststellen kann, ob es sich um eine Veränderung der Knoten auf Grund einer Infektion handelt, oder ob eine metastasische Infiltration vorliegt.

Eine alleinige Größenmessung per Computertomographie ist in diesem Fall nicht ausreichend, da dies keine Rückschlüsse auf die Ursache der Vergrößerung zulässt und sich auch in normal großen Lymphknoten bereits Mikro-Metastasen angesiedelt haben können. Mittels Magnetresonanztomographie können durch spezielle Untersuchungssequenzen, welche die Diffusionsbewegungen von Wassermolekülen im Körper darstellen und durch spezifische Kontrastmittel, die sich nach intravenöser Gabe selektiv in den Lymphknoten anreichern, mit hoher Treffsicherheit tumorinfiltrierte Lymphknoten identifiziert werden.

Lymphknoten-Biopsie

Mit den nicht-invasiven Methoden der Bildgebung mittels Sonographie, CT oder MRT lassen sich in den allermeisten Fällen eindeutige Aussagen über den Zustand der Lymphknoten treffen. Bei schwierig gelagerten Fällen kommt die PET/CT, die bei manchen Tumorerkrankungen wie dem Lungenkarzinom bereits die Methode der ersten Wahl ist, zum Einsatz, um operable Lungenkarzinome von fortgeschrittenen Lungenkarzinomen mit ausgedehntem Lymphknoten-Befall unterscheiden zu können.

Nur in ausgewählten Fällen braucht man heutzutage die Lymphknotenbiopsie, wobei hier die Ultraschall- oder CT-gesteuerte Feinnadelbiopsie oder die chirurgische Lymphknotenentfernung (vor allem bei oberflächlichen Lymphknoten) zum Einsatz kommen. „Durch die Verbesserung der nicht-invasiven Diagnostik mit Magnetresonanztomographie und die bessere Verfügbarkeit der PET/CT in Österreich ist es absehbar, dass in Zukunft invasive und belastende Lymphknotenbiopsien nur mehr in Ausnahmefällen nötig sein werden“, hofft Schima.

 

Quelle: Pressemeldung ECR

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