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Radiologie 21. März 2012

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Abdominelle Notfälle und Bildgebung bei Kindern und Kleinkindern.

Wenn bei Kindern die Symptome auf eine akut therapiebedürftige Erkrankung hinweisen, wird eine rasche und aussagekräftige sowie zuverlässige Diagnostik nötig, die noch dazu möglichst schonend erfolgen soll. Insbesondere hinsichtlich des Strahlenschutzes besteht bei diesen Patienten ein wesentlicher Unterschied zu Untersuchungen bei Erwachsenen.

 

Dieser Grundsatz kommt bei allen radiologischen Untersuchungen von Kindern zum Tragen: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sondern haben zahlreiche Besonderheiten.„Nicht nur die viel höhere Strahlensensibilität und längere weitere Lebenserwartung – mit dadurch höherem Risiko, strahleninduzierte Tumore zu erleiden – spielt eine Rolle bei der Auswahl und Festlegung der Bildgebung. Auch weitere kinderspezifische Faktoren, wie noch nicht verknöcherte Anteile des Skeletts, andere Lage- und Größenrelationen mit daraus folgenden anderen Verletzungsmustern und Unfallsarten, andere Gewebszusammensetzung und Kreislaufverhältnisse sind zu berücksichtigen“, so Prof. Dr. Michael Riccabona von der Klinischen Abteilung für Kinderradiologie am LKH-Universitätsklinikum Graz.

Abdominelle kindliche Notfälle können nach einem Trauma entstehen, es gibt aber auch viele nicht-traumatische pädiatrische Baucherkrankungen, die einer prompten bildgebenden Diagnostik bedürfen. Seitens der Traumen sind Verletzungen wie Nieren-, Milz-, Bauchspeicheldrüsen- oder Leberriss und Darmverletzungen zu nennen, manchmal mit schwerer Blutung und/oder Luftaustritt in den Bauchraum, die trotz der kindlich anderen und oft initial milderen Allgemeinsymptome in der Frühphase nach einem Trauma nicht übersehen werden dürfen.

Nichttraumatische Krankheitsbilder sind der Volvulus, die Invagination, die Urosepsis, aber auch ein mechanischer Ileus oder eine perforierte Blinddarmentzündung, sowie die akute Harnsteinkolik. Die Häufigkeit variiert mit dem Alter, ebenso kann bei Kindern altersabhängig die Symptomatik recht unterschiedlich sein – von einem nur apathisch-krank wirkenden Kind mit oder ohne Fieber und ohne spezifische Symptome bis zu schwersten Koliken sind unterschiedlich abgestufte Symptomatiken zu beobachten.

Primäre Untersuchungsmethode ist meist die Sonographie, die nicht nur auf Grund der vor allem im Säuglings- und im Kindesalter ausgezeichneten Bildqualität bei der Darstellung aller abdominellen Organe und des Organsystems viele Fragestellungen ausreichend beurteilbar macht, sondern auch ein strahlenfreies, wiederholbares und möglichst schonendes Verfahren darstellt.

Bestimmte Indikationen wie Harnleitersteine oder Perforationen mit freier intraperitonealer Luft können auch ein Röntgenbild nötig machen, ebenso wie bei schwerem Abdominal- oder Polytrauma nach wie vor die Kontrastmittel-CT mit an Kinder angepassten Untersuchungsprotokollen die Methode der Wahl ist.

„Der wichtigste Punkt in Sachen Strahlenschutz ist, strahlenbelastende Untersuchungen so gut wie möglich zu vermeiden. Dies geschieht durch den Einsatz des diagnostischen Ultraschalls, wobei dieser sein ganzes diagnostisches Potential nur ausspielen kann, wenn entsprechende Vorbereitungen, gute Geräte und ein gut ausgebildeter Untersucher mit Erfahrung im pädiatrisch abdominellen Sonogramm und den entsprechenden Krankheitsbildern zur Verfügung steht“, betont Riccabona.

Sollten herkömmliche Röntgenaufnahmen nötig sein, ist es vor allem wichtig, adaptierte Belichtungsparameter zu verwenden und die Zahl der benötigten Aufnahmen auf das unbedingte Minimum zu reduzieren.

Ebenso bei CT-Untersuchungen, wo verringerte Aufnahmenphasen, altersadaptierte CT-Protokolle sowie sekundäre Strahlenschutzmaßnahmen wie Filter und Abdeckungen zur Anwendung kommen.

Wenn möglich, können im (sub-)akuten Setting einzelne Fragestellungen mittels MRT beantwortet werden, welche ohne Strahlenbelastung eine bildgebende Schnittbilddiagnostik ermöglicht, wenngleich auch dafür oft eine intravenöse Sedierung notwendig wird.

ALARA-Prinzip

Zusätzlich muss auch beachtet werden, dass insbesondere bei Kleinkindern die Anamneseerhebung schwieriger und die klinische Untersuchung weit weniger spezifisch ist. „Das bedeutet, dass bei Kindern häufiger eine weiterführende Bildgebung notwendig wird, diese aber möglichst schonend, nicht invasiv und strahlensparend sein soll (ALARA-Prinzip – As Low As Reasonably Achievable), um eine effiziente Selektion zu ermöglichen und nur bei jenen Kindern belastendere und aufwendigere Verfahren durchzuführen, die wirklich einer energischeren weiterführenden Diagnostik bedürfen. Daher ist die Rolle des Ultraschalls im Kindesalter erneut mit einem viel höheren Stellenwert als im Erwachsenenalter zu sehen“, betont Riccabona.

 

Quelle: Presseaussendung zum Jahrestreffen der ECR 2012.

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