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Radiologie 2. März 2012

ECR aktuell: HIV Patienten sorgen für neue Herausforderungen

Effiziente antiretrovirale Therapien (cART) haben die Behandlung von AIDS / HIV in den letzten zehn Jahren stark beeinflusst und opportunistische Infektionen, die die bestehende Immunschwäche des Körpers ausnutzen, haben deutlich abgenommen, so Ass. Prof. Majda M. Thurnher, Neuroradiologin am Wiener Allgemeinen Krankenhaus, auf der gestrigen Pressekonferenz des ECR (European Congress of Radiology) 2012.

Fortschritte in der HIV-Behandlung

Der stetige Fortschritt der letzten Jahre in den Bereichen HIV-Prävention und -Behandlung, Pflege und Unterstützung ist bemerkenswert und macht sich nun auch in den Untersuchungsergebnissen bemerkbar. "Wir haben mittlerweile so gut wie keine HIV Patienten mehr, die an Gehirn-Toxoplasmose erkrankt sind, wobei es hingegen in den 1980er Jahren noch ein weit verbreitetes Vorkommen gab", so Prof. Thurnher, die am Sonntag am ECR einen ausführlichen Vortrag über Bildgebung und HIV halten wird.

Verändertes Krankheitsbild

Waren es früher häufig opportunistische Infektionen, die von Bakterien, Parasiten oder Viren verursacht worden waren, so sehen Radiologen heute eine steigende Zahl an neurologischen und kognitiven Störungen, die mit der HIV Infektion einhergehen. "Radiologen müssen sich dieser Veränderung des Krankheitsbilds bewusst sein, um subklinische Manifestationen der direkten HIV Infektion des Gehirnes, aber auch therapiebedingte Effekte, zielgerichtet aufspüren zu können", so Prof. Thurnher weiter.

Probleme mit kognitiver Funktion

Innovative Herangehensweisen für Radiologen notwendig Behandelnde Ärzte sehen sich bei ihren Patienten häufig mit Defiziten in der kognitiven Funktion konfrontiert, ebenso konnten bisher unbekannte Phänomene im Gehirn festgestellt werden. Beim so genannten "Immunrekonstitutionssyndrom" (IRIS) erzeugt eine rasche Verbesserung der Immunantwort auf eine bereits vor Therapiebeginn latent vorhandene opportunistische Infektion eine dermaßen starke Reaktion, dass dadurch die Symptome paradoxerweise noch verstärkt werden.

Schwierig: die Überreaktion identifizieren

Die Schwierigkeit für den Radiologen besteht hierbei darin, dies nicht mit den Manifestationen der Krankheit zu verwechseln, sondern als Überreaktion des Immunsystems zu identifizieren. Auch manche Läsionen stellen eher die Reaktion des Immunsystems auf eine antiretrovirale Therapie dar, als ein weiteres Fortschreiten der eigentlichen Krankheit. "Während der Behandlung werden Läsionen im Gehirn oft größer oder erscheinen auf einem MR-Bild auffällig, teilweise schon relativ bald nach Beginn einer Therapie.

Hier ist es wichtig, dem Körper die Chance zu geben, sich selbst zu regulieren und ein paar Wochen abzuwarten und den Patienten währenddessen klinisch und radiologisch genau zu überwachen. Normalerweise werden diese Läsionen dann wieder kleiner oder nehmen in ihrer Anzahl ab", warnt Prof. Thurnher davor, voreilige Schlüsse zu ziehen.

Neue Technologien - frühere Therapien

Es ist für Radiologen von entscheidender Bedeutung, sich mit den Manifestationen von HIV im Gehirn vertraut zu machen, da sie manchmal die ersten sind, die eine Infektion feststellen. Herkömmliche und fortgeschrittene MR-Techniken wie Spektroskopie, Perfusion MR, funktionelle MRT Bildgebung und die Diffusionsbildgebung, sollen in Zukunft helfen, neurologische HIV indizierte Störungen so bald wie möglich zu erkennen und so eine frühere Therapie zu ermöglichen.

Abschließend kann man sagen, dass sich die Lebensqualität und -Erwartung von HIV-Patienten in den hochentwickelten Ländern mittlerweile soweit verbessert hat, dass man die Infektion mit einer chronischen, aber beherrschbaren, Krankheit vergleichen kann. Allerdings fordern HIV-Erkrankungen in anderen Teilen der Welt noch immer zu viele Leben, eine Problematik, die auch am ECR 2012 noch eingehend behandelt werden wird.

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