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Radiologie 27. Februar 2012

ECR aktuell: Was kann die Interventionelle Radiologie?

Weniger Risiko, weniger Schmerzen, schnellere Regeneration: Die interventionelle Radiologie gliedert sich in zwei große Hauptanwendungsgebiete, der vaskulären und nicht vaskulären Anwendung. Eine der häufigsten vaskulären Anwendungen ist die Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK).

Bei den nicht vaskulären Eingriffen zählt die perkutane bildgesteuerte Punktion von Organen und Gewebe für diagnostische Zwecke und zur Entlastung von krankhaften Flüssigkeitsansammlungen zu den häufigsten Eingriffen.

Kathederangiographie: Diagnostik und Therapie

Die invasive Form der Angiographie wird auch als Katheterangiographie bezeichnet, das Kontrastmittel wird dabei über den Katheter direkt in das darzustellende Gefäßsystem eingespritzt. "Der Katheter wird üblicherweise über die Leistenarterie eingeführt. Über diesen Zugang können alle Arterien im menschlichen Körper sondiert und dargestellt werden." fasst Univ.Prof. Dr. Werner Jaschke, Direktor der Universitätsklinik für Radiologie an der Medizinische Universität Innsbruck/TILAK, zusammen.

"Der Vorteil der invasiven Angiographie ist, dass sie Bilder mit unübertroffener hoher Detailauflösung liefert und eine gleichzeitige Durchführung von diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen erlaubt."

Beispiel: Patient mit schmerzhafter Dauererektion nach Verletzung im Dammbereich.

Priapismus Abb 1

Abbilung 1:  CT- Bild des Beckens: vermehrte Durchblutung des Penisschwellkörpers (*; weiß) mit Gerinselbildung (dunkel)

Priapismus Abb 2

Abbildung 2: Angiographie der Penisarterien über die rechte Leistearterie, der Mikrokatheter (1mm Durchmesser) liegt in der Hauptpenisarterie. Nachweis einer Kurzschlußverbindung zwischen Arterie und Schwellkörpervenen.

 Priapismus Abb 3

Abbildung 3: Angiographie nach Verschluss der Kurzschlußverbindung mittels fadenförmiger Platinspiralen, die über den Mikrokatheter eingebracht wurden. Die Hauptpenisarterien sind offen, die Erektionsfähigkeit konnte erhalten werden.

CT oder MR: reine Diagnostik

Die Angiographie mittels CT (CTA) oder MR (MRA) dient primär der Diagnostik von Gefäßerkrankungen und wird zur Diagnosesicherung und Therapieplanung durchgeführt. Diagnostische Katheterangiographien werden nur noch sehr selten durchgeführt, weil die nicht-invasiven Darstellungsmethoden mittlerweile eine Qualität erreicht haben, welche für die meisten diagnostischen Fragestellungen ausreichend ist.

Beispiel: CT‐Angiographie (CTA) der Bauchschlagader und Beckenarterien (Bild links). Zusätzlich sind die Pfortader und ihre Zuflüsse abgebildet. Die CTA erfordert lediglich eine intravenöse Kontrastmittelinjektion (ca. 100ml). Aufnahmezeit:<5 Min. Die dünnen Pfeile markieren Gefäßverschlüsse der rechten bzw. linken Beckenarterie. Der dicke Pfeil markiert eine langstreckige Einengung (Stenose) der linken Beckenarterie.

CTA-MRA

MR‐Angiographie der Bauchschlagader, der Becken‐ und Beinarterien. Die MRA wird nach intravenöser Kontrastmittelinjektion (ca. 8ml) angefertigt. Die MRA erfordert ca. 10 Minuten Untersuchungszeit. Komplette Darstellung der Bauchschlagader und der Schlagadern an beiden Beinen. Keine Gefäßverengungen nachweisbar. Vorteilhaft ist, daß die Gefäße sehr kontrastreich abgebildet werden und keine ionisierende Strahlung verwendet wird.

Arterielle Engstellen durch Angioplastie erweitern

Unter der Wiedereröffnung von Blutgefäßen, der Angioplastie, versteht man die Ballondehnung von Verengungen und Verschlüssen im arteriellen Gefäßsystem, oft in der Kombination mit der Implantation eines Stents zur Verbesserung von Langzeitergebnissen.

Der Ballonkatheter wird fast immer von der Leiste aus über einen Führungsdraht in die Stenose (Engstelle) platziert und mit einem Druck von 8-12 bar aufgeblasen, hierdurch wird die Engstelle beseitigt und eine Operation vermieden.

Neue Methode noch in der Testphase

Eine sich derzeit noch in der Testphase befindende Verwendung der Ballonkatheter sind die so genannten Medikament-freisetzenden Ballonkatheter (engl. DEB - Drug Eluting Balloons), deren Oberfläche mit einem Medikament beschichtet ist. "Drug eluting Balloons (DEB) sind derzeit noch in der klinischen Prüfphase.

Sie scheinen extrem hilfreich für die Behandlung von Rezidivstenosen (erneut auftretenden Verengungen) und auch für die Behandlung von Stenosen und Verschlüssen ohne Stents zu sein. Bei der letztgenannten Indikation sind die Langzeitergebnisse deutlich besser als mit der alleinigen Ballondehnung.

Beurteilung noch nicht möglich

Die Offenheitsrate scheint ähnlich wie nach Stentimplantation zu sein. "Ein abschließendes Urteil ist jedoch derzeit noch nicht möglich", kann auch Prof. Jaschke noch keine eindeutige Aussage über die Effektivität dieser neuen Methode treffen.

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