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Krebsprävention durch Darmspiegelung: lieber virtuell statt als Eingriff?
 
Radiologie 6. Dezember 2011

Virtuell den Darm spiegeln

Das übliche Verfahren des Darmscreenings ist wirksam, aber unbeliebt. Bildgebende Verfahren könnten, sollten sie zu ähnlichen Ergebnissen führen, den Eingriff ersetzen. Der Vergleich zeigt, dass die virtuelle Darmspiegelung doch Screening-tauglich ist.

Besteht die Möglichkeit zur virtuellen Darmspiegelung bzw. CT-Kolonografie, erhöht dies die Teilnahmerate am Darmkrebsscreening signifikant. Die reale Koloskopie entdeckt zwar mehr fortgeschrittene Neoplasien, doch auf die Screeningpopulation bezogen ist die diagnostische Ernte bei beiden Methoden gleich.

 

Forscher der niederländischen Universitäten Amsterdam und Rotterdam haben in einer Studie den diagnostischen Ertrag von Koloskopie und CT-Kolonografie (ohne Darmreinigung, mit iodiertem Kontrastmittel) miteinander verglichen. Der Ertrag errechnete sich jeweils als die Zahl entdeckter fortgeschrittener Geschwülste relativ zu den untersuchten bzw. zu den zum Screening eingeladenen Personen. Als fortgeschritten galten dabei Adenome, die mindestens 10 mm groß waren oder einen 25-prozentigen villösen Anteil besaßen, und Kolorektalkrebs.

Zur Koloskopie geladen wurden 5.924 Einwohner der Regionen Amsterdam und Rotterdam, davon erschienen 1.276 (22 %) zur Untersuchung. 2.920 Personen erhielten die Gelegenheit, eine CT-Kolonografie vornehmen zu lassen, und 982 (34 %) von ihnen nutzten sie – eine signifikante Steigerung der Screeningquote um 55 Prozent (p < 0,0001). Neun Prozent der Teilnehmer an der Koloskopie hatten eine fortgeschrittene Neoplasie, weniger als ein Prozent ein Karzinom. Acht Prozent der virtuell Gespiegelten wurde wegen kleinerer Läsionen eine weitere Kolonografie zu einem späteren Zeitpunkt angeboten, neun Prozent wurden wegen verdächtiger Befunde zur Koloskopie geschickt. Sechs Prozent wiesen fortgeschrittene Tumoren auf, weniger als ein Prozent hatte ein Karzinom.

Gleicher Ertrag pro Screeningberechtigtem

Bezogen auf 100 Teilnehmer des Screenings, lag der Ertrag der Koloskopie bei 8,7, jener der Kolonografie bei 6,1 – die Koloskopie ist damit die genauere Methode. Das nützt aber wenig, wenn die Screeningberechtigten sie nicht annehmen. Bezogen auf die zum Screening Eingeladenen, war die Koloskopie denn auch nicht erfolgreicher; der Ertrag der realen Koloskopie war hier mit 1,9/100 zu beziffern, im Vergleich zu 2,1/100 für die Kolonografie. Für Neoplasien von mindestens 10 mm Größe lag der Ertrag pro 100 Geladenen bei 1,5 (Koloskopie) bzw. 2,0 (Kolonografie). Die Unterschiede, bezogen auf die eingeladenen Personen, waren nicht signifikant.

„Beide Methoden eignen sich fürs populationsbezogene Screening“, konstatieren die Studienautoren. In die Entscheidung, welcher Methode der Vorzug zu geben sei, müssten aber auch andere Faktoren wie die Belastung für die gescreenten Personen und die Kosteneffektivität einfließen. Beispielsweise sind für eine Koloskopie rund 90 Euro und für die CT-Kolonografie je nach Methode etwa 400 Euro zu bezahlen.

 

Quelle: springermedizin.de

 

Literatur: Stoop EM et al. Participation and yield of colonoscopy versus non-cathartic CT colonography in population-based screening for colorectal cancer: a randomised controlled trial. Lancet Oncol 2011; DOI:10.1016/S1470-2045(11)70283-2

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