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Foto: www.siemens.com/presspictures/copyright
Aufnahme eines Gehirntumors mit dem Hybrid-System Biograph mMR, dem ersten integrierten molekularen MR-Ganzkörpersystem.
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Erstes integriertes molekulares MR-Ganzkörpersystem mit simultaner Aufnahmetechnik: Aufnahme einer Krebserkrankung am Knochenmark.

 
Radiologie 16. März 2011

Personalisierte Medizin – Schlüssel zu besseren Resultaten

ECR 2011: Bildgebende Verfahren liefern Grundlagen und frühe Informationen.

Bereits zum 17. Mal fand in Wien das jährliche Treffen der European Society of Radiology, der European Congress of Radiology, statt. Vom 3. bis 7. März trafen im Austria Center Vienna 20.120 Teilnehmer aus 97 Ländern zusammen, um sich über die aktuellsten Forschungsergebnisse, neue Therapiemethoden und wichtige Erkenntnisse aus der Radiologie zu informieren und auszutauschen.

 

Schwerpunkte der über 1.500 Vorträge renommierter Wissenschaftler aus mehr als 40 Ländern waren die molekulare Bildgebung und ihr Potenzial für die Zukunft, neueste Fortschritte bei der Krebs-Früherkennung, im Speziellen bei Brust- und Darmkrebs, erfolgversprechende Perspektiven der Magnetresonanz-Tomographie und verbesserte Behandlungsmethoden durch interventionelle Radiologie.

Gezielter Einsatz hilft Kosten sparen

Weil der Anteil der alten Menschen weltweit kontinuierlich steigt und auch Übergewicht mit seinen massiven gesundheitlichen Folgen ein immer größeres Problem wird, werden die Ausgaben des Gesundheitssystems dramatisch zunehmen. Für die USA wird beispielsweise für das Jahr 2025 ein Anteil der Gesundheitskosten am Bruttonationalprodukt von 25 Prozent prognostiziert, denn gleichzeitig steigen die Möglichkeiten der Medizin – was häufig recht kostenintensiv ist. Das Gebot der Stunde lautet daher: Gezielter Einsatz der Mittel. Die Radiologie mit ihren vielfältigen bildgebenden Verfahren bietet dafür in der Ursachenforschung, in der Diagnose, in der Therapie und in der Therapiekontrolle gezielt einsetzbare Werkzeuge.

Mehr Informationen erfordern mehr Wissen

Personalisierte Medizin sei der Schlüssel zu einem besseren Resultat, stellte Prof. Dr. Maximilian F. Reiser, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität München und Präsident der Europäischen Radiologen Gesellschaft (ERS) fest: „Sie ist die richtige Gesamtbehandlung für den richtigen Patienten zur richtigen Zeit.“

Ein klassisches Beispiel ist, die Wahl der Bildgebungsverfahren an das individuelle Patientenrisiko anzupassen, etwa bei der Brustkrebsvorsorge. Besteht kein oder ein geringes Risiko, kommt die Mammographie zum Einsatz, bei mittlerem Risiko erfolgen Mammographie und Ultraschall oder Magnetresonanzuntersuchung, beim Hochrisiko Mammographie und Magnetresonanzuntersuchung.

Biomarker ermöglichen heute vermehrt, sowohl das Ansprechen auf als auch Resistenzen gegenüber Therapien festzustellen. Auch hier stellt die Bildgebung eine sensible Erkennungsmethode dar. Sie kann unterscheiden, ob ein Patient mit Aussicht auf Wirkung behandelt werden kann oder sowohl Kosten als auch Nebenwirkungen einer unwirksamen Therapie vermieden werden können.

Die Fülle an Informationen, die durch die unterschiedlichen Darstellungsebenen eröffnet wird, erfordert vom Radiologen das entsprechend breite Wissen, um die Informationen auswerten zu können. „Der Radiologe ist nicht mehr nur auf Morphologie und Anatomie konzentriert“, so Reiser, „sondern auch auf Stoffwechselvorgänge durch die funktionelle Computertomographie (CT) und Positronenemissionstomographie (PET).“ Schließlich erlauben bildgeführte Therapien ein schonenderes Vorgehen und sind, beispielsweise im Fall der Radiofrequenzablation der Leber, gleich wirksam wie die offene Chirurgie.

Molekulare Bildgebung als klinische Realität

„In der Darstellung von Biomarkern spielt die molekulare Bildgebung bereits jetzt eine wichtige Rolle und wird in Zukunft noch häufiger zum Einsatz kommen“, erklärte Prof. Dr. Fabian Kiessling, Vorstand des Instituts für Experimentelle Molekulare Bildgebung der Universität Aachen. „Welchen Marker wir heranziehen, ist egal, es muss früh sein.“ Da die frühesten Zeichen einer Erkrankung im Gewebe und auf der Zellebene zu finden sind, bringt die Detektion mittels molekularer Bildgebung einen Zeitvorteil.

Eine neue Anwendung ist ein optisches Bildgebungsgerät zur Früherkennung von Arthritis. Und auch der Ultraschall für die molekulare Bildgebung steht, so Kiessling , vor der klinischen Anwendung. Während also die molekulare Bildgebung bereits klinische Realität ist, befindet sich der Einsatz des Ultrahochgeschwindigkeits-MRI mit 7 Tesla noch im experimentellen Stadium. „Eines von weltweit 38 Geräten ist auf dem Gelände des AKH in Wien in Verwendung, mit dem Fokus auf verbreitete Krankheiten“, berichtete Prof. Dr. Siegfried Trattnig, Leiter des Exzellenzzentrums Hochfeld MR in Wien. Eine neue Initiative soll die Möglichkeiten der Bildgebung gebündelt voranbringen. Der Vienna Imaging Cluster werde sich, so Trattnig, mit Anwendungsgebieten von Kunst bis molekularer Bildgebung beschäftigen.

Radiologie bei Diabetes

„Bei Diabetikern ist die frühe Diagnose einer PAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) aus zwei Gründen besonders wichtig“, erklärte Prof. Dr. Siegfried Thurnher, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie (ÖGIR) und Vorstand der radiologischen Abteilung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien. „Einerseits weist sie den Weg zur kardiovaskulären Risikoabschätzung, vor allem betreffend Schlaganfall oder Herzinfarkt, andererseits zur Therapie, um funktionelle Einschränkungen und Verlust einer Extremität zu verhindern.“

Bei Verdacht auf PAVK kann die Radiologie ein für den Patienten schonendes Diagnoseverfahren anbieten, die Magnetresonanz-Angiographie (MRA). Manifestiert sich die PAVK durch Schmerzen im Bewegungsapparat, sieht Thurnher radiologisch gesteuerte Verfahren im klaren Vorteil gegenüber den sonst üblichen invasiven chirurgischen Eingriffen. Zahlreiche Studien konnten deutliche Vorteile der minimal-invasiven Angioplastie gegenüber der offenen Chirurgie aufzeigen, sodass die Bypass-Chirurgie nur bei Versagen der radiologischen Verfahren zum Einsatz kommt. Bei der Angioplastie werden winzige Ballonkatheter über die Leistenarterie in lokaler Betäubung eingeführt und so die Gefäßenge oder der Verschlussbereich aufgedehnt“. Oft erfolgt auch zusätzlich die Einsetzung eines Stents. Die meisten Amputationen eines „diabetischen Fußes“, zurückzuführen auf eine schwere Durchblutungsstörung, können durch eine kombinierte Therapie mit Antibiotika, chirurgischer Wundbehandlung (Débridement) und radiologisch-gesteuerter Revaskularisation vermieden werden.

Detektivarbeit in Sachen Kunst

Auch in der Kunst bietet die Bildgebung Informationen, die auf anderem Wege nicht oder höchst aufwändig zu erhalten wären. Ob es sich dabei um unter Ölfarbenschichten verborgene ältere Versionen desselben Bildes handelt, wie etwa bei Francisco de Goyas „Una mañola“, oder um die Alters- und Materialbestimmung bei antiken Gegenständen. „Jeder Radiologe mit einer gewissen Neugier und einem Zugang zu einem Multidetector CT Scanner kann seine radiologischen Fähigkeiten einsetzen, um unser technisches und kulturelles Wissen über Kunst und Antiquitäten zu erweitern, im Speziellen bei Terrakotta-, Holz- und Steinstatuen”, meinte Dr. Marc Ghysels aus Brüssel. „Das ist zugegebenermaßen eine untypische Anwendung der Radiologie.“ Die Zahl der heute auf dem Markt auftauchenden authentischen Kunstwerke nehme ab, Kopien oder Fälschungen überschwemmten den Kunstmarkt. Daher habe auch diese Anwendung weiteres großes Entwicklungspotenzial.

 

Quelle: 23. Europäischer Radiologenkongress (ECR – European Congress of Radiology), 3. bis 7. März 2011, Wien

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