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Radiologie 1. September 2010

Die Geschichte eines Zahnstochers – 10 Jahre Schmerzen und Immobilisation durch einen nicht erkannten Fremdkörper im Fuß einer 26 jährigen, gesunden Frau

Wir berichten von einer 26 jährigen Patientin, die durch Missverständnisse und mangelndem Zuhören eine 10 jährige Leidensgeschichte hinter sich hat. Im Alter von 16 Jahren hatte sich die Patientin zu Hause einen Zahnstocher ins Spatium interdigitale I/II am rechten Fuß eingetreten. Die Patientin konnte sich damals einen Teil des Zahnstochers selbstständig entfernen, erkannte aber, dass ein Teil des Zahnstochers abgebrochen war und noch in ihrem Fuß stecken musste. Nach Aufsuchen eines Krankenhauses mit Röntgen und diverser anderer Untersuchungen und einem missglückten Entfernungsversuch wurde die Patientin unverrichteter Dinge nach Hause geschickt. 6 Jahre lang litt die Patientin unter rezidivierenden Schmerzen, bis sie vor 4 Jahren umknickte. Von da an kam es zu einer Beschwerdeprogredienz. Mit der Verdachtsdiagnose einer Mittelfußfraktur wurde die Patientin wieder geröntgt. Verdacht einer Muskelhautentzündung. Konservative Therapie. Analgesie. Die Schmerzen blieben. Erst einige Zeit später erkannte der untersuchende Arzt die Situation. Es wurde ein MRT mit Kontrastmittel veranlasst. Ein länglicher Gegenstand war nun sichtbar (Fig. 1). Die Patientin wurde darauf an unsere Abteilung zur operativen Sanierung vorstellig (Fig. 2). Die Patientin musste 10 Jahre mit einem 3,7 cm langen, abgebrochenen Zahnstocher (Fig. 3) im Fuß leiden und 5 Krankenhaus-Stationen durchlaufen, bevor sie von ihrem Leiden befreit werden konnte. Wir neigen dazu, Laborwerten und Befunden blind zu vertrauen, den Patienten aber nicht zuzuhören. Es gilt, die Patienten, und nicht ihre Laborwerte zu behandeln, ihre Klinik zu begreifen, ihnen zuzuhören, auch, wenn es manchmal die Zeit im stressigen klinischen Alltag nicht möglich erscheinen lässt. Nur so kann gute medizinische Arbeit geleistet werden, die im Endeffekt dem Patienten zugute kommt!

Lorenz Larcher, Ingo Plötzeneder, Stefan Riml, Robert Köhnke, Cristof Tasch, Peter Kompatscher, Wiener klinische Wochenschrift 17/18/2010

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