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Radiologie 16. März 2010

Der frühe Blick fängt den Krebs

Fortschritte in der Mammadiagnostik als ein Schwerpunkt am europäischen Radiologenkongress.

Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Brustkrebs ist in den letzten Jahren vor allem aus zwei Gründen gestiegen: verbesserte Therapien und eine frühe Diagnose. Die derzeit zur Verfügung stehenden Methoden und der Ausblick auf die künftige Entwicklung bildeten einen Schwerpunkt bei der Tagung der europäischen Gesellschaft für Radiologie Anfang März in Wien.

 

Die weltweit am häufigsten eingesetzte und breit verfügbare Methode zur Erkennung von Brustkrebs ist nach wie vor die Mammographie. Ergänzt wird sie durch Ultraschall (US) und Magnetresonanztomographie (MRT), wobei Letztere nicht zuletzt aus Kostengründen jenen Frauen vorbehalten ist, die zu einer Hochrisikogruppe zählen. In den USA wird neuerdings auch die Elastographie als Weiterentwicklung des Ultraschalls und der MRT eingesetzt, die nach dem Prinzip der Palpation die unterschiedliche Dichtheit des Gewebes zur Erkennung nützt.

Eine weitere neue Methode, von der sich die Radiologen eine zusätzliche Verbesserung in der Diagnose erwarten, ist die digitale Tomosynthese der Brust (DBT), die mittels Schichtaufnahmen aus unterschiedlichen Winkeln der schwenkenden Röhre ein dreidimensionales Bild erzeugt. Ebenso wird die Nuklearmedizin künftig mit brustspezifischen Gammakameras einen Beitrag auf diesem Gebiet liefern, wobei Experten den jeweils ergänzenden Stellenwert der einzelnen Methoden je nach Fragestellung betonen, nicht zuletzt in der Erfassung des Therapieansprechens. „Mit der Mammographie können wir die Spitze des Eisbergs sehen“, stellte Prof. Thomas Helbich, Universitätsklinik für Radiodiagnostik der Medizin Universität Wien, fest, „mit Ultraschall und noch besser mit MRT können wir den ganzen Berg sehen.“ Um das Entwicklungsstadium des Tumors erfassen zu können, werden künftig wohl auch die funktionelle und Biomarker-Bildgebung zum Einsatz kommen.

Das große Arsenal an zur Verfügung stehenden Bildgebungsverfahren verlangt für einen zielgerichteten Einsatz nicht nur erfahrene Radiologen, sondern auch standardisierte und interdisziplinäre Abläufe. So soll das dreijährige EU-Projekt HAMAM (Highly Accurate Breast Cancer Diagnosis through Integration of Biological Knowledge, Novel Imaging Modalities and Modelling) unter Leitung des Frauenhofer-Instituts den optimalen Ablauf für die Bildgebung der weiblichen Brust und im Falle von malignen Läsionen das beste Vorgehen ermitteln.

Immer wichtiger im Bereich Mammakarzinom-Bildgebung wird, so Dr. Matthew G. Wallis, Cambridge University Hospitals/UK, das Monitoring der neoadjuvanten Therapie und der molekularen Basis der individuellen Behandlungsplanung. Die MRT mit ihren Möglichkeiten der diffusionsgewichteten Bildgebung und der Spektroskopie ist dabei, aus der Forschung in die Praxis zu gehen. Damit wäre es auch, so Wallis, möglich, Patientinnen mit geringem von jenen mit hohem Risiko zu unterscheiden und viele chirurgische Eingriffe zu vermeiden. Vielversprechende Aussichten, meinen die Experten, die den Forschungsschwerpunkt im präklinischen Feld derzeit vor allem im Bereich der brustspezifischen Gammakamera und der Positronenemissions-Mammographie sehen.

 

Quelle: ESR/ECR Pressemitteilungen und „Inside today“ vom 6. und 7. März 2010.

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