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Neue Mittel nicht überlegen?

Antipsychotika der zweiten Generation sind nicht unbedingt besser zur Behandlung erster schizophrener Schübe geeignet als das Medikament der ersten Genera­tion, Haloperidol, folgern die Autoren eines aktuellen Artikels im Lancet (2008; 371: 1085-1097). Den Antipsychotika der zweiten Generation wird nachgesagt, sie wären effektiver und würden seltener Muskelsteifigkeit und Tremor hervorrufen als die Medikamente der ersten Generation. Ob dies nun tatsächlich zutreffend ist, bleibt jedoch Gegenstand von Diskussionen. Ergebnisse aus vergleichenden Studien waren bislang auf Grund einer Überrepräsentation von Männern, einer Unterrepräsentation von Patienten mit anderen Problemen wie Medikamentenmissbrauch, oder auf Grund eines zu kurzen Untersuchungszeitraums unzuverlässig. Die Frage ist bezüglich der Kosten und der Behandlungsempfehlungen für Ärzte von Bedeutung.
Prof. Dr. René Kahn und Kollegen vom Universitätsklinikum Utrecht (UCM) starteten eine offene randomisierte Studie in 14 Ländern (13 europäische Staaten und Israel), die 498 Patienten im Alter von 18 bis 40 Jahren umfasste. Den Teilnehmern wurde per Zufallsverfahren das ältere niedrigdosierte Medikament Haloperidol oder eines der vier höher dosierten moderneren Antipsychotika (Amisulpride, Olanzapine, Quetiapin oder Ziprasidon) zugeordnet.
In den folgenden 12 Monaten beendeten mehr Patienten der Haloperidol-Gruppe (63 Personen) die Behandlung als jene der anderen Gruppen: Amisulpride (32), Olanzapine (30), Quetiapin (51) und Ziprasidon (31). Dennoch lag der Rückgang aller Symptome in allen Gruppen mit etwa 60 Prozent nahezu gleich auf, was die Autoren als eine „klinisch bedeutsame Reaktion“ beschreiben. In der weiteren Auswertung der Daten in Bezug auf Geschlecht, Tendenz zu Selbstmord und Medikamentenmissbrauch stellten die Autoren keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Medikamenten fest.
Die Autoren folgern: „Obwohl die hohe Fortführungsquote bei einigen der moderneren Antipsychotika vermuten lässt, dass eine klinisch bedeutsame Langzeitbehandlung erster schizophrener Schübe erreichbar ist, kann nicht gefolgert werden, dass modernere Antipsychotika in der Behandlung dieser Patienten wirksamer wären als Haloperidol.“

Lancet

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