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Psychiatrie und Psychotherapie 29. September 2008

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Das seit 1. Juni des Jahres an der MedUni Graz untergebrachte Ludwig-Boltzmann Institut (LBI) für Klinisch-forensische Medizin wurde am 9. September feierlich eröffnet.

Im Mittelpunkt des neuen LBI für Klinisch-forensische Bildgebung an der MedUni Graz steht die gerichtsmedizinische Untersuchung von lebenden Personen im Zusammenhang mit der Klärung rechtlicher Fragestellungen. In der klinischen Gerichtsmedizin erstmalig angewandte moderne bildgebende Technologien und Visualisierungen ermöglichen eine objektive Erfassung auch der inneren Verletzungsbefunde, was in der Folge zu einer Erhöhung der Rechtssicherheit führt.
Mit den konventionellen forensischen Untersuchungsmethoden kann der Körper von lebenden Personen nur von außen untersucht werden, weshalb die inneren Verletzungen in der Regel nicht beurteilt werden können. „Durch die rechtsmedizinische Anwendung der radiologischen Verfahren Magnetresonanztomographie und Computertomographie ist es nun erstmals möglich, für Betroffene von körperlicher Gewalt, Missbrauch oder Misshandlung eine auch die inneren Verletzungen erfassende und objektive Befundung sicherzustellen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Kathrin Yen, Leiterin des neuen Ludwig Boltzmann Instituts. Die Ergebnisse der Befundung sollen in Zukunft mittels Visualisierungstechniken für medizinische Laien verständlich und nachvollziehbar dargestellt werden und für Gerichtsverfahren und die Rechtssprechung eine wertvolle Hilfe sein.
Die klinische Gerichtsmedizin erfüllt damit auch die wichtige Funktion eines Übersetzers zwischen Medizin und Gerichten. „Abgesehen von der Entwicklung von Verfahren für die exakte Beweissicherung nach Gewalttaten und der damit verbundenen Steigerung der Rechtssicherheit werden Gerichtsverfahren künftig voraussichtlich verkürzt und langwierige, für die Opfer belastende Einvernahmen in vielen Fällen vermieden“, führt Kathrin Yen weiter aus.

Ambulanz für Opfer

Die Klinisch-forensische Ambulanz der MedUni Graz stellt eine Anlaufstelle für Erwachsene, Kinder und Jugendliche dar, die von körperlicher Gewalt, Missbrauch oder Misshandlung betroffen sind. Betroffene werden durch Opferhilfseinrichtungen (z. B. Kinderschutzgruppen, Frauenhäuser etc.), Ärzte oder durch die Polizei und Staatsanwaltschaft zugewiesen, wobei eine Anzeige nicht Voraussetzung ist. Betroffene erhalten eine gerichtsmedizinische Untersuchung mit ausführlicher Dokumentation der Verletzungen sowie im Bedarfsfall eine Spurensicherung und Begutachtung. Daneben erfolgt auf Wunsch und nach Absprache die Vermittlung weiterführender Schritte wie z. B. die Betreuung durch Opferhilfseinrichtungen, Kliniken, psychologische Betreuung oder weitere Beratungen. Die Ambulanzleistungen sind für die betroffenen Personen kostenlos. „Wir sind sehr dankbar, wenn Gewaltbetroffene in der Klinisch-forensischen Ambulanz durch ihre Bereitschaft, sich radiologisch untersuchen zu lassen, mithelfen, dass die klinische Gerichtsmedizin die Magnetresonanz-Bildgebung (MRT) und die Computertomographie (CT) bald wirkungsvoll einsetzen kann“, sagt Dr. Eva Scheurer, stellvertretende Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts. „Es ist erstaunlich, dass diese in der Klinik routinemäßig eingesetzten Methoden noch nicht für die Gerichtsmedizin angepasst wurden.“ Die neuen Technologien und Anwendungen sollen nun im Rahmen der Forschungstätigkeit des Ludwig Boltzmann Instituts für die Gerichtsmedizin eingesetzt werden. „Mit einer frühzeitigen und umfassenden rechtsmedizinischen Beweissicherung können wir künftig die langwierigen und belastenden Befragungen für die Betroffenen wesentlich verkürzen“, betont Kathrin Yen. „Aber wir können auch die Rechtssicherheit erhöhen im Falle von vorgetäuschten Gewalttaten, die leider in den letzten Jahren vermehrt aufgedeckt wurden.“ Gerade in diesen Fällen benötigt man spezialisierte rechtsmedizinische Kenntnisse und Erfahrung, um eine objektive Begutachtung gewährleisten zu können.

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