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Psychiatrie und Psychotherapie 28. November 2007

Biochemie der Einsamkeit

Isolation verändert den Hirnstoffwechsel (PNAS 2007 Nov 14; [Epub ahead of print]). Studien haben bereits gezeigt, dass die Amygdala eine Schlüsselrolle für die neuronalen Stoffwechselwege von Aggression und Angstzuständen inne hat. Deshalb gilt sie als das Zentrum der Emotionssteuerung. Wissenschaftler der Universität von Illinois in Chicago haben an Mäusen untersucht, was bei sozialer Isolation in dieser Gehirnregion vor sich geht. „Wir nutzen ein Tiermodell für menschlichen Stress, weil soziale Isolation sowohl bei Tieren als auch beim Menschen für eine ganze Bandbreite psychologischer Effekte verantwortlich ist, darunter Angst, Aggression und Gedächtnisstörungen“, erklärt Studienautor Prof. Dr. Erminio Costa, Leiter des psychiatrischen Institutes der Universität von Illinois.
Die Forscher suchten in den Gehirnzellen der Amygdala gezielt nach Veränderungen der Konzen­tration zweier Enzyme, die für die Produktion von Allopregnanolon nötig sind. Allopregnanolon trägt über die Regulation von GABA zur Stressreduktion bei. Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift berichten, war bei den Mäusen in „Einzelhaft” die Konzentration der Typ I 5-Alpha-Reduktase um nahezu 50 Prozent reduziert. Das andere Enzym blieb dagegen unverändert.
Nach Ansicht der Neurologen könnte die Reduktion der Typ I 5-Alpha-Reduktase und die daraus resultierende Senkung des Hormonspiegels von Allopregnanolon die Funktion jener neuronalen Signalwege stören, die zum Mandelkern führen. Dies wiederum könnte das aggressive und ängstliche Verhalten der isolierten Mäuse verursachen.
Laut dem wissenschaftlichen Leiter der Universität von Illinois, Prof. Dr. Alessandro Guidotti, reagieren Menschen auf Stress sehr ähnlich: „Indem wir diese Mechanismen identifizieren, können wir vielleicht auch Wirkstoffe finden, mit denen sich diese Stresseffekte behandeln lassen.“

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