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Neurologie 24. Oktober 2007

Sorgenkind Gehirn

Im Laufe eines Jahres erkrankt einer von drei EU-Bürgern an einer Krankheit des Gehirns, und die Patientenzahlen steigen. Diese beunruhigenden Daten wurden auf dem 20. Kongress des ECNP genannt. Gleichzeitig diskutierten die Teilnehmer Gegenstrategien.

Depression, Alkoholsucht, Angststörungen, Psychosen, Demenz – Störungen des Gehirns zählen fraglos zu den Geißeln des 21. Jahrhunderts. Schätzungen zufolge sind 27 Prozent der erwachsenen EU-Bürger – mehr als 80 Millionen – innerhalb eines Jahres von einer derartigen Erkrankung betroffen, Tendenz steigend.
Abgesehen vom seelischen Leid der Betroffenen geben die ökonomischen Aspekte Anlass zur Besorgnis, denn die Gesamtkosten werden mit fast 300 Milliarden Euro pro Jahr beziffert (drei Prozent entfallen auf die medikamentöse Therapie). „Erkrankungen des Gehirns verursachen ein immenses Ausmaß an medizinischen, psychosozialen und ökonomischen Belastungen, die bislang in jeder Hinsicht unterschätzt worden sind“, betonte der Generalsekretär des European College of Neuropsychopharmacology (ENCP) Prof. Dr. Hans Ulrich Wittchen vom Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der TU Dresden, bei der Eröffnungspressekonferenz des Kongresses des ECNP.

Späte Behandlung

„Die überwiegende Mehrheit der Personen mit Erkrankungen des Gehirns bleibt unbehandelt, insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene“, warnte Wittchen. „Eine Behandlung wird typischerweise erst dann eingeleitet, wenn bereits schwerwiegende Komplikationen vorhanden sind. Und selbst wenn die Betroffenen bereits behandelt werden, erhalten sie nur selten eine angemessene Therapie.“
Grund genug, sich eingehend mit diesen Krankheitsformen zu befassen – so geschehen beim ECNP-Kongress vom 13. bis 17. Oktober in Wien. 6.000 Psychiater, Neurologen, Psychologen und Neurowissenschafter präsentierten (und diskutierten) die aktuellen Erkenntnisse sowie die neuesten Entwicklungen hinsichtlich der Entstehung und Behandlung von Erkrankungen des Gehirns, wobei der Schwerpunkt der Neuropsychopharmakologie auf der Erforschung der hochkomplizierten Transmittersysteme und Übertragungsmechanismen – auf denen die Vernetzung der Neuronen basiert – und deren gezielten Beeinflussung liegt. Ziel des ECNP ist es, eine Plattform für die verschiedenen Ebenen dieses Forschungsgebietes zu bieten: Grundlagen- und klinische Forschung, Therapieformen (medikamentös und nichtmedikamentös), Wissenstransfer sowie Forschung und Fortbildung. Denn nach Wittchen sind flächendeckende und systematische Ansätze vonnöten, um diesen Erkrankungen wirksam zu begegnen.

Mag. Ingo Schlager, Ärzte Woche 43/2007

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