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Genetisch beeinträchtigt

Bei Patienten mit bipolarer Störung können bis zu zehn mal mehr DNA-Schäden nachgewiesen werden als bei mental gesunden Individuen. Das ist das Resultat einer brasilianischen Studie (Psy Res 2007 Sep 30;153(1):27-32). Lavio Kapczinski vom Bipolar Disorders Program in Porto Alegre untersuchte mit seinen Mitarbeitern 32 Patienten, die laut DSM-IV-Klassifikation an einer bipolaren Erkrankung litten. Bei diesen war mit der Young Mania Rating Scale (YMRS) und der Hamilton Depression Rating Scale (HDRS) manische beziehungsweise depressive Symptomatik nachgewiesen worden. Die Kontrollgruppe bestand aus 32 gesunden Teilnehmern, deren Verwandte ersten Grades frei von Krebs, psychiatrischen Erkrankungen, Demenz oder neuropsychologischen Defekten waren.
Blutproben wurden abgenommen und mittels Comet-Assay das Ausmaß der DNA-Schäden quantifiziert. Die Comet-Untersuchung kann Einzel- und Doppelstrangbrüche der Doppelhelix nachweisen. Solche Schäden entstehen beispielsweise durch oxidativen Stress. Das Ergebnis: Patienten mit bipolarer Störung wiesen auf einem DNA-Schadensindex von 0–400 Mittelwerte von 107 auf. Dabei korrelierte das Ausmaß der Schäden mit dem Schweregrad der Symptomatik. Bei seelisch gesunden Individuen betrug der Mittelwert etwa 10. Chronische Erkrankungen, welche bei bipolaren Patienten besonders häufig sind, könnten zu dem Erbgutschaden beitragen, meinen Kapczinski et al. Kardiovaskuläre Erkrankungen, Fettsucht und Diabetes mellitus sind bei Menschen mit bipolarer Störung besonders häufig, zusätzlich sind bei bipolaren Patienten die Spiegel antioxidativer Enzyme besonders niedrig, was hohen oxidativen Stress bedingt. Kapczinski resümiert, dass es nicht möglich ist, festzustellen, ob die DNA-Schäden Folge oder Ursache der bipolaren Erkrankung sind.

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