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Psychiatrie und Psychotherapie 27. September 2007

ADHS durch Zusatzstoffe

Lebensmittelzusätze können hyperaktive Verhaltensweisen bei Kindern verstärken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der britischen Food Standards Agency. Ein Zusammenhang von künstlichen Lebensmittelfarben und anderen Nahrungsmittelzusätzen mit überaktivem Verhalten bei Kindern war bereits in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch den amerikanischen Pädiater Stuart Feingold vermutet worden. Mittlerweile liegen mehrere Studien zu dem Thema vor sowie eine Meta-Analyse der Columbia University, New York (J Dev Behav Pediatr. 2004; 25: 423-434).
Diese Metauntersuchung bestärkt den Verdacht, dass künstliche Farbstoffe einen negativen Einfluss auf kindliche Hyperaktivität ausüben.
An der nun veröffentlichten Arbeit (Lancet 2007; doi:10.1016/S0140-6736(07)61306-3) nahmen 153 gesunde Kinder im Alter von drei Jahren und 144 acht bis neun Jahre alte Kinder teil. Über sechs Wochen hinweg tranken die Kinder präparierte Fruchtsäfte, die geschmacklich und optisch völlig identisch waren. Zwei der drei Getränke ent­hielten künstliche Farb- und Zusatzstoffe: stets Natriumbenzoat (E211), in Getränkegruppe A zusätzlich Gelborange (E110), Carmoisin (Azorubin, E122), Tartrazin (E102) und Cochenillerot A (Ponceau 4R, E124). Getränkegruppe B enthielt zusätzlich zu E211, E110 und E122 noch Chinolingelb (E104) und Allurarot AC (E129).
Die Dosierung der Zusatzstoffe für Dreijährige wurde so gewählt, dass die Farbstoffmenge derjenigen in zwei Säckchen Süßigkeiten zu je 56 Gramm entsprach. Die älteren Kinder erhielten mit Getränkegruppe A eine Zusatzstoffmenge entsprechend zwei Säckchen, mit Gruppe B die Zusätze von vier Säckchen Süßigkeiten. Laut Autoren kommt dies den Ernährungsgewohnheiten vieler Kinder nahe.
Endpunkt der Studie war ein „global hyperactivity aggregate“ (GHA) aus Beobachtungen der Eltern und der Schule, einer ADHS-Skala und einem Aufmerksamkeitstest am PC für die älteren Kinder.
Das Resultat: Mix A steigerte die Hyperaktivität verglichen mit Placebo signifikant, Mix B ergab wechselnde Resultate mit starker Streuung. Jedoch war eine signifikante Steigerung der GHA-Scores erkennbar, wenn die Auswertung auf Kinder beschränkt wurde, die mindestens 85 Prozent der Getränke konsumiert hatten.
Die Studienautoren warnen jedoch vor zu großen Erwartungen: Der Verzicht auf künstliche Farb- und Zusatzstoffe alleine werde hyperaktive Störungen nicht unbedingt verhindern.

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