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Psychiatrie und Psychotherapie 27. September 2007

Östradiol gegen Psychosen

Schizophreniepatienten profitieren von spezifisch antipsychotischen Effekten der endokrinen Substanz. Das zeigen jüngste Forschungsergebnisse. Vorangegangene Studien hatten gezeigt, dass Östrogen neurotropische und neuroprotektive Wirkung besitzt. OA DDr. Niels Bergemann und seine Kollegen an der Universität Heidelberg untersuchten in ihrer neuen Arbeit (Psychol Med 2007; 37: 1427-1436) 125 prämenopausale Schizophreniepatientinnen mit regelmäßiger Monatsblutung. Die Wissenschaftler bestimmten den 17-beta-Östradiol-Spiegel während der verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus. Gleichzeitig wurden die Teilnehmerinnen auf positive und negative Symptome der Schizophrenie geprüft. Dabei kamen diagnostische Werkzeuge wie die „Brief Psychiatric Rating Scale“ (BPRS) und die „Positive and Negative Symptom Scale“ (PANSS) zum Einsatz. Wie die Studienautoren berichten, fiel der 17-beta-Östradiol-Spiegel während des Menstruationszyklus generell ab. Die Östradiolspiegel der verschiedenen Zyklusphasen unterschieden sich deutlich voneinander. Der Plasmaspiegel des luteinisierenden Hormones war in der Lutealphase erhöht, ansonsten durchwegs niedrig. Die Prolaktinspiegel zeigten sich während des gesamten Zyklus signifikant erhöht. Bezogen auf die Zyklusphase, waren bei Prolatin keine Spiegeländerungen nachweisbar.
Überraschenderweise verbesserten sich die PANSS- und BPRS-Werte im Laufe der follikulären und periovu­latorischen Phase nicht. In diesen Phasen ist der Östrogenspiegel am höchsten. Jedoch verbesserten sich die PANSS-Werte signifikant in der Lutealphase, ebenso wie bestimmte Messwerte der BPRS.
Weitere Analysen ergaben, dass die Östradiolspiegel die PANSS-Positivskala sowie die BPRS-Skalen für Denkstörungen und negative Affekte signifikant beeinflussten – ­diese repräsentieren akute psychotische Symptome am besten.
Die Menstruationsphasen bewirkten signifikante Änderungen aller PANSS- und BPRS-Subskalen.
Die Autoren schließen: „Die vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass Östrogen spezifische antipsychotische Wirkungen auf die Schizophreniesymptome betroffener Patientinnen hat. Die Bedeutung dieses Effektes bei unterschiedlichen Patientengruppen muss noch geklärt werden.“

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