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Schlafen und denken

Laut einer Studie des Salzburger Psychologen Manuel Schabus ist das Gehirn während des sogenannten Leichtschlafes aktiver als bislang angenommen. Schabus führte am Cyclotron Research Center in Lüttich, Belgien, Untersuchungen durch, bei denen erstmals EEG und MRT gleichzeitig eingesetzt wurden (PNAS Vol. 104, Nr. 32). Über das EEG konnte der Forscher laufend die Gehirnaktivität und also die Schlafphase der Probanden bestimmen. Über das MRT wurde der Durchblutungszustand der verschiedenen Hirnareale aufgezeichnet. Starke Durchblutung wurde mit hoher Aktivität gleichgesetzt. So konnte ein genaues Bild dessen gezeichnet werden, zu welchem Zeitpunkt welches Gehirnareal gerade intensiv arbeitet. Bekanntermaßen ist das Gehirn im Traum- oder REM-Schlaf besonders aktiv. Während dieser Phase arbeiten auch sensomotorische Areale des Gehirns, die im Wachzustand für die Bewegungssteuerung verantwortlich sind. Auch der Hippocampusbereich ist während der REM-Phase aktiviert, was auf Gedächtnisprozesse hinweist. Schabus und sein Team konnten nun mit ihrer neuen Forschungsmethode nachweisen, dass das Gehirn außerhalb der REM-Phase tatsächlich ruhiger ist. Aber auch in diesen Ruhephasen treten kurz Aktivierungsperioden auf: sogenannte Spindeln – EEG-Ausschläge mit unterschiedlich rascher Frequenz – werden im EEG sichtbar. Wie Schabus entdeckte, kommt es während der Schlafspindeln zur verstärkten Durchblutung einzelner Areale. Bei Spindelfrequenzen über 13 Hertz wurden sensomotorische Areale und Hippocampus aktiviert. Schabus schließt daraus, dass nicht nur während der REM-Phasen, sondern auch während der schnellen Spindeln Gedächtnisverarbeitung geleis­tet wird. Unklar sind die Vorgänge während des Auftretens langsamer Spindeln, hierbei sind Teile der Frontallappen aktiv.

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