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Russisches Rasierwasser

„Nahezu die Hälfte aller Todesfälle bei Männern im arbeitsfähigen Alter in einer typischen russischen Stadt ist wohl auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen.“ Zu diesem Schluss kommt Prof. Dr. David Leon von der London School of Hygiene and Tropical Health in einer jüngst im „Lancet“ veröffentlichten Arbeit (Leon D et al, Lancet 2007,369). Er untersuchte mit seinen Mitarbeitern das Trinkverhalten der männlichen Bewohner einer typischen russischen Industriestadt – in diesem Fall Izhevsk im Ural-Gebirge. Die Daten von 1.750 lebenden und 1.750 zwischen 2003 und 2005 verstorbenen Männern wurden berücksichtigt. In Russland herrscht trotz Industrialisierung eine außergewöhnlich niedrige Lebenserwartung von 59 Jahren bei Männern und 72 Jahren bei Frauen. Und russische Männer haben ein dreieinhalbfach erhöhtes Todesrisiko gegenüber gleichaltrigen Briten. Die Gründe: Neben herkömmlichen Trinkalkoholen werden alkoholhaltige Tinkturen konsumiert, die nicht zum Verzehr gedacht sind – wie etwa Reinigungsmittel und Rasierwasser. Denn diese Produkte werden anders besteuert und sind daher billiger: pro Alkoholeinheit kosten sie nur bis zu einem Sechstel. Abgesehen davon werden in Russland Alkoholika in großem Maß illegal produziert. Und die Konsumenten sind häufig mangelernährt und leben in schlechten Wohnverhältnissen, was zu der hohen Sterblichkeit beitragen dürfte.

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