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Psychiatrie und Psychotherapie 20. September 2007

Stressreduktion durch körperliche Aktivität

„Regelmäßige Bewegung kann Stress reduzieren und so auch einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf bei Schizophrenie haben“, lautet das Fazit von Dr. Martina Hummer, die vor einigen Jahren ebenfalls Erfahrungen mit einem Sportprogramm für psychisch Kranke sammeln konnte. Die Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie hat 2003 und 2004 regelmäßige Bewegungseinheiten für ambulant und stationär betreute schizophrene Patienten der Universitätsklinik Innsbruck organisiert.

„Das etwa ein Jahr dauernde Programm, an dem mehrere Gruppen von jeweils rund zehn Schizophrenie-Patienten teilnahmen, fand am Institut für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck statt und wurde von dessen Mitarbeitern betreut. Die Kosten für die Trainerinnen und Trainer wurden von einer Pharmafirma übernommen“, so Hummer. Die Patienten kamen zweimal pro Woche für je 90 Minuten zu den Uni-Sportlern. Sie wurden von diesen vor allem mit solchen Sportarten vertraut gemacht, die auch selbständig mit vergleichsweise wenig Aufwand durchführbar sind. „Das waren zum Beispiel Nordic Walking, Jogging oder auch Dehnübungen“, erklärt Hummer.
Das Programm habe sich vor allem auch aus sozialer Sicht als günstig erwiesen, betont die Tiroler Psychiaterin: „Etliche Patienten haben mir berichtet, dass es ihnen viel bedeutet hat, sich am Sportinstitut der Universität Innsbruck unter so genannten Gesunden aufhalten zu können.“
Den Anstoß für das vor drei Jahren in der Tiroler Landeshauptstadt umgesetzte Bewegungsprogramm gab übrigens eine Studie, bei der unter anderem untersucht werden sollte, inwieweit Sport bei Patienten mit Schizophrenie zur Gewichtsreduktion beitragen kann. „Bei dieser Erhebung war vorgesehen, dass die Patienten drei Mal pro Woche auf einem Ergometer Rad fahren, also eine eher eintönige Form der Bewegung ausüben“, erinnert sich Hummer. Zunächst seien sie und ihre Kolleginnen und Kollegen deshalb davon ausgegangen, dass es niemals funktionieren werde, dass Patienten, die auch unter Motivationsproblemen leiden, dieses Programm wie geplant absolvieren würden. Wider Erwarten sei die „Compliance“ jedoch gut gewesen, so die Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie: „Das hat mich dann dazu bewogen, in der Folge auch ein abwechslungsreicheres Sportprogramm für Schizophrene umzusetzen.“ n

Mag. Dietmar Schobel, Ärzte Woche 38/2007

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