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Psychotherapie bei bipolarer Erkrankung

Medikamentöse Basistherapie bipolarer Störungen sind „mood – stabilizer“ wie Lithium. Intensive Psychotherapie ist eine wertvolle Ergänzung.

Das „Systematic Treatment Enhancement Program for Bipolar Disorder“ (STEP-BD) unter der Ägide der National Institutes of Health (NIH) beforscht medikamentöse und psychotherapeutische Therapien bipolar Erkrankter. Etwa 2,6 Prozent der amerikanischen Bevölkerung leiden unter einer bipolaren Störung: ein Teufelskreis aus Manie und Depression. Der neue Direktor der NIH Dr. Elias A. Zerhouni in einer Presseaussendung: „Wir wissen, dass Medikamente in der Behandlung bipolarer Störungen eine zentrale Rolle spielen. Unsere neuen Erkenntnisse sind ein Hinweis darauf, dass gezielte Psychotherapie zusätzlich zur optimalen Medikation eine dauerhafte Besserung ermöglicht.“

Antidepressiva sicher ...

Neue Ergebnisse des STEP-BD (N Engl J Med. 2007 Mar 28; [Epub ahead of print]) hatten gezeigt, dass Antidepressiva bei bipolaren Störungen sicher sind, bei optimaler Basistherapie aber keinen zusätzlichen therapeutischen Nutzen haben. In den USA wird in der Behandlung bipolarer Störungen routinemäßig auch Psychotherapie eingesetzt. Im Rahmen von STEP–BD wurde der Effekt verschiedener psychotherapeutischer Ansätze ver­glichen. Studienleiter Prof. Dr. David Miklowitz von der Abteilung für Psychologie der University of Colorado teilte 293 Teilnehmer drei standardisierten, intensiven Psychotherapieprogrammen bzw. einem dreimaligen psychologischen Beratungsprogramm zu.

... Psychotherapie sinnvoll

Folgende Therapieformen wurden verglichen:
• Kognitive Verhaltenstherapie: Hier wurden die Patienten über die Grundlagen der Erkrankung und krankheitsbedingte Denk– und Handlungsstörungen informiert. Sie lernten, mit ihrer
Erkrankung besser umzugehen.
• Interpersonelle Therapie mit Regulierung der sozialen Rhythmik: Versucht die Tagesabläufe sowie den Tag/Nacht-Rhythmus unter Einbeziehung von Bezugspersonen zu stabilisieren.
• Familienfokussierte Therapie: Die Kommunikation innerhalb der Familie, Problemlöseverhalten und familiäre Krankheitsbewältigung standen hier im Vordergrund.
Alle Teilnehmer standen bereits unter medikamentöser Behandlung. Die Therapieprogramme dauerten neun Monate und beinhalteten bis zu 30 Sitzungen. Nach einem Jahr waren 64 Prozent der intensiv betreuten Patienten gesundet. 52 Prozent waren es im minimalen Betreuungsprogramm. Intensiv betreute Patienten waren im Schnitt um 110 Tage früher wieder gesund und um das 1,5-fache öfter ausgeglichen als Teilnehmer der Vergleichsgruppe. Daher, so Miklowitz, hat sich der Aufwand gelohnt. „Zusätzlich zur Medikation erhöht intensive Psychotherapie die Chancen von Betroffenen, eine Depression zu überwinden und danach gesund zu bleiben.“ Für Miklowitz ist Psychotherapie zentraler Bestandteil der Behandlung bipolarer Störungen.

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