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Die Rastlosigkeit mit Aktivität besiegen

Eine Kombination von Ausdauer- und Krafttraining kann Patienten mit Restless Legs schon nach sechs Wochen eine entscheidende Verbesserung bringen.

Rund zehn Prozent der Bevölkerung in Mitteleuropa leiden an dem unbezwingbaren Bewegungsdrang der Beine, der sich mit Herumlaufen, Beinerubbeln oder Herumwälzen im Bett bemerkbar macht und oft mit Missempfindungen einhergeht; mehr Frauen als Männer und hauptsächlich ältere und übergewichtige Menschen sind betroffen. Die neurologische Störung wird hauptsächlich durch Eisenmangel verursacht, so zeigten sich in verschiedenen Studien mehrere Hinweise auf einen intrazellulären Eisenmangel in der Substantia nigra. Gleichzeitig fehlt die Hochregulation der Transferrinrezeptoren, die normalerweise eine Konsequenz der Eisenknappheit ist. Nach den essentiellen Kriterien des Restless-Legs-Syndroms (RLS), die im Jahr 2003 formuliert wurden, treten die Beschwerden hauptsächlich bei Inaktivität – im Sitzen oder Liegen – auf und werden im Vergleich zum Tag am Abend und in der Nacht schlimmer. Auch dass sich die Symptome bei Aktivität bessern, jedenfalls so lange, wie der Betroffene in Bewegung bleibt, gilt als ein Kriterium des RLS.

Langsame Steigerung

Dopaminerge Medikamente gelten derzeit als Therapie der Wahl, denn auch wenn bekannt ist, dass die Rastlosigkeit durch Aktivität gebremst werden kann, hat bisher noch kaum jemand untersucht, wie lange dieser Effekt anhält und ob er therapeutisch nutzbar ist. Überdies gibt es anekdotische Berichte darüber, dass intensives Bewegungstraining die Symptome verschlimmern kann. In einer relativen kleinen, aber erstmals randomisierten und kon­trollierten Studie nahm sich Dr. Max Bayard von der Abteilung für Allgemeinmedizin der US-amerikanischen East Tennessee State University mit seiner Forschungsgruppe nun dieser Thematik an. 41 Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip einer Trainings- oder einer inaktiven Kontrollgruppe zugeteilt. Drei Monate lang trainierten die Patienten der Interventionsgruppe dreimal in der Woche sowohl ihre Ausdauer als auch ihre Muskelkraft. Dazu mussten sie jeweils 30 Minuten mit 40 bis 60 Prozent ihrer normalen Herzfrequenz aufs Laufband – wobei eine fünfminütige Aufwärmphase dem Training voranging und ein ebenso langes Cool down sich daran anschloss. Das leichte Krafttraining bestand aus Übungen für die Bein- und Hüftmuskulatur: Begonnen wurde mit einem Übungsdurchgang, später wurde auf zwei Sätze zu acht bis zwölf Widerholungen gesteigert und auch das Gewicht erhöht. Medikamentöse Therapien blieben während der Studiendauer unverändert. Bereits bei der Kontrolluntersuchung nach sechs Wochen konnte bei den Probanden der Trainingsgruppe eine signifikante Besserung der Symptome festgestellt werden, die bis Studienende anhielt. „Unsere Untersuchung zeigt, dass ein Bewegungsprogramm die Symptome des Restless-Legs-Syndroms bessern kann“, resümiert Bayard im Journal of the American Board of Family Medicine (JABFM 2006;19(5):487-493), wenngleich er einräumt, dass zum endgültigen Beweis noch Studien mit größeren Patientengruppen sowie ein Vergleich von Training und Medikation durchgeführt werden müssen und eine Doppelblindstudie bei diesem Design nicht möglich ist.

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