zur Navigation zum Inhalt
 

Maßgeschneiderte Therapie bei Schizophrenie

Unbestritten ist die Wirksamkeit der Antipsychotika der zweiten Generation bei Schizophrenie. Aber welches Medikament sollte welchem Patienten verabreicht werden?

„Wir wissen heute, dass die Anti-psychotika der zweiten Generation in der Behandlung der Schizophrenie alle gut wirksam sind“, leitete Prof. Dr. Martina Hummer von der Univ.-Klinik für Psychiatrie an der Meduni Innsbruck ihren Vortrag im Rahmen des 16. Alpenländischen Psychiatriesymposiums Anfang September in Seefeld/Tirol ein. „Die Mühe besteht darin, das richtige Medikament für den individuellen Patienten auszuwählen.“ Die Frage, ob potenzielle Nebenwirkungen von Antipsychotika der zweiten Generation die Entscheidung für ein bestimmtes Medikament erleichtern, relativierte Hummer: „Es geht nicht allein um Nebenwirkungen eines bestimmten Antipsychotikums.“ Vielmehr müsse man die Therapie individuell für jeden Betroffenen maßschneidern.

Entscheidungsgrundlage:
Nebenwirkungen und Studien

Studienergebnisse zu Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, seien nur bedingt als Basis zur Auswahl eines bestimmten Anti­psychotikums dienlich: „Studien bewerten Reaktionen von Patientengruppen, aber vor mir sitzt der einzelne Patient, mit dem ich gemeinsam die Entscheidung für eine optimale Behandlung treffen muss“, sagte Hummer. Deshalb müsse immer der Patient im Mittelpunkt der Therapieentscheidung stehen, erläuterte Hummer, die anhand eines Algorithmus die Auswahl des richtigen Antipsychotikums für den individuellen Patienten erläuterte: „Eine wichtige Rolle spielt, ob der Patient eine Erstmanifestation hat oder bereits mehrfach erkrankt war.“ Ebenso wichtig sei, ob der Patient sonst körperlich gesund, vorbehandelt und compliant ist.
Nur im Gespräch mit dem Patienten und über eine ausführliche Anamnese könne eine adäquate Therapieentscheidung getroffen werden. Diese müsse immer gemeinsam mit dem Patienten erfolgen, da es sonst schnell zu Com­pliance-Problemen kommen kann.

Entscheidungsgrundlage:
Patient und Guidelines

Guidelines des National Institute of Clinical Excellence (NICE) aus dem Jahr 2002 halten explizit fest, dass in der Therapie der Schizophrenie Antipsychotika der zweiten Generation zu bevorzugen sind. Ebenso wurde festgeschrieben, dass auf Nebenwirkungen Augenmerk gelegt werden soll. „Schon um Therapieabbrüche hintan zu halten, sollte das unterschiedliche Sicherheitsprofil einzelner Substanzen in die Therapieentscheidung einbezogen werden“, so Hummer. Nebenwirkungen von Antipsychotika führen sehr häufig zu Therapieabbrüchen. Das zeigten auch die Ergebnisse der vieldiskutierten CATIE-Studie (Libermann et al.: Clinical Antipsychotic Trials of Intervention Effectiveness. N Engl J Med 2005;353:1209-1223). Beim Vergleich der Wirkung von Anti-psychotika der zweiten Generation mit einem Antipsychotikum der ersten Generation brachen 75 Prozent der Patienten quer durch alle Behandlungsgruppen die Behandlung vorzeitig ab. Nichtsdestoweniger überwiegen für Hummer die Vorteile einer Behandlung mit einem Antipsychotikum der zweiten Generation: „Nebenwirkungen wie tardive Dyskinesien treten unter einer Behandlung mit Antipsychotika der zweiten Generation kaum mehr auf.“

Sabine Fisch, Ärzte Woche 27/2002

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben